Erstellt am 09. Februar 2016, 18:37

1.200 Vögel im Wiener Tierschutzverein: Und sie bleiben doch. Behörde wollte Weitertransport der Tiere genehmigen. WTV schritt ein und kaufte die Tiere frei.

 |  NOEN, WTV
Die Meldung über die 1.200 aus einem PKW im 14. Wiener Gemeindebezirk geretteten Vögel hat Österreich erschüttert. Die öffentliche Meinung dazu vermittelte ein klares Bild: So darf mit Tieren nicht umgegangen werden. Umso unverständlicher ist es, dass sich das Schicksal der Vögel beinahe zu einem handfesten Skandal entwickelte.
 
Bereits am Sonntag, nach Bekanntwerden der Nachricht, traf der vermeintliche Besitzer des größten Teils der Tiere im Wiener Tierschutzverein ein. Es handelte sich um einen Tierhändler aus den Niederlanden, der angab, dass es sich bei dem bulgarischen Paar, das die Tiere dem Vernehmen nach in dem PKW transportierte, lediglich um die beauftragten Transporteure handle und die Tiere eigentlich innerhalb eines Tages von den Niederlanden nach Bulgarien hätte bringen sollen. Laut der Bestellliste des Händlers hat dieser ihnen 816 Vögel zum Transport übergeben, darunter Wellensittiche, Kanarienvögel, Diamanttauben und Agaporniden.

Angeblich seien die Tiere insgesamt vier Tage lang in Kisten in dem PKW eingepfercht gewesen. Der Transport habe sich so lange verzögert, weil die Transporteure offenbar unbefugter Weise unterwegs weitere Tiere zugekauft haben. Dies würde jedenfalls die Anzahl von rund 1.200 Tieren, die im Wiener Tierschutzverein aktuell betreut werden, erklären. Die näheren Details dieser Deals sind nicht bekannt. Ebenso ist die exakte Stückzahl, sprich wie viele Tiere wo eingekauft worden sind, behördlicherseits (vom Veterinäramt der Stadt Wien) nicht exakt festgestellt worden.

 "Spitze des Eisbergs"

„Leider ist es wahr, dass dieser Fall nur die Spitze eines Eisberg an Tierleid und Tierqual ist, aber wenn es in seltenen Fällen doch gelingt, dass durch Aufmerksamkeit mutiger Passanten und durch das beherzte Eingreifen der Exekutive Tiere aus dieser grausamen Geschäftemacherei befreit werden, dann war es für alle Tierschützer eigentlich klar, dass diese Tiere für den Rest ihres Lebens genug Stress und Leid erfahren haben und sie ab jetzt nur noch liebevolle Betreuung erhalten sollten“, sagt WTV-Präsidentin Madeleine Petrovic.
 
Umso größer war das Erstaunen und Entsetzen im Wiener Tierschutzverein, dass die Behörde (MA60) nach etwas mehr als drei Tagen die Freigabe für einen Weitertransport der Tiere nach Bulgarien erteilen wollte. „Die Eile der Behörden, die Tiere wieder auf die Reise zu schicken, obwohl nicht einmal sämtliche Rechtsverhältnisse mit letzter Sicherheit geklärt werden konnten, ist absolut unverständlich“, so Petrovic.

Ein Schlag ins Gesicht der Tierschutzidee

Die Behörden hätten laut Petrovic jedenfalls stur nach Vorschrift und ohne Rücksicht auf den Tierschutzgedanken gehandelt. „Es ist uns völlig unverständlich, dass angesichts des fürchterlichen Leids, das Tiere schon erleben mussten - sie waren vier Tage lang praktisch ohne Wasser und ohne frisches Futter eingepfercht und unterwegs - jetzt schon wieder im Auftrag der Stadt Wien in Kisten gepfercht und weitergekarrt werden sollen. Das ist ein Schlag ins Gesicht der Tierschutzidee“, so Petrovic.

WTV kauft Tiere frei

Umso paradoxer erscheint es, dass sich ausgerechnet der holländische Tierhändler halbwegs kompromissbereit zeigte. Der Wiener Tierschutzverein protestierte vehement gegen eine Herausgabe und den Weitertransport der Tiere. Da sich die Behörde nicht einsichtig zeigte und beharrlich auf die Eigentumsverhältnisse pochte, verhandelte der Wiener Tierschutzverein mit dem Händler und konnte die Tiere schlussendlich auf eigene Faust „freikaufen“, um ihnen weiteres Ungemach zu ersparen.

Der Preis für diese hunderten Tierleben: 9.000 Euro. „Es ist erschütternd, dass ein gewerbsmäßiger Tierhändler letztlich mehr Herz aufgebracht hat als die Stadt Wien. Der Verweis der zuständigen Behörde auf die Eigentumsverhältnisse ist kein Grund und keine Rechtfertigung  für eine fortgesetzte Tierquälerei. Die Tiere hatten ja nicht einmal Zeit, sich von den bisherigen Strapazen zu erholen“, so Petrovic. Bis dato haben 32 Tiere die Strapazen des Transports nicht überlebt beziehungsweise starben an dessen Folgen.

WTV hofft auf Bevölkerung

Nun hofft der Wiener Tierschutzverein auf die Unterstützung der Bevölkerung. Alle Menschen, denen das Schicksal der Vögel genauso nahe geht wie dem Team des Wiener Tierschutzvereins können sich ab sofort mit einer Spende mit dem Kennwort „Phönix“ auf das Spendenkonto des WTV (IBAN: AT19 6000 0000 0171 7000, BIC: BAWAATWW) am Kaufpreis für die Tiere beteiligen.

„Wir werden jedenfalls alles in unserer Macht stehende tun, um den Tieren von nun an ein Leben ohne Qual und Leid zu ermöglichen. Sie sind quasi allesamt unsere Phönixe, die nun aus der Asche gestiegen sind“, so Petrovic. Über die Vergabe der Tiere kann vorerst noch keine Auskunft gegeben werden, da sich die Vögel immer noch unter strenger Quarantäne befinden.