Laxenburg

Erstellt am 28. August 2016, 06:26

von Judith Jandrinitsch

Hier ist man(n) frei. Der Motorradclub gewährt seltene Einblicke in sein Areal am Bahnhof Laxenburg. Der Präsident erklärt, was Sache ist.

Mike, Andy, Tom, Reini und Alex im Allerheiligsten des Final Dawn Quartiers. Hier tagt das Präsidium, um sich zu besprechen.  |  NÖN

Der Motorradclub „Final Dawn MC“ hat eines seiner Quartiere – die Standarte Noricum – direkt am Bahnhof Laxenburg-Biedermannsdorf aufgeschlagen. In mühevoller handwerklicher Arbeit haben die Biker aus dem ehemaligen Bahnwärterhaus die perfekte Club- und Partylocation geschaffen.

Optisch sind die Mitglieder leicht an ihren Farben zu erkennen: orange Schrift auf schwarzem Grund. Der satte Klang von schweren Motorrädern erklingt, eine Maschine nach der anderen fährt vor, parkt sich ein. Ihre Besitzer steigen ab und begrüßen sich mit einer eigenen Zeremonie, die auf Außenstehende sehr innig wirkt. Keine Frage: Hier trifft sich eine verschworene Gemeinschaft, die miteinander durch dick und dünn geht.

Kein einfaches Aufnahmeverfahren

Eines muss Symphatisanten aber bewusst sein: einfach ist es nicht, bei Final Dawn MC aufgenommen zu werden. Nur wer alle Stufen des Bewährungsverfahrens durchläuft und übersteht – das kann bis zu zwei Jahre dauern – hat je die Chance, „Full Patch“, also Vollmitglied zu werden. „Es ist wie bei einer Ehe“, erklärt Präsident Tom Zeitlhofer. Erst verlobt man sich und schaut, ob man zusammen passt“.

Auf der untersten Stufe beginnt der „Hang Around“. Übersteht er diese Zeit, wird er zum „Prospect“. „Es ist nicht einfach, jemanden zu finden, der wirklich zu uns passt“, sagt Reini, Präsident der benachbarten Standarte Pannonia. Denn nur ein „bisschen“ Final Dawn MC, das geht nicht.

„Entweder ganz oder gar nicht“

Das Motto von Tom könnte – „Entweder ganz oder gar nicht“ – lauten. Denn: Jeden Freitag ist Clubabend in der Area, dazwischen, meist am Donnerstagabend, tagt das Präsidium des Motorradclubs, um Aktivitäten zu planen und zu besprechen. „Was wir wollen, ist, den Freiheitsgedanken zu leben, Motorrad fahren, befreundete Clubs besuchen. Mit Gangs haben wir nichts am Hut“, betont Tom. Im Gegenteil: Gruppierungen, die sich die Symbole und den Stil von Motorradclubs aneignen, dabei nie auf einem Motorrad gesessen sind und durch Gewaltexzesse auffallen, sind ihm ein Gräuel.

Ebenso, wenn mediale Berichte die Motorradclubs mit dem Rotlichtmilieu oder dem organisierten Verbrechen in Verbindung bringen. „Wir wollen Motorrad fahren und den Wind in unseren Haaren spüren. Wir stehen zu dem, was und wie wir sind, das ist unsere Art zu leben.“ Hier, in der Area, sind die Final Dawn Mitglieder unter sich. Doch: „Die Clubabende sind offen. Wenn ein Radfahrer vorbeikommt und etwas zu trinken haben will, ist er herzlich willkommen.“