Mödling

Erstellt am 14. Juli 2016, 05:50

von Christoph Dworak

HTL: Kein Problem mit „Multi-Kulti“. Direktor Harald Hrdlicka freut sich über das Funktionieren des Übergangslehrganges für Flüchtlinge.

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In der HTL Mödling erhält man nicht nur die schulische Ausbildung, sondern auch den Blick fürs soziale Engagement; unzählige Projekte in der ganzen Welt zeugen davon.

Ergo war es für Direktor Harald Hrdlicka im Zuge der Flüchtlingsbewegung im Vorjahr eine Selbstverständlichkeit, „in irgendeiner Form zu helfen“. Ein Wort gab das andere: Susanne Bauer-Rupprecht, die sich im Flüchtlingsnetzwerk „CONNECT Mödling“ einbringt, fragte wegen der etwaigen schulischen Betreuung an.

Hrdlicka holte sich das Okay vom Ministerium und rief einen „Übergangslehrgang für nicht Deutsch sprechende Jugendliche“ – so die offizielle Diktion – ein. 22 Flüchtlinge aus Afghanistan und Syrien werden in Deutsch, Englisch, Mathematik, Geografie, Ethik, Sport, Bewegung sowie Persönlichkeitsbildung unterrichtet; praxisorientierter Werkstättenunterricht inklusive, wo sie ihre handwerklichen Fähigkeiten stärken können.

Die Herausforderungen waren enorm, das Ausbildungsniveau extrem inhomogen, etliche Jugendliche hatten mit traumatischen Erfahrungen und starkem Heimweh zu kämpfen, erinnert sich Lehrgangsleiter Professor Ruzdol Razka, der sich gemeinsam mit Manuela Marchi „rührend um die Jugendlichen kümmert“, lobt Hrdlicka.

 Am Weg zur fundierten Allgemeinbildung 

Alle 22 Flüchtlinge drücken immer noch die Schulbank: „Dass alles so reibungslos und ohne Probleme funktioniert, habe ich, ehrlich gesagt, nicht geglaubt“, sagt Hrdlicka im NÖN-Gespräch. „Sensationell“ ist es aus seiner Sicht, dass von den 22 Lehrgangsteilnehmern sechs die Aufnahmeprüfungen für die HTL-Fachschulen geschafft haben; 12 weitere stehen knapp davor. Sie haben damit die Möglichkeit, „als ordentliche Schüler die vierjährigen Fachschulen für Elektrotechnik, Elektronik, Mechatronik, Maschinenbau und Innenarchitektur zu besuchen“, erklärt Hrdlicka. „Damit erlangen sie eine fundierte Allgemeinbildung und eine praktische berufliche Qualifikation mit Abschlussprüfung.“

Die Flüchtlinge werden im Schulgebäude nicht abgeschottet. Teil des Unterrichts sind auch gemeinsame Stunden in den „normalen“ Klassen der Abteilungen.

Eines ist fix: Auch im kommenden Schuljahr 2016/17 wird es wieder einen Lehrgang für Jugendliche ohne Deutschkenntnisse geben, der im November starten wird: „Die 22 Plätze sind bereits vergeben. Die Erfahrungen aus dem ersten Lehrgang werden in die Gestaltung dieses neuen Lehrganges einfließen“, merkt der Direktor an.

Und Razka ergänzte: „Umgang mit Multikulturalität gehört zu unseren Aufgaben, denn wir leben in einer multikulturellen Gesellschaft. Die HTL Mödling hat diese Herausforderung angenommen und wird diesen Weg erfolgreich weitergehen.“