Erstellt am 09. März 2016, 05:04

von Ingrid Fröschl-Wendt

Zu wenige Ärzte in der Stadt. proLAA will Kassenärzte mit 30.000 Euro locken. Ribisch verweist auf Ärzteförderung.

Zu wenige Ärzte in der Thermenstadt. Die Wartezimmer sind voll.  |  NOEN, shutterstock.com/Monkey Business Images
Beim Besuch eines Laaer Arztes am Freitagvormittag rotieren die Sprechstundenhilfen. „Es sind einfach zu wenig Ärzte in Laa“, sagen sie, „und am Freitag ist es besonders schlimm.“ Neben dem alteingesessenen Wolfgang Wiesinger sind es direkt in der Stadt noch Gerald Kurzenkirchner und der Wahlarzt Gerd Blauensteiner. Der Ärzte-Notstand herrscht, seit Medizinerin Johanna Schwarz Konkurs angemeldet hat.

proLaa will Praxiseröffnung mit 30.000 Euro fördern

Die Stadtregierung tue zu wenig, um diesen Engpass zu lindern, so der Vorwurf der Oppositionspartei proLAA. In der nächsten Gemeinderatssitzung will die Liste daher einen Antrag stellen, einem potenziellen praktischen Kassenarzt zur Praxiseröffnung eine Förderung in der Höhe von 30.000 Euro anzubieten. Bedingung für die Förderung wäre die Aufrechterhaltung der Ordination über wenigstens fünf Jahre.

Allzu teuer käme das der Gemeinde gar nicht, rechnet proLAA vor. Die Hälfte entsprächen ohnehin der aktuellen Wirtschaftsförderung. Die andere Hälfte würde über die Kommunalsteuer wieder in die Stadtkasse zurückfließen.

Ribisch: "Ärztemangel in ganz Niederösterreich"

VP-Stadtchefin Brigitte Ribisch glaubt nicht, dass es so einfach geht, wie es sich die Kollegen im Gemeinderat vorstellen. „Grundsätzlich ist festzuhalten, dass es sich nicht um einen Ärztemangel in Laa handelt, sondern um einen Ärztemangel in ganz Niederösterreich.“ Aufgrund der intensiven Kontakte der Stadt Laa zur Bezirksvertretung der NÖ Ärztekammer in Laa – also zu Kassenarzt Wiesinger –, wisse Ribisch, dass in ganz NÖ derzeit rund 20 Kassenarztstellen ausgeschrieben seien. „Offensichtlich handelt es sich hierbei um ein strukturelles Problem“, folgert sie.

Die Bürgermeisterin erinnert an Dezember 2014. Hier habe Laa bereits wichtige Weichen gestellt, damit sich Mediziner wieder ansiedeln. „Man kann keinen Arzt direkt bestellen, aber man kann Rahmenbedingungen zur Unterstützung schaffen.“ Genau diese seien 2014 mit der Ärzteförderung eingerichtet worden. Diese Förderrichtlinien wurden so offen konzipiert, dass sie ganz auf die Bedürfnisse im Einzelfall abgestimmt werden können. Je nach Fall könne das sogar mehr als die von der Opposition verlangten 30.000 Euro sein.

Ribisch hält finanziellen Anreiz nicht für sinnvoll

„Die aktuelle Forderung, einen bestimmten Fördergeldbetrag festzusetzen, ist meiner Ansicht nach reiner Aktionismus. Da könnte es dann sein, dass ein künftiger Arzt mit einem fixen Geldbetrag schlechter aussteigt, weil er aufgrund seiner Anforderungen mehr bekommen könnte.“

Einen finanziellen Anreiz hält die Bürgermeisterin ohnehin nicht für der Weisheit letzten Schluss: „Wie wir aus Gesprächen mit praktischen Ärzten immer wieder hören, machen reine Geldbeträge, und seien es 30.000 oder 50.000 Euro, den Gesamtanreiz nicht höher.“ Die Gemeinde werde an diesem Thema dranbleiben und vor allem bei der Ärztekammer, welche die freien Stellen für Ärzte ausschreibt, Druck machen.

Christian Nikodym, Chef der Sozialdemokraten in der Thermenstadt, wird von proLAA Tatenlosigkeit nachgesagt. Er schlägt bei diesem Thema in dieselbe Kerbe wie die Bürgermeisterin. „Ein kompliziertes Computersystem, niedrige Tarife und unbegrenzte Wochenarbeitszeiten sind nur einige Kriterien, bei denen sich ein Arzt sehr genau überlegt, ob er Kassenarzt oder Wahlarzt wird“, meint Nikodym.



Er spricht ebenfalls die Sitzung im Dezember 2014 an, in welcher die Richtlinien für die Förderung von Ärzten und medizinischen Einrichtungen beschlossen wurde. „Da wurde klar festgelegt, dass sich die Förderhöhe nach konkreten Anforderungen richtet, wie Umbaumaßnahmen zur Erlangung einer behindertengerechten Praxis, Beteiligung an medizinischen Geräten oder IT-Einrichtungen, sonstige bauliche Maßnahmen oder die Anschaffung von Gerätschaften“, zählt der Stadtrat auf.

Nikodym spielt den Ball sogar an die Oppositions-Kollegen, konkret an Stadtrat Thomas Stenitzer, zurück: „Es ist hier genauso schwierig, wie bei den Geschäftsschließungen im Stadtzentrum. Die Stadtkernbelebung fällt in den Tätigkeitsbereich von proLAA und diese ist hier ebenfalls schon länger gefordert, sich des Problems anzunehmen“, vermisst er neue Unternehmer im Stadtzentrum.

Nikodym macht sich für mehr Miteinander im Gemeinderat stark: „Die Bevölkerung sorgt sich um den Gesundheitsbereich genauso wie um den Wirtschaftsbereich. Wir müssen hier alle an einem Strang ziehen. Schuldzuweisungen sind fehl am Platz. Wunder kann hier keine Fraktion bewirken!“