Erstellt am 05. Mai 2016, 08:04

von Michael Pfabigan

Zu kleine Margen bei Fenstern. Insolvenzverfahren gestartet: Trotz voller Auftragsbücher schlitterte Cocon in die roten Zahlen.

Die Auftragsbücher waren voll, die Gewinnmargen aber zu gering: Der Sicherheitsfenster-Produzent Cocon trennt sich von seinen Montagetrupps, soll aber als Firma entschuldet weiter bestehen.  |  NOEN, Pfabigan Michael

Volle Auftragsbücher, aber zu kleine Gewinnmargen: Das dürfte Ursache sein, dass über die Firma Cocon Sicherheitssysteme in Wolkersdorf das Insolvenzverfahren eröffnet werden musste.

Laut Alpenländischem Kreditorenverband (AKV) steht das Unternehmen 1,1 Mio. Euro bei 115 Gläubigern in der Kreide, Creditreform spricht von Passiva von 1,8 Mio. Euro. Wie hoch die Schulden tatsächlich sind, wird im Zuge des Insolvenzverfahrens geklärt.

So wie es jetzt aussieht, soll das Unternehmen weitergeführt werden, allerdings will man sich von der gesamten Montage-Abteilung trennen: 16 Personen wurden beim Vorwarnsystem des Arbeitsmarktservices bereits Anfang April zur Kündigung angemeldet. Die betroffenen Mitarbeiter wurden bereits Anfang vergangener Woche nach Hause geschickt, sie rechnen damit, dass diese Woche die Kündigung ausgesprochen wird.

„Die Probleme sind uns seit Jänner bekannt: Mitarbeiter wandten sich an uns, weil im Dezember das Weihnachtsgeld nicht ausgezahlt wurde“, weiß Rudolf Westermayer, der mit der Arbeiterkammer die Interessen der insgesamt 33 Beschäftigten vertritt.

„Die Mitarbeiter wollten ihren Austritt aus dem Unternehmen nicht erklären, weil sie sich wie in einer Familie fühlten.“

Ende März/Anfang April musste die Arbeiterkammer jetzt handeln und die offenen Gehaltteile einfordern, damit diese nicht verfallen: „Die Mitarbeiter waren frustriert und am Boden zerstört, sie wollten aber aus dem Unternehmen nicht austreten, da sie sich wie in einer Familie aufgehoben fühlten“, schildert Westermayer die enge Verbundenheit der - teilweise langjährigen - Mitarbeiter.

Am 27. April wurde der Konkursantrag gestellt, demnächst wird die Arbeiterkammer eine Mitarbeiterversammlung abhalten und über die Mitarbeiter über ihre Rechte im Verfahren informieren.

Cocon, das alteingesessene Familienunternehmen Obermayer, stellt her und vertreibt Sicherheitsfenster und -türen. Chefin Roswitha Obermayer hatte gegenüber AKV angegeben, dass die Auftragslage des Unternehmens zufriedenstellend sei, insbesondere das Privatkundengeschäft stelle eine wesentliche Stütze dar.

Sie führt das Abgleiten in die Insolvenz auf Umsatzrückgänge aus Projektgeschäften zurück, mit denen zwar die Umsätze stiegen, aber keine Gewinne erwirtschaftet werden konnten.