Erstellt am 05. November 2015, 07:27

von Christoph Dworak

Die Hiata ziehen ein. Am Sonntag steht Österreichs größtes Erntedankfest an. An die 3.000 Besucher werden dazu erwartet.

Die junge Hüter formieren sich auf der Festbühne, um die selbst gereimten Gstanzln vorzutragen, links die mächtige Erntekrone, die Pritsch'n.  |  NOEN, PAMINGER Walter

Das größte Erntedankfest Österreichs – der „Hütereinzug“ oder auch „Hiata-Einzug“ – wurde 2010 nach den Kriterien der UNESCO-Konvention zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes in das nationale Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen.

Jeden ersten Sonntag nach St. Leonhard (6. November) wird in Perchtoldsdorf gefeiert. Heuer am 8. November. Dabei ziehen die Hüter oder „Hiata“ – Männer aus den Weinhauerfamilien – gemeinsam mit ihren Familien in einem von der Blasmusikkapelle begleiteten Festzug zum Dankgottesdienst in die Kirche. Dem Zug voran reiten drei Hüter auf geschmückten Pferden. Zentrales Element des Festzuges ist die „Pritsch’n“ – die Erntekrone – ein etwa 80 kg schwerer, auf einer Stange befestigter und mit Eichenlaub verzierter Drehkörper.

Gstanzl-Singen als Höhepunkt

Zu den Höhepunkten gehört das Gstanzl-Singen am stets „ausverkauften“ Marktplatz, bei dem Schwächen der Mitbürger gegeißelt werden.

Organisator des Hiata-Einzuges ist stets der Weinbauvereinsobmann. Heuer zum zweiten Mal Toni Nigl. Er zeigt sich im NÖN-Gespräch ob des nahenden Großereignisses keine Spur von nervös. „Jeder hat seine Aufgabe, jeder weiß, was zu tun ist. Das hat sich über alle die Jahre bei uns eingespielt.“

Klar herrsche in den Tagen vor dem Fest reges Treiben. „Die Herzerl müssen gesteckt, die Pritsch’n geschmückt und die Reime geprobt werden.“ Auf dass die etwa 3.000 Gäste wieder bestens unterhalten werden. Die Wettervorhersage ist hervorragend, einem traditionell starken Besucherandrang steht nichts im Wege. „Es ist immer wieder schön zu sehen, wie sehr uns unsere Gäste die Treue halten und auch den Hiata-Einzug nicht auslassen“, freut sich Nigl.

„Wir wollen auf die Jugend setzen“

Eine Neuerung gibt es heuer: Für die Unterhaltung der Gäste bis zum Eintreffen des Festzuges sind dieses Mal Stefan Wieczorek und Steffi Brodl zuständig. „Wir wollen auf die Jugend setzen“, merkt Nigl an.

Ab sofort sind gute Kondition und Ausdauer gefragt: Das eigentliche Fest dauert von Samstag bis Montag und beginnt mit der „Vorfeier“ am Samstagabend. Am Sonntagvormittag finden Messe (10 Uhr) und Umzug (11 Uhr) statt, am Montag die „Nachfeier“, bei der die „Hiata“ das Fest im Haus des Hiatavaters – heuer ist es Josef Wölflinger – ausklingen lassen.