Erstellt am 30. Dezember 2015, 05:03

Die zehn wichtigsten Ereignisse im Jahr 2015. Die SC Mödling-Kicker sorgen mit ihrem 2:42-Debakel weltweit für Aufsehen, fast 900 Flüchtlinge werden mit Jahresende bereits im Bezirk Mödling betreut.

Foto des Jahres: Ende November schrammt Mödling an einer Katastrophe vorbei. Der heftige Sturm hat stundenlang am Dach des Hochhauses Lerchengasse- Franz Skribany-Gasse gerüttelt, gegen 5.30 Uhr hebt eine etwa 300 Quadratmeter große Fläche ab und kracht auf das Kindergartengebäude. Ein weiterer Teil kommt im Museumspark unmittelbar vor dem Eingang in die EuropaSportMittelschule zu liegen. Mödlings Referatsleiter Martin Czeiner nimmt nicht zu Unrecht das Wort »Wunder« in den Mund. »Nicht auszudenken, wenn das ein wenig später - zu Schul- und Kindergartenbeginn - passiert.«  |  NOEN, Stiefel

SPÖ verliert alle absoluten Gemeinden

Bei den Gemeinderatswahlen im Jänner kommt vor allem die SPÖ ordentlich unter die Räder. Die Sozialdemokraten verlieren die absoluten Mehrheiten in Guntramsdorf, Vösendorf, Kaltenleutgeben, Wiener Neudorf und Hennersdorf, die Volkspartei bejubelt weitere Absolute in Hennersdorf und Hinterbrühl. Dafür ist Laab im Walde „schwarze“ Geschichte; dort übernimmt die Bürgerliste die alleinige Führung.

Spannend verläuft die Regierungsbildung in Guntramsdorf. Sieht vorerst alles nach einer ÖVP-FPÖ-NEOS-Koalition aus, um die SPÖ zu stürzen, wechseln NEOS in letzter Sekunde zur SPÖ und machen Robert Weber zum neuen Bürgermeister. Das Bezirksergebnis: ÖVP: 40%, SPÖ: 26,5, FPÖ: 8, GRÜNE: 11,9, NEOS: 2,6, sonstige Listen: 11.
 

Zwei prominente SPÖ Mödling-Abgänge

Nach der Wahlschlappe setzt die SPÖ Mödling auf neue Gesichter und installiert Karin Wessely als neue Kulturstadträtin. Das gefällt ihrem langjährigen Vorgänger Paul Werdenich gar nicht: Er legt kurz nach der Angelobung sein Mandat zurück. Er wisse, dass „mich viele wieder gerne als Kulturstadtrat gesehen hätten. Dass es nicht so gekommen ist, muss ich akzeptieren, das ist nun einmal in der Politik so“.

Und im Herbst gibt’s den nächsten prominenten SPÖ-Abgang: Andreas Holzmann, viele Jahre auch Vize, scheidet nach 25 Jahren aus dem Gemeinderat aus. Auch sein Abschied sei „eine Konsequenz aus der Gemeinderatswahl“. Holzmann bleibt SP-Stadtparteiobmann, Obmann der Mödlinger Baugenossenschaft, und freut sich über den Berufstitel Kommerzialrat, der ihm im Dezember verliehen wird.
 

2:42-Kicker sind weltweit bekannt

Die letzte Meisterschaftsrunde der 2. Klasse Ost-Mitte der Saison 2014/2015: ein schwarzer Tag für den SC Mödling. Mit einer 2:42-Niederlage in Unterwaltersdorf setzen die krisengeschüttelten Mödlinger der miesen Saison die Krone auf. Doch es bleibt nicht nur bei der historischen Blamage. Es folgen Spott, Hohn und Beschuldigungen – weltweit. Schließlich ging es für Unterwaltersdorf noch um den Titel.

Das Debakel wird von internationalen Medien, bis nach Brasilien, aufgegriffen. „Ich hatte in der Woche darauf 200 Anrufe in Abwesenheit“, beschrieb Obmann Michael Kanyka das Medieninteresse. Das Debakel geht nicht spurlos am SC vorbei: die Mödlinger stellen keine Kampfmannschaft mehr.
 

Flüchtlingskrise macht vor dem Bezirk nicht Halt

Durch das hochrangige Straßennetz des Bezirks treiben hier immer wieder Schlepper ihr Unwesen. Allein Mitte Juli werden in einer Woche 47 Flüchtlinge aufgegriffen. In den Gemeinden zeigt man sich engagiert und hilfsbereit. Wohnungen werden hergerichtet, die Asylwerber werden auch von vielen Privaten bei Behördengängen und bei Deutschkursen unterstützt.

In Biedermannsdorf beispielsweise werden 36 minderjährige Burschen aufgenommen. Aber auch Protest regt sich: In der Brunner Heidesiedlung wehren sich die Anrainer gegen die Errichtung von Quartieren. Die Zahl der Flüchtlinge, die im Bezirk Mödling in die Grundversorgung aufgenommen sind, entwickelt sich so dynamisch, dass die Zahlen, kaum sind sie erstellt, schon wieder veraltet sind. Aktuell sind 900 Asylwerber im Bezirk Mödling untergebracht.
 

SCS beschränkt Parkzeit

„Wir haben die SCS um 200 Millionen Euro adaptiert und ausgebaut. Jetzt ist es an der Zeit, unseren Kundinnen und Kunden die besten Parkplätze zu garantieren“, sagt Centermanager Anton Cech. Heißt im Klartext: die Mitarbeiter dürfen nur noch drei ausgewiesene Parkplatzflächen benutzen. Ebenso ein Dorn im Auge sind die Pendler, die bei der Badner Bahn Parkplätze blockieren.

Daher wird im November die Parkdauer in den Kernbereichen (Interspar bis Multiplex inklusive SCS- und IKEA-Garagen) auf vier Stunden beschränkt. Gültigkeit: vorerst bis 7. Jänner 2016 täglich, dann jeden Samstag, Fenstertag und in den Ferien. Bei Nichteinhaltung drohen Besitzstörungsklagen. Am Gelände gibt’s 10.000 kostenlose Stellplätze, 7.000 davon m Kernbereich.
 

950.000 Euro zerstückelt

Ein tragischer Vorfall in der Seniorenresidenz Brunn gibt Rätsel auf: Eine 85-jährige Dame zerschneidet in ihrem Zimmer 950.000 Euro in kleine Schnipsel. Wenig später scheidet sie aus dem Leben. In ihrem Zimmer werden auch noch Sparbücher mit sechsstelligen Eurobeträgen gefunden. Die genauen Hintergründe bleiben unklar.

Die Seniorin hatte erst fünf Tage zuvor das soeben fertiggestellte Heim, das vom Unternehmen „Silver Living“ betrieben wird, bezogen. Seitens der betreuenden Organisation, den „Barmherzigen Schwestern“, ist man betroffen. Zudem wird die im November geplante offizielle Eröffnung der Residenz auf das Frühjahr 2016 verlegt, wie Geschäftsführerin Anna Beckholdt berichtet. Die Erben haben allerdings Glück: Die Österreichische Nationalbank wird in diesem speziellen Fall das Geld ersetzen.
 

Gemeinde sitzt „Tower“-Streit aus

In der Ära von Bürgermeister Meinhard Kronister, SPÖ, soll ein etwa 160 Meter hoher „Südtower“, ein Bürowolkenkratzer, in der Triester Straße in Vösendorf errichtet werden. Das Projekt wird 2007 gestoppt, das Unternehmen „Süd Tower GmbH“ fordert knapp 24 Millionen Euro Schadenersatz. Im Juni 2014 widerruft die Gemeinde einen Vergleich über 18 Millionen Euro.

Heuer im September wird Vösendorf zur Zahlung von 22,2 Millionen Euro plus Nebenkosten verdonnert. Die Zinsen betragen 8.000 Euro täglich. Dennoch will Bürgermeisterin Andrea Stipkovits, SPÖ „diesen Rechtsstreit mit aller Kraft und Energie ausstreiten“. „Süd Tower“-Geschäftsführer Markus Schafferer ist darüber verwundert und betont: „Nach einem letzten Versuch, uns mit der Gemeinde zu einigen, führen auch wir den Prozess bis zum Ende weiter.“
 

Zittern um Zielpunkt-Jobs

Durch die Zielpunkt-Pleite schließen nicht nur die 10 Filialen im Bezirk Mödling ihre Pforten, auch an die 100 Mitarbeiter zittern um ihre Jobs. „Wir haben damit alles in die Hände des Masseverwalters gelegt“, kommentiert Martina Macho, Sprecherin der Zielpunkt-Mutter „Pfeiffer Handelsgruppe“ die Insolvenzerklärung.

Im Bezirk Mödling sind insgesamt zehn Filialen betroffen, für fünf davon ist kurz vor Jahresende das definitive Ende besiegelt. Besonders schwer trifft das Aus der Zielpunkt-Filiale das EKZ-Südstadt, wo die Gemeinde sogar einen Mietkostenzuschuss von 20.000 Euro für die interimistische Weiterführung durch einen anderen Betreiber bietet.
 

Nein zur Wasserentkalkung

Der Gemeinderat einigt sich auf die Durchführung einer Bürgerbefragung über eine zentrale Wasserenthärtungsanlage. Vorerst wird im Kulturzentrum eine Informationsveranstaltung abgehalten, bei der sich die Bürger bei Fachleuten informieren und auch Fragen stellen können. Bereits hier kann man das große Interesse erkennen, denn der Festsaal ist mit rund 400 Besuchern wohlgefüllt.

Anschließend werden die Fragebögen an alle Haushalte ausgeschickt. Heißt es damals noch, dass man zumindest 30 Prozent als repräsentativ bezeichnen kann, übertrifft der Rücklauf dann mit rund 90 Prozent alle Erwartungen: Zwei Drittel der insgesamt 9.312 Perchtoldsdorfer, die an der Befragung teilgenommen haben, sprechen sich dabei gegen eine zentrale Anlage aus.
 

„teatro“ lässt gleich zweimal aufhören

Norberto Bertassi, Intendant von teatro, dem Musiktheater für junges Publikum, landet mit der Welturaufführung von „Peter Pan – Forever young“ einen Hit. Insgesamt gibt’s im Sommer im Mödlinger Stadttheater 14 Vorstellungen, alle waren ausverkauft.

„Ich habe schon gehofft, dass die Geschichte von Peter Pan noch mehr Personen erreicht, aber dass es zu einem derartigen Erfolg wird, hätte ich nie erwartet“, strahlt Bertassi. Grund genug, nun auch in der Wintersaison in Mödling Fuß zu fassen. Vor Weihnachten geht in der Stadtgalerie eine berührende „Weihnachtsgeschichte“ frei nach Charles Dickens über die Bühne.
 

Zitate des Jahres

Wir bringen vier männliche Flüchtlinge bei uns unter und kriegen Probleme mit der Gemeinde. Das ist doch keine Castingshow“,
Regina Mahlberg, Leiterin der Pfadfinder Wiener Neudorf.

„Ohne den Postpartner Südstadt und mit Schließung des Altortpostamtes wäre unsere Gemeinde nach der Definition der UNO eine von der Außenwelt abgeschnittene Dritte-Welt-Gemeinde“,
Peter Lerchenmüller, Maria Enzersdorf zur Schließung der Bank Austria, der Post und Zielpunkt im EKZ Südstadt.

"Mit dem Wissen, auch Täter gewesen zu sein, fällt es uns heute viel leichter, uns den Opfern zu widmen“,
Bundespräsident Heinz Fischer bei der Gedenkfeier des KZ-Gedenkvereins Guntramsdorf.

„Es hat so intensiv gerufen, dass ich mich gar nicht dagegen wehren konnte. Ich wurde geleitet, bin dem gefolgt und sehr glücklich darüber“,
Thomas Marosch, Gumpoldskirchen, spätberufener Priester.

„Wir haben die direkte Demokratie erfolgreich getestet“,
SP-Gemeinderat Claus Herza zum Ergebnis der Wasser-Umfrage in Perchtoldsdorf.
 


2015 nahmen wir Abschied von ...

MARIA ENZERSDORF | Im Juli erliegt der langjährige Admira-Präsident (2007 bis 2014) und Unternehmer aus Schwadorf, Richard Trenkwalder (67), seiner schweren Krankheit. Der Unternehmer stieg mit seiner Personalfirma als Hauptsponsor ein, fortan ging es wieder bergauf mit den Südstädtern. Admira Legende Walter Knaller bringt es auf den Punkt: „Richard Trenkwalder war derjenige, der diesen Verein durch die Fusion mit Schwadorf gerettet hat. Es ist sein Verdienst, dass es die Admira in der heutigen Form so noch gibt.“

HINTERBRÜHL | Im 90. Lebensjahr stirbt der langjährige Höldrichsmühle-Chef Ernst Moser. 1958 hatte er das Hotel-Restaurant von seinen Großeltern übernommen. Moser war 25 Jahre lang im Gemeinderat tätig, 25 Jahre lang war er Obmann der Fachgruppe Hotellerie der Wirtschaftskammer NÖ. Von 1990 bis 1995 fungierte er als Obmann der Wirtschaftskammer Mödling.

GUNTRAMSDORF | Wolfgang Rolly, langjähriger Gemeinderat der Grünen, ist im September nach langer schwerer Krankheit im 69. Lebensjahr verstorben. Rolly war seit 2005 Mitglied des Gemeinderates, wo er über zwei Perioden die Funktion des Vorsitzenden des Prüfungsausschusses ausübte. Darüber hinaus war er Mitglied im Ausschuss für Handel, Gewerbe & Industrie, im Verkehrsausschuss sowie im Ausschuss für EU & Integration. Mit dem Grünen-Wanderkino brachte er Jung & Alt zusammen. Der Einsatz mit und für „attac“ machte ihn besonders stolz. Mit der Gemeinderatswahl 2015 stellte er die Weichen seiner Partei auf Zukunft, indem er junge Leute für die Grünen begeistern und gewinnen konnte.

GUNTRAMSDORF | SPÖ-Gemeinderat Fritz Hrbek ist im Oktober völlig überraschend im 64. Lebensjahr verstorben. Als langjähriger Konzernbetriebsrat der VOEST-Alpine und Mitglied des Aufsichtsrates konnte er seinen Wunsch, seine Zeit in den Dienst der Mitmenschen zu stellen, in die Tat umsetzen. Als Politiker trat er 1970 der SPÖ bei und verstärkte seit April 2010 den Gemeinderat.

PERCHTOLDSDORF | Berta Bauch stirbt im Jänner im 95. Lebensjahr. Die Oberschulrätin war von 1946 bis 1981 Lehrerin an der Volksschule Roseggergasse und damit Generationen von Perchtoldsdorfern bekannt. Sie gründete mit ihrem Mann Alois die „Jugendblaskapelle“, entwarf Trachten, sang im Kirchenchor, arbeitete beim Bildungswerk und gründete die „Perchtoldsdorfer Bildstickerinnen“. Für ihre Aktivitäten wurde ihr das Ehrenkreuz der Marktgemeinde in Gold verliehen.