Mödling

Erstellt am 29. Juni 2016, 07:44

von Christoph Dworak

Mödlinger Politiker auf Pilger-(Ab-)Wegen. Stephan Schimanowa auf der „Via Francigena“: Von Canterbury über Frankreich, Schweiz Richtung Rom.

Stephan Schimanowa ist per Rad am Pilgerweg unterwegs.  |  privat

Stephan Schimanowa, SPÖ-Gemeinderat und stellvertretender Stadtparteivorsitzender, ist seit der Vorwoche 43 und weiß es noch genau. „Ich war 17, hab eine CD mit Pilgerliedern gehört – und davon geträumt, einmal den Jakobsweg zu gehen.“

Mit 40 hat er zwar verkündet, den Bußmarsch zu absolvieren, es dann aber zeitlich nicht geschafft. Dafür ist er quer mit Rad durch Österreich gefahren.

Mit 41 machte sich Schimanowa auf seine bislang längste Reise: Er trat 2.600 Kilometer in die Pedale, um von Feldkirch nach Finisterre (etwa 90 Kilometer von Santiago die Compostela entfernt) zu gelangen.

Im Vorjahr legten Schimanowa und Tochter Lia einen vergleichsweise kurzen Radtrip hin: 800 Kilometer entlang des portugiesischen Pilgerweges. Bei der Rückkehr schaffte es Schimanowa gerade noch ans Sterbebett seines Vaters Hans. Und Stephan erzählt von seinem großen Traum: der „Via Francigena“ („Frankenstraße“), die Verbindung, die Pilger auf ihrem Weg vom Frankenreich oder von England aus nach Rom zur Grabstätte der Apostel Petrus und Paulus nahmen. „Wenn das dein Traum ist, dann musst du es machen“, bestärkte Hans seinen Sohn in der Absicht, die etwa 2.000 Kilometer lange Strecke zurückzulegen. Einen Tag später starb Hans Schimanowa. Seit heute, Mittwoch, ist Stephan von Canterbury aus Richtung Rom unterwegs. Etwa 100 Kilometer pro Tag sind geplant, die sportliche Herausforderung liege „sicher in der Überquerung des Großen St. Gotthard in 2.400 Meter Höhe“.

„Ist auch persönliches Statement“ gegen Brexit

Angesichts der aktuellen politischen Entwicklungen sieht er aber in seiner Tour aber auch „ein ganz persönliches Statement für ein gemeinsames Europa ohne Grenzen, auch für diejenigen, die den umgekehrten Weg gehen oder fahren“.

Er freue sich auf „Stille, Einsamkeit, um die Auseinandersetzung mit mir selbst zu suchen“. Einen Fixtermin gibt es: „Am 22. Juli muss ich in der Nähe von Siena sein. Da feiere ich mit meiner Frau Silvana 5. Hochzeitstag.“ Das Ende der Reise wird Sant’Egidio in Rom sein: „Eine christliche Basisgemeinde, die sich auch sehr für Flüchtlinge einsetzt. Dort habe ich mit meinem Vater viel Zeit verbracht.“