Erstellt am 10. Dezember 2015, 18:58

von Christoph Dworak

Deutliches Votum: 6.095 sind gegen die Wasser-Entkalkung. Nicht weniger als 9.312 Perchtoldsdorferinnen und Perchtoldsdorfer nahmen an der "Wasser"-Befragung teil.

Seit 1907 verfügt Perchtoldsdorf über eine autonome Versorgung mit absolut sauberem Wasser aus Tiefen bis über 100 Meter. Der Wermutstropfen ist der hohe Härtegrad (28 – Wien hat etwa die Hälfte), der Geräten und Armaturen zusetzt.

Deshalb hat sich der zuständige Referent Alexander Nowotny, ÖVP, intensiv mit der Trinkwasserenthärtung beschäftigt und gemeinsam mit möglichen Partner ein Projekt ausgearbeitet.

Investition um acht Millionen Euro 

Auf einem Grundstück in der Theresienau könnte eine Anlage entstehen, die inklusive aller infrastrukturellen Maßnahmen acht Millionen Euro kosten würde. Hieße umgerechnet: für den Kubikmeter Wasser würden künftig statt 1,40 knapp 2 Euro berappt werden müssen. Dafür sinkt der Härtegrad auf 10.

Allesamt Umstände, um die Bürgerinnen und Bürger zu befragen, war sich der Gemeinderat einig. Eine kluge Entscheidung, denn die Beteiligung war gewaltig. Von den knapp 15.000 Abstimmungsberechtigten haben 9.312 (17 Stimmzettel waren ungültig) ihre Meinung kundgetan. Bei der Gemeinderatswahl 2015 waren es 8.411.

Exakt 6.095 Personen haben sich gegen den Bau der Entkalkungsanlage ausgesprochen, 3.200 dafür.

Bürgermeister Martin Schuster, ÖVP, gibt den Weg vor: „Ich bin sehr froh über den klaren Ausgang.“ Die Befürworter der Anlage werde man nicht links liegen lassen. „Wir werden uns bemühen, individuelle Lösungen anzubieten“, betonte der Ortschef am Mittwoch im NÖN-Gespräch.

"Überwältigendes" Feedback

Vom neuartigen Abstimmungsprozedere an sich ist Schuster „überwältigt. Der Versuch, diese Abstimmung ohne Wahltag und Wahllokal durchzuführen, ist voll eingeschlagen“. Umgelegt auf die letzten Nationalratswahlen hätte das einer 90-prozentigen Beteiligung entsprochen.

Auf Wahlen könne diese Abstimmung aber noch nicht umgelegt werden. Fix sei, dass „wir nicht zu jedem Thema die Bevölkerung befragen werden. Es ist Aufgabe der Politik, Entscheidungen zu treffen“. In diesem Fall sei es aber „enorm wichtig gewesen, dass wir ein Meinungsbild bekommen“.