Breitenfurt bei Wien

Erstellt am 12. Oktober 2016, 05:48

von Christoph Dworak

Breitenfurter Landarzt im Glück. Der ehemalige Bezirksärztesprecher und Breitenfurter Gemeindearzt Franz Hahn hat ein Buch geschrieben.

Medizinalrat Franz Hahn, hat seine Alltagsgeschichten als Landarzt zu Papier gebracht. Die offizielle Präsentation gibt’s am 18. November um 19 Uhr im Museum Breitenfurt, das Buch ist schon in der Ordi zu haben.  |  NOEN, Christoph Dworak

Franz Hahn (59) stammt aus dem Bezirk Zwettl, maturierte im dortigen Gymnasium, ehe es ihn zum Medizinstudium nach Wien verschlug. Während der Tätigkeit im Meidlinger Unfallkrankenhaus erfuhr Hahn von einer freien Stelle als Gemeindearzt in Breitenfurt. Winter 1984: Schon auf der Fahrt zur Vorstellungsrunde beim Bürgermeister war für den Mediziner ob der lieblichen Landschaft klar: „Unfallchirurgie ade.“ Die Ära als Landarzt begann.

„Bäuerlich, ländlich, genau nach meinem Geschmack.“

„Die Gegend von Breitenfurt bis nach Sulz ist bäuerlich, ländlich, genau nach meinem Geschmack.“ Er fühlte sich alsbald als Breitenfurter wohl, brachte sich ins gesellschaftliche Leben ein, ist Feuerwehrarzt, an Kultur interessiert, hat den Breitenfurter Gesundheitstag eingeführt, ist Obmann des Breitenfurter Jagdklubs (mit den Breitenfurter Jagdhornbläsern) und war Bezirksärztesprecher.

Und in den über 30 Jahren als Gemeindearzt hat er vieles erlebt, das er nun für die Nachwelt gesichert hat: „Doktor, hast a Glück gehabt“ heißt das Nachschlagewerk.

Blickte in den Lauf einer Pistole

Der Auslöser für das Buch datiert aus dem Jahr 1986. „I kriag ka Luft“, krächzte eine Stimme nächtens am Telefon. Das könne nur der Patient sein, der am Nachmittag in der Ordi war, folgerte Hahn, raste zu dessen Haus und fand sogar den Schlüssel. Den Ort dafür hatte ihm der Mann schon verraten. Für (Not-)Fälle wie eben diesen.

Hahn sperrt auf, schaltete das Licht ein und blickt in den Lauf einer Pistole: „Jetzt hast aber glück gehabt, Doktor, normalerweise schiaß i gleich.“ Der tatsächliche Patient war mittlerweile der Verzweiflung nahe, wann der der Arzt endlich komme: „Eine Rettungsstelle gab’s damals noch nicht, geschweige denn, ein Notarztsystem. Gott sei Dank ist alles gut ausgegangen“, erinnert sich Hahn.

Kritik am Gesundheitssystem

Die Anekdoten werden durch kritische Anmerkungen über das Gesundheitssystem ergänzt. Praktische Ärzte seien mittlerweile zu „bürokratischen Zettelschreibern degradiert worden“, ärgert sich Hahn. Und Landärzte mit Rund-um-die-Uhr-Bereitschaft werde es auch nicht mehr lange geben. „Die heutige Generation will geregelte Dienstzeiten.“

Zum Thema

Das Buch ist durch Aquarelle von Eduard Wintera ergänzt, der heuer seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte.