Wolkersdorf im Weinviertel

Erstellt am 13. Juli 2016, 03:00

Richard Canek im Interview - Flüchtlinge? "Es reicht!“ . Wolkersdorfs FPÖ-Parteiobmann Richard Canek über Flüchtlingsunterkünfte, aktuelle Projekte in der Stadt und das Potenzial der Blauen in der boomenden Stadt.

Richard Canek hofft, dass die Wolkersdorfer FPÖ auf der Erfolgswelle der Bundespartei mitgetragen wird. Er denkt, wenn der Trend bleibt, sollten bei der nächsten Gemeinderatswahl drei Mandate möglich sein.  |  Pfabigan

NÖN: Aktuell sorgt das Thema „neue Volksschule“ für Konflikte im Gemeinderat. Wie stehen Sie zur Schule der Zukunft?

Richard Canek: Die Renovierung der Volksschule in Wolkersdorf ist, denke ich, die beste Lösung. Auch die ÖVP ist dieser Meinung. Das ist um vier Millionen Euro billiger als ein Neubau. Von dem Campusmodell, das MIT:uns und WUI vorgeschlagen haben, halte ich nichts. Ich bin gegen dieses Zentralisieren von allem.

„Wir sind derzeit nur eine Handvoll Leute, die aktiv in der Partei arbeiten.“

 

Für wie riskant halten Sie die Investitionen der Gemeinde in das Gasthaus Obersdorf?

Leider ist ein Interessent an dem Wirtshaus vor Kurzem abgesprungen. Dass jetzt trotzdem gebaut wird, obwohl im Gemeinderat beschlossen wurde „Kein Pächter - kein Bau“ finde ich nicht okay. Grundsätzlich stehe ich ja voll hinter dem Projekt. Es muss eine professionelle Pächtersuche geben. Aber eins ist auch klar: Das Besteck zahlen wir dem nicht!

Ist die Dimension des neuen Feuerwehrhauses in Riedenthal Ihrer Meinung nach gerechtfertigt?

Die Feuerwehr braucht jeder. Da will ich nicht dagegen stimmen. Ich rechne in Riedenthal auch mit Zuzug in den nächsten Jahrzehnten. Der Ort ist sehr begehrt, weil er so ruhig ist. Bei dem geplanten Bau ist das miteinkalkuliert. Das ist eine Dimension für die Zukunft.

Im Bezirk wird vielerorts Stimmung gegen Asylunterkünfte gemacht. Warum ist es in Wolkersdorf trotz Unterkünften so ruhig?

Wir wollen nicht die gleichen Zustände wie in Mistelbach. Demos mit irgendwelchen Rechten. Das bringt nichts. Wenn jemand Hilfe braucht, muss man auch helfen. Aber man darf auch nicht auf die bedürftigen Wolkersdorfer vergessen.

Wie viele Flüchtlinge kann Wolkersdorf noch aufnehmen?

Gar keine! Viele sind in Privatunterkünften untergebracht. In der Halle 18 sind 60 Flüchtlinge, der Großteil davon Männer. Das reicht.

Vor welchen Herausforderungen sehen Sie sich als neuer Parteichef der FPÖ in Wolkersdorf?

Wir sind derzeit nur eine Handvoll Leute, die aktiv in der Gemeindepartei arbeiten. Es gibt schon großen Zuspruch. Viele wollen uns unterstützen. Sie wollen aber nirgends aufscheinen. Aus Angst, privat oder beruflich, in Schwierigkeiten zu geraten. Mit Hilfe der Bezirks-FPÖ wollen wir in nächster Zeit die Zahl der Aktiven erhöhen. Wichtig ist mir auch in Zukunft mit allen, egal von welcher Partei, einen Dialog zu führen.

Wie viel Potenzial hat die FPÖ Wolkersdorf?

Wenn man sich den Bundestrend ansieht, und der wird sich auch bei den nächsten Wahlen in Wolkersdorf niederschlagen, viel Potenzial. Ich hoffe auf drei Mandate im Gemeinderat.

Wo sehen Sie die Stadtgemeinde in fünf Jahren?

Wolkersdorf wird weiter wachsen. Bürgermeisterin Anna Steindl will das lenken. Ich glaube nicht, dass das geht. Einen beträchtlichen Teil des Zuwachses werden wohlsituierte Rentner ausmachen. Ich glaube, dass dadurch das Leben in der Wolkersdorfer Region teurer wird. Die Jugend wird sich das nicht mehr leisten können. Da muss die Gemeinde gegensteuern.

 

Im Detail

Der Wolkersdorfer Gemeinderat setzt sich wie folgt zusammen:
ÖVP: 15 Sitze, Bürgerinitiative MIT:uns: 6 Sitze, Wolkersdorfer Umwelt Initiative (WUI): 4, SPÖ: 3, FPÖ: 1

Die NÖN lädt in den kommenden Wochen alle Chefs der Wolkersdorfer Parteien zu Sommergesprächen ein.