Erstellt am 07. Oktober 2015, 04:57

von Raphaela Edelbauer

Unterbringung ist "keine Castingshow". In den Gemeinden halfen sowohl Privatpersonen als auch Initiativen bei der Wohnsituation.

Stellvertretend für die SPÖ-Fraktion überbrachten die Guntramsdorfer Gemeinderätinnen Doris Botjan und Gabi Pollreiss für alle Jugendlichen Rucksäcke, Schreibsachen und einen Erste-Hilfe-Koffer. 24 unbegleitete Jugendliche sind im »Haus Veli« untergebracht.  |  NOEN, Gemeinde

Auch im Bezirk Mödling haben sich Initiativen formiert, um Asylwerbern möglichst rasch zu einer stabilen Wohnsituation zu verhelfen – unter anderem in Mödling, Maria Enzersdorf, Perchtoldsdorf. Nach dem neuen Bundesgesetz hat jede Gemeinde ab 2.000 Personen Unterbringungsplätze im Ausmaß von 1,5 Prozent ihrer Einwohnerzahl bereit zu stellen. 406 Flüchtlinge sind aktuell – Stand Montag – im Bezirk Mödling untergebracht, wie Anton Heinzl, Pressesprecher bei Landesrat Maurice Androsch, SPÖ, berichtet.

In Mödling gibt es Neuigkeiten, wie Bürgermeister Hans Stefan Hintner, ÖVP, berichtet. Das Land hält an einer Containerlösung in der Kalterergase (für 60 Personen) fest – die NÖN berichtete. Weitere 40 Plätze sollen im Katastrophenlager des Roten Kreuzes dazukommen. „Momentan gibt es aber noch keinen Zeitplan“, so Hintner.

„Wir haben schon vor einem Jahr die Weichen gestellt“, meinte Gaadens Bürgermeister Rainer Schramm, Wir Gaadner. „Wir haben einer syrischen Familie, einer Frau mit drei Kindern. Die haben inzwischen Asyl und sind ausgezogen.“ Zudem habe die Kirche eine Familie aus dem Irak aufgenommen, eine zweite komme noch hinzu. Und auch auf eine Privatinitiative hin hat eine andere irakische Familie eine Bleibe gefunden. Nebeneffekt: Kinder von Asylwerbern waren ausschlaggebend dafür, dass Volksschulklassen nicht zusammengelegt werden mussten, betonte Schramm.

Vösendorf hat indessen einstimmig der Unterbringung von 50 Flüchtlingen in einem Containerdorf auf dem Gelände neben der Post zugestimmt. Die Container werden voraussichtlich ab November zur Verfügung gestellt und von der Caritas betreut werden. Hannes Koza, ÖVP, der zum Flüchtlingskoordinator ernannt wurde, meint: „Die Info für die Bevölkerung hat essenziellen Wert. Wir haben uns dazu entschlossen, freiwillig etwas zu machen, bevor der Bund bestimmt. Alle Parteien haben einstimmig zugestimmt, wir sind gemeinsam in der Verantwortung.“

Für eine rasch bereitstehende Lösung hat man sich in Brunn entschieden. Koordinator, Pfarrer Adolf Valenta, erklärt: „Die Pfarre stellt der Caritas ein Grundstück zur Verfügung, auf dem statt Containern Unterkünfte in Holzbauweise für etwa 45 Personen errichtet werden können. Bis Ende nächster Woche sollen die Berechnungen da sein, und wenn alles passt, könnten die Unterkünfte in sechs Wochen stehen.“

Ein wenig Wirbel in Wiener Neudorf

In Wiener Neudorf haben sich die Pfadfinder organisiert, um vier Flüchtlinge aus Traiskirchen im Pfadfinderheim unterzubringen. Nachdem die zwei Brüder, ein Cousin und ein Freund bereits untergebracht waren, kam jedoch ein Rückzug seitens der Gemeinde: Es habe in einem Gemeinderatsbeschluss geheißen, man wolle eine Familie haben.

Regina Mahlberg, bei den Pfadfindern für die Unterbringung zuständig, kommentierte das so: „Es kann nicht sein, dass das so abläuft. Das ist keine Castingshow.“ Wiener Neudorfs Bürgermeister Herbert Janschka, ÖVP, meint dazu: „Vielleicht kann sich der Gemeinderatsbeschluss noch ändern, aber eigentlich hieß es, dass es eine Familie sein soll.“

In Biedermannsdorf laufen die Arbeiten am „Bodenschutz“ für die Aufnahme von 36 unbegleiteten jugendlichen Flüchtlingen. Einziehen werden sie rund um den 19. Oktober.


Christina Pendl aus Grub koordiniert die Unterbringung von Asylwerbern in Wienerwald.

NÖN: Was sind zurzeit die Herausforderungen der Koordination?

Christina Pendl: Auf der einen Seite natürlich die Suche nach Unterkünften. Hier haben wir allerdings schon Unterstützung vonseiten der Gemeinde zugesagt bekommen. Unter anderem sind das alte Gemeindeamt oder eine Ordination im Gespräch.

Fühlen Sie sich von der Gemeinde unterstützt?

Pendl: Auf jeden Fall, auch von der Bevölkerung. Schon beim ersten Informationsabend waren etwa 100 Unterstützer da, viele wollen sich engagieren. Aber man darf auch nie die Skeptiker vergessen – auch diesen muss man mit Geduld begegnen, denn dass es Kritiker gibt, ist vollkommen in Ordnung. Diversität muss man erst erarbeiten.

NÖN: Wird die Motivation die in den kommenden Jahren anhalten?

Pendl: Natürlich ist Integration eine jahrelange Aufgabe. Ich hoffe auf einen Art Schneeballeffekt, der uns zukünftig helfen wird.