Erstellt am 11. März 2016, 05:59

von Christoph Dworak

„Antarktis ist kein Ziel für Touristen“. Thomas Beck erzählt beim NÖN-Gespräch über die dramatischen Erlebnisse im südlichsten Zipfel der Welt.

Tom Beck (l.) hat mit seinem Freund, dem blinden Extremsportler Andy Holzer, die Tour Richtung Antarktis gewagt.  |  NOEN, privat
Thomas Andreas Beck aus Leopoldsdorf (Wien-Umgebung) ist nicht nur Liedermacher, sondern begleitet hauptberuflich als Coach Menschen bei der Überwindung ihrer Krisen und Verwirklichung ihrer Träume. In diesem Zusammenhang dient eine eigene Hütte am Fuße des Anninger bei Gumpoldskirchen als (Ruhepol-)Stützpunkt.

Bei Johanna „spaetrot“ Gebeshuber kehrt er am liebsten ein, um sich kulinarisch zu stärken. Vor allem nach dem Südpol-Abenteuer, zu dem ihm sein Freund, der blinde Extremsportler Andy Holzer, überredet hatte – .



Becks Reisebericht kommt einer Gratwanderung zwischen „sensationell“ und „fürchterlich“ gleich. „Vergiss alle Erwartungen, die du von einer Reise in die Antarktis hast“, redet Beck im NÖN-Gespräch beim Lieblingsheurigen nicht lange um den heißen Brei. „80 Prozent verbringst am Schiff; mit Slalomfahren zwischen Eisbergen. Natürlich beeindrucken dich die unbändige Natur, die Wale, die Seelöwen, die Pinguine und das blaue Weiß der Eisgebilde.“ Ebenso sind aber „Angst und Gefahr deine ständigen Begleiter. Du weißt, dass dich tagelang niemand nach Argentinien zurückholen wird, wenn irgendetwas passieren sollte“.

Bergführer verschwindet in Gletscherspalte

Und genau dieses Horrorszenario ist gleich am ersten Tag Realität geworden. Kaum hat der Bergführer des Veranstalters die Skitourengehergruppe auf einen Gipfel „mit toller Aussicht“ gebracht, macht es „einen Kracher“ und Beck sieht „dieses blau-weiße Licht am Boden“. Der Mann verschwindet in einer Gletscherspalte. Ebenso wie „der Stock von Andy“.

Die Seilschaft schafft es, den Mann zu bergen, der im Schock sogar noch selbst per Ski den Weg zum Schiff zurücklegt. Ebendort kümmert sich die Schiffärztin um den Verletzten: „Schwerverletzten, wie ich jetzt weiß“, blickt Beck aufs Handy. „Wirbelbruch, Bänderrisse und Oberarmknochenfraktur“, erreicht ihn die Botschaft aus Deutschland.

Becks Folgerungen: „Es gibt in der Artarktis keine leichte Tour. Egal, wo du anlegst, dort ist kein Badestrand. Die Antarktis ist kein Ziel für Touristen, sondern nur für Wissenschaftler und Extremsportler.“ Das Positive am Abenteuerausflug in den südlichsten Zipfel der Welt beschreibt Beck so: „Ich habe gelernt, nicht an der Änderung der Situation zu zerbrechen. Hindernisse sind da, damit man darüber klettert und Spaß hat. Es gibt nur den Weg nach vorne.“ Und von Andy Holzer schwärmt Beck nun noch mehr: „Es ist bereichernd zu sehen, wie er tickt. Ich habe während der Reise oft vergessen, dass Andy blind ist.“

Die Fast-Katastrophe hat Beck geläutert: „Ich sitze beim speatrot-Heurigen am Fuße des Anninger, meinem Gumpoldskirchner Hausberg. Da, wo mein Antarktis-Training vor Monaten begonnen hat. Ich bin wieder da. Aber nicht mehr derselbe.“

Zum Thema

  • Tom Beck  (48) hat via Facebook einen Livebericht der Tour übermittelt. Seine Eindrücke von der Reise in die Antarktis sowie die „Erkenntnisse und Erlebnisse mit Andy Holzer“ will Beck in seiner Funktion als Liedermacher „nach Europa holen“.

  • „Ich hab schon ein Buch im Kopf“, verrät Beck im NÖN-Gespräch. Zuerst wird es aber eine (Reisetagebuch-)Lesung mit Musik geben.

  • 19. Mai, Stadtgalerie Mödling.