Wolkersdorf im Weinviertel

Erstellt am 20. Juli 2016, 03:08

von Benjamin Schlöglhofer

Nachbarschaftsstreit: Wende in Dauerfehde?. Nach Freispruch überlegt Nachbar bereits Gegenanzeigen. Anwalt strebt Verfahrenswiederaufnahme an.

Haus an Haus leben die Nachbarn. Von einer guten Nachbarschaft kann nicht die Rede sein. Unzählige Streitigkeiten werden vor Gericht ausgetragen.  |  Benjamin Schlöglhofer

Manche Nachbarn verbindet eine lebenslange Freundschaft. Und andere bekriegen sich. Zwei Wolkersdorfer gehören zu Letzteren. Seit Jahren terrorisieren sie  einander mit Anzeigen und Gerichtsverfahren.

Erst vergangenen Freitag wurde einer der beiden  von dem Vorwurf des Stalkings freigesprochen. Behauptet wurde, er stelle der Gattin des Nachbarn nach.

Zuvor war er zwei Wochen in Untersuchungshaft und wurde erst drei Tage vor der Verhandlung freigelassen. Sein Verteidiger Florian Höllwarth hatte das erwirkt. 2012 war sein Mandant bereits in derselben Causa verurteilt worden.

Anwalt Höllwarth: „Ich überlege Wiederaufnahme des Verfahrens von 2012.“  |  zVg

„Natürlich werden wir jetzt zurückschießen“, sagt der Freigesprochene. In den nächsten Tagen werde er sich mit seinem Anwalt treffen und weitere Schritte besprechen.

Höllwarth, von der Rechtsanwaltskanzlei Marschitz und Beber, sieht das wie sein Mandant: „Ich überlege eine Wiederaufnahme des Verfahrens von 2012. Mein Mandant musste damals auch Schmerzensgeld zahlen.“

Der aktuelle Freispruch rücke das in ein anderes Licht. Daher prüfe der Anwalt, ob das Nachbar-Ehepaar wegen Verleumdung geklagt wird. Was 2012 geschah? Die Nachbarn  zeigten ihren Nachbarn an, weil er die Frau beobachtet habe, als sie Wäsche aufgehängt hat. Dabei habe er masturbiert. Das Ehepaar war nicht für einen Kommentar zu den aktuellen Geschehnissen erreichbar.

Die Anklageserie rund um das Stalking ist nur eine von vielen. Höllwarths Mandant erzählt, er warte momentan auf ein Urteil des Bezirksgerichts. Der Nachbar habe ihn wegen Verbrennens von imprägniertem Holz und Müll angezeigt.

Konflikte gibt es auch wegen Lärmbelästigung. Ein Prozess wegen einer Buttersäureattacke gegen die Nachbarsfamilie erregte sogar die Aufmerksamkeit der ORF-Sendung „Schauplatz Gericht“, die dem Nachbarschaftsstreit daraufhin eine Folge widmete.