Erstellt am 24. September 2015, 05:32

von Karl Stiefel

Entschleunigung pur. Ein halbes Jahr verbrachte die Familie Lintner in Ghana, wo unter anderem Kontakte zur Kirche geknüpft wurden.

Silke, Lisbeth, Theo, Kerstin und Markus Lintner haben sechs Monate in Ghana verbracht.  |  NOEN, privat

"Was ist, gehst du mit mir nach Ghana?" - eine Frage, die der evangelische Pfarrer Markus Lintner 2013 seiner Ehefrau Silke gestellt hat. Die sechsmonatige Reise im Rahmen eines Austauschprogrammes mit der evangelischen Kirche des afrikanische Landes war eine Möglichkeit für den Pfarrer, neue Kontakte zu knüpfen und alte zu pflegen.

Silke Lintner, Lehrerin im Gymnasium Mödling Keimgasse, erzählt: „Für mich wurde das Projekt erst Realität, als ich die Bewilligung für mein Karenzjahr bekommen habe. Für unsere mittlere Tochter war der Punkt erst erreicht, als wir die Impfungen bekommen haben.“

Odumase Krobo: Drei Mal so groß wie Österreich

Dann ging es nach Odumase Krobo im Südosten des Landes, das etwa drei Mal so groß wie Österreich und Heimat von 27 Millionen Menschen ist.

„Besonders an Ghana ist, dass viele Kulturen und Glaubensrichtungen gemischt werden, was in einer wirklich herzlichen Gastfreundschaft resultiert. Die ‚Evangelical Presbyterian Church of Ghana‘ macht nur 0,2 Prozent der Bevölkerung aus, betreibt aber vielerorts Schulen, in die auch Muslime gehen.“

Theo, der Jüngste der Familie, wurde jedoch größtenteils von seiner Mutter unterrichtet, zwei Stunden pro Tag ging er in eine nahegelegene Schule.

Kulturschock zurück in der Heimat

Über die Behausung berichtet Lintner: „Wir hatten ein kleines aber feines Häuschen mit Wasser, Gasherd und Kühlschrank. Den Haushalt zu führen, war viel Arbeit, zumal der nächste Markt eineinhalb Stunden entfernt war. Mal schnell ein Fertiggericht kaufen und kochen ist da nicht möglich.“

Auch die häufigen Stromausfälle machten das Leben nicht einfacher. Konsequenz der Familie Lintner: „Entschleunigung. Wir haben gelernt, die Schnelllebigkeit abzulegen und mit Ressourcen bewusster umzugehen. Da ist selbst bei unserem Jüngsten etwas hängen geblieben.“

"Jahr in Afrika hat uns als Familie zusammengeschweißt"

Zurück in Österreich gab’s „einen regelrechten Kulturschock“, schmunzeln die Lintners. „Wir wollen versuchen, aus Ghana nicht nur die Kontakte zur Kirche, sondern auch ein wenig Entspannung mitbringen. Das halbe Jahr in Afrika hat uns als Familie zusammengeschweißt.“

Über die Erlebnisse in Ghana berichtete die Familie in der Vorwoche im Rahmen eines Vortrages im „Lichthaus“.