Erstellt am 22. August 2012, 00:00

Grüne Rechnung: „Jedes Rad ist ein Auto weniger!“. SOMMMERGESPRÄCH / Vizebürgermeister Mag. Gerhard Wannenmacher von den Grünen über seine Partei in der Stadtregierung und seine Rolle als Verkehrsstadtrat.

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VON CHRISTOPH DWORAK

NÖN: Halbzeit in der aktuellen Gemeinderatsperiode. Seit zweieinhalb Jahren gehören die Grünen in Mödling zur Regierungsmannschaft. Wo ist Ihre Handschrift bemerkbar?

Wannenmacher: Ich denke, dass die Art, wie in der Stadt gearbeitet wird, eine andere ist als in Zeiten der ÖVP-SPÖ-Koalition. Wir sind gemeinsam mit der ÖVP mehr an den Sachen dran. Ich denke da nur an das Stadtbad. Wir haben uns g’scheite Berater geholt, gehen das Thema an und hoffen, dass wir in überschaubarer Zeit die Kosten reduzieren können. Wir haben auch viele Diskussionen über die Darlehen geführt. Mit dem Ergebnis, dass wir zumindest keine weiteren Schulden aufnehmen. Man ist sich im Gegensatz zu den Jahren vorher bewusst, dass wir Probleme lösen müssen.

NÖN: Ich höre heraus, dass die Zusammenarbeit mit der ÖVP klappt. Wie sieht’s mit den anderen Fraktionen aus?

Wannenmacher: Die ÖVP ist unser Partner. Wir diskutieren Dinge so lange aus, damit wir nicht auf andere Konstruktionen ausweichen müssen, um zu Mehrheiten zu kommen. Wir müssen auch nicht auf äußere Instanzen, sprich Medien, zurückgreifen, um Themen aufzubauschen. Wir reden natürlich auch mit der SPÖ. Ich glaube, dass wir nicht so ein schlechtes Verhältnis zu Andreas Holzmann & Co haben. Wenn ich aber etwas ausmachen will, ist die ÖVP alleiniger Ansprechpartner.

NÖN: Man hat Ihnen die Funktion des Verkehrsstadtrates übertragen - vielleicht auch deshalb, um einen grünen Politiker mit dieser Aufgabe in einem vom Fahrzeugverkehr geprägten Mödling scheitern zu sehen. Sehen Sie das ähnlich?

Wannenmacher: Ich bin bislang nicht gescheitert. Die Leute nehmen sehr wohl wahr, was in meinem Ressort passiert. Ich denke da nur an die überdachte Radfahrabstellanlage im Bahnhofsgebäude. Die ist mittlerweile bummvoll. Ich habe schon Gespräche mit den ÖBB über eine mögliche Erweiterung geführt. Auch beim Ausbau der Radverbindungen sind wir auf einem guten Weg. In diese Richtung müssen wir weiter machen. Jedes Rad ist ein Auto weniger.

NÖN: Wie intensiv war der Disput mit der ÖVP wegen der Radweg-Misere im letzten Abschnitt der Hauptstraße?

Wannenmacher: Der diesbezügliche Widerstand der ÖVP hatte für mich symbolischen Charakter. Ich bin davon überzeugt, dass sich der Radweg gegen die Einbahn hätte unterbringen lassen. Für mich hat es ausgesehen, als ob man den Radfahrern aufzeigen wollte, wo ihre Grenzen sind. Ich habe das nicht witzig gefunden. Die Koalition war aber nicht in Gefahr. Immerhin sind wir beauftragt worden, diese Stadt mitzuregieren. Daher darf man das nicht nur auf einen Radweg in der Hauptstraße festmachen.

NÖN: Ein weiterer Knackpunkt für Sie als Verkehrsstadtrat war und ist die Großbaustelle rund um den Krankenhausneubau. Dass man angesichts der Dimensionen kaum Beschwerden hört, grenzt fast an ein Wunder.

Wannenmacher: Das hat viel Zeit, viele Gespräche und viele Überlegungen gekostet. Und ich bin stolz darauf, dass wir einen Zustand haben, mit dem auch die Betroffenen leben können. Das war im Vorfeld nicht selbstverständlich. Es ist im Nachhinein betrachtet auch zielführend gewesen, die Maria Enzersdorfer zur Verkehrsverhandlung einzuladen. Das hätte ich vom Gesetz her nicht tun müssen. Wie es sich gezeigt hat, waren deren Bedenken wegen der Umleitungsstrecke über die Grenzgasse unbegründet. Es hat sich eben ausgezahlt, auf die anfänglichen Beschwerden einzugehen, das Gespräch zu suchen und Lösungen zu finden. Dazu braucht man natürlich auch ein konstruktives Klima mit der Bauleitung und den Krankenhausverantwortlichen.

NÖN: Wie sehr schmerzt es die Grünen, dass die „Grünen Zonen“ nicht realisiert werden?

Wannenmacher: Diese gebührenpflichtige Parkzone wäre primär deshalb geplant gewesen, um die Menschen, die im Bereich der HTL wohnen, vom Parkplatz-Suchverkehr zu schonen. Wenn die Anrainer diese Maßnahme allerdings nicht wollen, dann kann ich damit leben, dass es keine „Grüne Zonen“ geben wird.

NÖN: Wie sehen die weiteren Plänen der Grünen aus?

Wannenmacher: Ich hoffe, dass wir bei der Umsetzung von Energie-Themen Erfolg haben werden. Es gibt bereits fünf stadteigene Photovoltaik-Anlagen, die klaglos funktionieren. Wir sind nun dabei, im Bereich der Kläranlage eine weitere, großflächige Photovoltaik-Anlage zu installieren. Gleich wichtig ist mir, die Erneuerung der zum Teil über 50 Jahre alten öffentlichen Beleuchtung anzugehen. Die Leuchtstoffröhren liefern nicht nur kein Licht, sondern brauchen auch viel Strom. Wir planen diesbezüglich eine Kooperation mit Hinterbrühl und Perchtoldsdorf, um zu günstigen Konditionen zu kommen. Durch die geplante Umstellung auf LED könnten wir bis zu 800 Megawattstunden pro Jahr einsparen. Wenn uns das gelingt, können wir zurecht sagen, dass wir etwas für Mödling und Mödlings Zukunft geschafft haben.

NÖN: Haben Sie den Schritt, von der Oppositions- auf die Regierungsbank zu wechseln, in den zweieinhalb Jahren bereut?

Wannenmacher: Ein ganz klares Nein. Mitzugestalten ist herausfordernd und spannend - wiewohl mein Leben schon einmal einfacher war.