Erstellt am 14. Dezember 2015, 11:24

von APA Red

Bund muss gemobbte Schuldirektorin entschädigen. Oberster Gerichtshof sieht "gezieltes und systematisches Mobbingverhalten" - Frühere Direktorin aufgrund von "Burn-out" dauerhaft dienstunfähig

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Der Bund muss einer niederösterreichischen Schuldirektorin wegen Mobbings durch eine Schulinspektorin eine Entschädigung zahlen. Das entschied der Oberste Gerichtshof (OGH) laut der Tageszeitung "Die Presse" (Montag-Ausgabe).

Ins "Burn-Out" getrieben

Die Inspektorin habe "gezieltes und systematisches Mobbingverhalten" gegenüber der früheren Direktorin der Höheren Lehranstalt für wirtschaftliche Berufe (HLW) Biedermannsdorf, Evelyn Mayer, an den Tag gelegt, wie es in dem Urteil heißt. Der OGH erkannte, dass die Landesschulinspektorin wiederholt Aktionen gesetzt habe, die in Summe zu der "Burn-out"-Erkrankung der Ehefrau des Verfassungsjuristen Heinz Mayer geführt haben.

So habe sie etwa als "Machtdemonstration" einen Besuch (Hospitation) der Schule gezielt an einem Nachmittag angesetzt, an dem die Direktorin verhindert war, wiederholt die Zustände an der Schule oder autonome Entscheidungen der Direktorin schlechtgeredet und "beharrlich in schulautonome und der Klägerin als Schulleiterin vorbehaltene Bereiche eingegriffen". Außerdem ist in den Urteil von einer "wiederholten Sprunghaftigkeit der Nebenintervenientin in ihren Arbeitsaufträgen an die Klägerin" die Rede.

"Ich zweifle an Ihren Manieren"

Mit Aussagen im Rahmen von Dienstbesprechungen wie "Ich halte Sie für krank", "Ich zweifle an Ihren Manieren", "Sie leiden unter Realitätsverlust" und "Ich habe schon zwei bis drei Direktoren in Pension gelobt. Sie sind die Nächste" habe die Inspektorin "bewusst herabsetzend" gehandelt, so der OGH. "Die in einer Gesamtwürdigung zu betrachtenden einzelnen Verhaltensweisen der Nebenintervenientin ihr gegenüber - nicht nur die persönlich herabsetzende und verächtlich machende Wortwahl - führten zur Erkrankung der Klägerin.

Einzelne Handlungen der Nebenintervenientin mögen für sich betrachtet durchaus rechtmäßig gewesen sein, insgesamt ergibt sich daraus jedoch ein gezieltes und wiederholt schikanöses Verhalten, sind auch die persönlichen Kontakte nur vereinzelt geblieben."