Erstellt am 20. Januar 2016, 12:21

Chihuahua-Welpe bei Eiseskälte einfach zum Sterben abgelegt. Es sind Fälle wie dieser, die im Wiener Tierschutzverein (WTV) mit Sitz in Vösendorf (Bezirk Mödling) immer wieder für Kopfschütteln und Unverständnis sorgen.

 |  NOEN, Symbolbild
Am Dienstag wurde bei Eiseskälte ein blutjunger Chihuahua-Welpe in einem Einkaufskorb in Vösendorf ausgesetzt. Er wurde von aufmerksamen Passanten entdeckt und ins Tierschutzhaus des Wiener Tierschutzvereins gebracht.

Den WTV-Tierärztinnen, die das Jungtier umgehend untersuchten, bot sich ein erschütterndes Bild. Das Chihuahua-Mädchen, welches auf rund fünf Wochen geschätzt wird, dürfte ganz offensichtlich aus einer Qualzucht stammen, wie die multiplen Beschwerden zeigen. So weist das Tier eine offene Fontanelle auf, die in etwa der Größe einer zwei Euro-Münze entspricht.

Außerdem leidet das Tier an einem „Wasserkopf“ (Hydrozephalus), einem stark verkürzten Unterkiefer, einem Nabelbruch, einem Knick in der Nase und einem Knickschwanz. Daneben wurden noch schwere Herzrhythmusstörungen und Atemprobleme festgestellt. Zudem wurde das Tier viel zu früh von seiner Mutter getrennt (im Normalfall passiert dies mit acht bis zwölf Wochen).

Ein „Mängelexemplar“? 

„Haustiere auszusetzen ist generell eine unmenschliche Grausamkeit und strengstens verboten. Wenn es sich dabei überdies noch um ein hilfloses, überzüchtetes Jungtier mit zahlreichen Erkrankungen handelt, gibt es dafür keine Worte mehr. Es liegt jedenfalls der Verdacht nahe, dass das Tier aus einer Qualzucht stammt und quasi als „Ausschussware“ einfach abgelegt wurde, da es nicht den Anforderungen entsprach“, sagt WTV-Präsidentin Madeleine Petrovic.

Die junge „Franziska“ (genannt „Franzi“), wie der Chihuahua mittlerweile heißt, wurde jedenfalls sofort erstbehandelt, erhält aktuell Medikamente, die den erhöhten Hirndruck senken sollen und wird vom WTV-Personal besonders vorsichtig und liebevoll betreut. Der Hündin steht allerdings noch eine harte Zeit bevor, denn ihre Beschwerden machen zahlreiche weitere Untersuchungen und Behandlungen notwendig, bevor sie in kundige Hände vergeben werden kann.

„Es wird noch sehr viel liebevolle Betreuung und medizinische Versorgung nötig sein, bis „Franzi“ in ein neues Zuhause ziehen kann. Erst wenn sichergestellt werden kann, dass die neuen Besitzer mit ihr nicht ständig zum Tierarzt laufen müssen, werden wir diesen Schritt wagen. Bis dahin wird der WTV alles in seiner Macht stehende tun, um der armen Hündin zu helfen“, so Petrovic.

"Schuld ist der Mensch"

Schuld an Grausamkeiten wie jene im Fall „Franzi“ sind leider meist die Menschen. Denn durch das massive Überzüchten, um die gewünschten rassetypischen Merkmale zu verstärken, entstehen sehr häufig Missbildungen und schwere gesundheitliche Schäden. Gerade bei Kleinrassen (so genannten „Toy-Rassen“), wo gezielt auf „Kindchenschema“ getrimmt wird, sind diese praktisch schon vorprogrammiert.

Solange die Nachfrage nach derartigen Tieren weiter besteht, wird auch das Angebot nicht weniger. Daher appelliert der WTV einmal mehr: Wenn es schon unbedingt ein Rassetier sein muss, dann bitte nur aus einer seriösen Zucht und keinesfalls aus dem Ausland, von unseriösen Internetportalen oder Straßenhändlern.

„Außerdem haben auch Mischlingstiere ihren Reiz. Diese sind in vielen Fällen auch durch ihre genetische Durchmischung robuster“, so Petrovic.

Leider kein Einzelfall

„Franzi“ ist jedenfalls leider kein Einzelfall: Im WTV werden immer wieder Tiere aus Qualzuchten mit hohem finanziellen Aufwand behandelt, bevor sie das Tierheim verlassen dürfen. „Wir freuen uns daher auch besonders für diese Tiere über jede finanzielle Zuwendung.

Nur durch die Hilfe unserer Mitglieder und Tierfreundinnen und Tierfreunden, können wir auch diesen Tieren ein weitgehend normales Leben ermöglichen“, so Petrovic abschließend.