Erstellt am 20. Januar 2016, 05:33

von NÖN Redaktion

Drogen: Polizei setzt Online-Handel Ende. Exekutive legt einem Badener nach monatelanger akribischer Ermittlungen das Handwerk.

Das »Sofasurfer«-Markenzeichen des Verdächtigen.  |  NOEN, BPK Mödling

Ein Badener (34), der einst in der Handelsschule in Mödling die Schulbank gedrückt hat, sitzt seit Mai 2015 in der Justizanstalt Wiener Neustadt in Untersuchungshaft. Jetzt sind die umfangreichen Erhebungen der Polizei abgeschlossen. Es geht um den Verdacht des gewerbsmäßigen Suchtgifthandels im Internet.

„Ein Akt, den wir in dieser Form noch nicht gehabt haben“, macht Major Oliver Wilhelm, stellvertretender Bezirkspolizeikommandant, im NÖN-Gespräch deutlich.

Den Stein ins Rollen hat ein amtsbekannter Abhängiger gebracht, der der Exekutive die Spur zum Badener gelegt hat. Fortan sahen sich die Ermittler, federführend waren die Kriminalbeamten der Polizeiinspektion Perchtoldsdorf tätig, damit konfrontiert, sich intensiv mit Begriffen wie Darknet, Bitcoin auseinanderzusetzen. Denn der Verdächtige saß als „Sofasurfer“ – so sein Pseudonym – zu Hause, bestellte chemische Substanzen, änderte deren Zusammensetzung und verkaufte die synthetischen Drogen online gewinnbringend weiter.

62 Abnehmer ausgeforscht

Monatelang haben Spezialbeamte des Bezirks und des Landeskriminalamtes an der Entschlüsselung der Daten getüftelt, Tausende Chat-Seiten durchforstet und mehrere Hausdurchsuchungen vorgenommen. „Aufgrund dieser Auswertungen haben wird 62 Abnehmer ausgeforscht und teilweise vernommen, fast 50 sind aus Deutschland“, betont Wilhelm.

Mindestens 2,8 Kilo chemischer Drogen und 1,2 Kilo Cannabis soll der Badener verschickt haben. Wie viel der 34-Jährige dabei „verdient“ hat, kann Wilhelm beim besten Willen nicht beziffern. Die Bitcoin-„Währung“ sei nicht so leicht in Euro-Beträge umzurechnen. „Ich gehe aber davon aus, dass wir von Zehntausenden Euro sprechen.“ Mehr Infos erhoffe man sich in der Hauptverhandlung, die demnächst anberaumt werden wird.

Dem Verdächtigen, der sich mittlerweile teilweise geständig zeigt, werden nicht weniger als 25 Verbrechen nach dem Suchtmittelgesetz und 32 weitere Vergehen nach dem Straf- und Waffengesetz zur Last gelegt.

Es gilt die Unschuldsvermutung.