Erstellt am 23. Januar 2016, 13:03

von Christoph Dworak

Flüchtlinge: Eklat im Mödlinger Stadtbad.

 |  NOEN, privat

Riesenwirbel im Mödlinger Stadtbad. Betriebsleiter Robert Mayer hat eine interne Weisung herausgegeben, wonach „aufgrund wiederholter Beschwerden sowohl der Badegäste als auch des eigenen Personals der Eintritt für Menschen mit Migrationshintergründen ausschließlich in Begleitung von entsprechenden Begleitpersonen und mit entsprechender Badebekleidung zu gewähren“ ist.
 

x  |  NOEN, privat
Das Schriftstück ist an die Öffentlichkeit gelangt und sorgt in den sozialen Netzwerken für heftige Aufregung. SPÖ-Gemeinderat Stephan Schimanowa mag es auf Facebook nicht glauben: „Das kann jetzt nicht wahr sein! Die schwarzgrüne Stadtregierung ist aufgefordert, das zurückzunehmen! Probleme sind anders zu lösen.“

Mayer rechtfertigt im NÖN-Gespräch die Anweisung: „Es gab leider einige Anlassfälle, die mich zu diesem Schritt bewogen haben. Unter anderem haben Asylwerber weibliches Reinigungspersonal belästigt und versucht, Münzautomaten zu knacken. Wir haben auch immer wieder Männer in der Damengarderobe vorgefunden oder in Unterhosen aus dem Becken geholt.“

Als Betriebsleiter müsse er reagieren, das habe „absolut nichts mit Ausländerfeindlichkeit zu tun. Es gibt eben Regeln, die alle einhalten müssen“.

„Große Betroffenheit“ bei SPÖ

Die SPÖ Mödling reagiert auf die Anordnung des Stadtbaddirektors laut einer Aussendung vom Samstag „mit großer Betroffenheit“.

„Probleme die es gibt und nicht weg zu diskutieren sind, müssen individuell gelöst werden, Menschen jedoch auf Grund ihrer Herkunft pauschal an den Pranger zu stellen, ist nicht zu akzeptieren“, betonte Gemeinderat Stephan Schimanowa.

„Würde man das Schreiben tatsächlich befolgen, würde es vermutlich die Hälfte der Mödlinger Bevölkerung betreffen, denn 'Migrationshintergründe' hat schnell jemand. Angesichts dieser absoluten Fehlleistung des Stadtbadleiters ist zu fragen, ob dieser seiner Funktion im Sinne einer guten Betriebsführung gerecht wird ist“, so Schimanowa weiter.

„Die SPÖ Mödling hat in den letzten Gemeinderatssitzungen auf konstruktiven Weg Integrationsmaßnahmen für die Stadt eingefordert. Der Bürgermeister hat unsere Ideen dazu äußert polemisch abgeschmettert, während die Grünen geschwiegen haben. Der Vorfall zeigt, dass auch die MitarbeiterInnen der Stadt dringend Unterstützung von Experten brauchen, um die tatsächlichen Herausforderungen meistern zu können. Als SPÖ sind wir weiter bereit, mit allen Parteien positive Lösungen für die Stadt zu finden. Als erste Maßnahme sollte ein Integrationsbeauftragter bestellt werden, der auch als Ansprechperson in Integrationsfragen für die Politik und MitarbeiterInnen der Stadt fungieren soll“, so Schimanowa abschließend.

Junge Grüne fordern Stadtrat-Rücktritt

Die Jungen Grünen Niederösterreich verurteilten in einer Aussendung die „rassistische Weisung des Mödlinger Sportstadtrats zutiefst und fordern klare Konsequenzen für dessen unvertretbares Verhalten ein.“
 
„Anstatt die Vorkomnisse sofort mit den Betroffenen direkt abzuklären, wurde pauschal eine gesamte Personengruppe am unbegleiteten Eintritt ins Bad gehindert. Das stellt nicht nur eine unhaltbare Diskriminierung dar, sondern führt zudem nur zu einem Klima der Hetze und des Runtertretens”, betont der Sprecher der Jungen Grünen Niederösterreich, Florian Ladenstein.

x  |  NOEN, Junge Grüne NÖ

Im Gegensatz zu Bürgermeister Hintner würden die Jungen Grünen die Weisung für sehr klar ausgedrückt halten.

„Herr Mayer hätte sich seiner Verantwortung bewusst sein müssen, von einem Missverständnis kann nicht die Rede sein. Migrationshintergrund haben mehr als 30 Prozent der Bevölkerung. All diese verschiedenen Menschen wären demnach im Mödlinger Stadtbad nicht erwünscht. Wer derart rassistisch und unreflektiert agiert, darf kein politisches Amt ausüben. Stadtrat Mayer muss mit sofortiger Wirkung zurücktreten!”, so Ladenstein.
 
Für die Jungen Grünen Niederösterreich stünde fest, dass der Vorfall nicht ohne Folgen bleiben darf: „Auch wenn der Aushang entfernt wurde, kann keinesfalls einfach weitergemacht werden wie bisher. Alle Mitglieder des Mödlinger Gemeinderats sind hier gefordert, ein klares Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit und Hetze zu setzen.”

Mehr in der Printausgabe der Mödlinger NÖN.