Mödling

Erstellt am 07. Juli 2016, 06:17

von Christoph Dworak

Öffis sind in Mödling zu teuer. Die neue Tarifordnung des „Verkehrsverbund Ostregion“ (VOR) trifft vor allem Mödling, meinen sogar die Grünen.

Heiß diskutiert ist die Anbindung der FJB an Westbahn und Flughafen Schwechat.  |  NOEN, ÖBB

Das seit der Vorwoche gültige Tarifsystem des „Verkehrsverbund Ostregion“ ist durchgefallen. Zumindest bei der FPÖ Mödling, die in der Gemeinderatssitzung einen Dringlichkeitsantrag einbrachte. Stadtrat Daniel Könczöl forderte „die sofortige Einstellung der Tarifänderungen bis ein neues, überlegtes Tarifsystem vorhanden ist“. Zudem sei es ärgerlich, dass das System „politisch als Vereinfachung und Verbilligung verkauft wird“.

Verkehrsstadtrat & Vizebürgermeister Gerhard Wannenmacher von den Grünen sieht die Sache ebenso als „sehr missglückt“. Zum einen kritisiert er den Entfall der Überlappungszonen: Bislang konnte man in der 260er-Zone von Mödling bis zum Hauptbahnhof fahren; um 415 Euro pro Jahr. „Jetzt nur noch bis Liesing. Um 418 Euro.“

Um beim Beispiel zu bleiben: Will man zum Hauptbahnhof, muss das ÖBB-Wien-Ticket her. Alles in allem um 538 Euro. „Das trifft sehr viele Pendler und ist kein Signal, auf Öffis umzusteigen. Vielmehr eines, um auf die Öffis zu pfeifen.“ Dass das Land künftig einen Härteausgleich leisten will, wenn der Differenzbetrag zwischen altem und neuem Preis mehr als 120 Euro beträgt, kommt Wannenmacher komisch vor. „Zufällig sind es exakt die 120 Euro, die es für Mödlinger teurer wird.“

"Das trifft sehr viele Pendler und ist kein Signal, auf Öffis umzusteigen. Vielmehr eines, um auf die Öffis zu pfeifen“,
Verkehrsstadtrat Gerhard Wannenmacher, Grüne

Und „sehr unsinnig“ hält es Wannenmacher, dass künftig „alle Vorverkaufskarten entfallen und nur an dem Tag gelöst werden können, wenn sie auch benützt werden. Warum kann man nicht 10 Blanko-Karten ausdrucken und selbst entwerten – so wie beim Kurzparkzonen-Schein?“
Dafür ist er auf eine Lücke gestoßen. Wer ein Ticket von A nach B löst, bucht quasi eine persönliche Route. Gibt man von Mödling-Bahnhof nach Wien-Liesing ein, dürfte man nicht nur mit der Schnellbahn, sondern auch mit mehreren Parallelverbindungen fahren. „Gibt man Wien-Kernzonengrenze, das ist übrigens exakt Liesing, ein, erhält man dafür die Routengenehmigung bis zum Flughafen Wien-Schwechat.“

VOR will evaluieren und eventuell nachjustieren

VOR-Mediensprecher Georg Huemer betonte im NÖN-Gespräch, dass „wir die Kritik sehr ernst nehmen“. Dennoch halte er „das neue System für fairer als das alte. Für den Mödlinger, der die Kernzone Wien mitnimmt, ändert sich fast nichts, für den Perchtoldsdorfer wird’s billiger“. Verständlich sei, dass sich bei denen Unmut rege, die „in den letzten 30 Jahren von Ausnahmeregelungen profitiert haben. Das ist aber die Minderheit“, so Huemer. Er schließt nicht aus, dass da und dort noch nachjustiert werden könnte: „Wir evaluieren in jedem Fall.“

noen

Hannes Weninger Nationalratsabgeordneter: VOR-Tarifreform geht gar nicht!

Heftige Kritik im Parlament an Erhöhung der Öffi-Tarife

„Die jüngste Tarifreform des „Verkehrsverbund Ostregion“ (VOR) ist eine vertane Chance für den öffentlichen Nahverkehr und damit für den Klimaschutz“, kritisiert SPÖ-Umweltsprecher Hannes Weninger die Preiserhöhungen bei den Öffis. In der Parlamentsdebatte zur Ratifizierung des Klimavertrages von Paris fordert er eine sofortige Aussetzung und droht mit dem Einfrieren der Bundessubventionen im Rahmen des Finanzausgleichs für die Länder.

Nach jahrelangem Hin und Her über die Reform des bisherigen Zonenmodells ist in Ostösterreich seit 6. Juli ein neues Tarifmodell in Kraft, das vielleicht betriebswirtschaftlich und vom Schreibtisch aus kostenneutral und transparent aussieht, in der Praxis aber vielen PendlerInnen unerklärbare Preiserhöhungen beschert und zu verständlichem Unmut in der Region führt.

Anstatt die Zeichen der Zeit zu erkennen und ein einheitliches 365 Euro-Jahresticket wie in Wien einzuführen, gibt es jetzt ein „Pendlervertreibungsmodell“ mit Preiserhöhungen von bis zu 70 Prozent. „Zum Schulschluss kann es dafür nur ein Nichtgenügend und die Forderung nach einer sofortigen Rücknahme dieses Schildbürgerstreiches geben“, so Weninger. „Wenn Bundesländer die übergeordneten politischen Zielsetzungen – wie die des Klimaschutzes – nicht akzeptieren, müssen wir uns überlegen, ob die jährlich 100 Mio. Euro, die der Bund den Ländern im Rahmen des Finanzausgleichs für die Finanzierung des Nahverkehrs zur Verfügung stellt, tatsächlich gut und nachhaltig angelegt sind“, stellt Weninger die budgetäre Rute ins Fenster.

Einige „Schmankerl“ zu den neuen VOR-Tarifen:

Mödling – Wien-Hauptbahnhof: 538 Euro statt 415 Euro 
Münchendorf – Wien: 965 Euro statt bisher 780 Euro (satte 23 Prozent)

Münchendorf – Wien-Meidling: 700 Euro statt 415 Euro (68 Prozent) Wiener Neustadt – Baden wird um 218 Euro teurer 
Greifenstein – Bhf. Tullnerfeld – das sind knapp mehr als 20 km -verteuert sich sogar um 473 Euro.

Kurios ein Beispiel aus dem Burgenland. Für eine Entfernung von rund 17 km zahlt man von Schützen nach Müllendorf um 255 Euro weniger. In die andere Richtung - gleich weit - von Draßburg nach Müllendorf wird es um 255 Euro teurer.