Erstellt am 05. November 2015, 05:32

von Gerald Burggraf

"Viele Österreicher waren auch Täter". Mit Bundespräsident Heinz Fischer stellte sich ein prominenter Gast bei der Gedenkfeier des KZ-Gedenkvereins ein.

KZ-Gedenkvereins-Obmann Jürgen Gangoly machte vor dem offiziellen Teil im beheizten Veranstaltungszelt mit Bundespräsident Heinz Fischer, Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek sowie den Bürgermeistern Robert Weber (l.) und Herbert Jantschka einen kurzen Rundgang durch das Gelände.  |  NOEN, Gerald Burggraf

„Unser örtlicher KZ-Gedenkverein sorgt dafür, dass wir nicht vergessen, was nicht wiederkehren darf“, lobte Bürgermeister Robert Weber, SPÖ, die Arbeit des Teams um Jürgen Gangoly. Am Freitag veranstaltet der Gedenkverein KZ-Nebenlager Guntramsdorf/Wiener Neudorf die traditionelle Gedenkfeier. Zum 20-jährigen Jubiläum der Recherchearbeit um das ehemalige Außenlager des Konzentrationslagers Mauthausen sowie dem zehnjährigen Bestehen des Vereins konnte mit Bundespräsident Heinz Fischer ein honoriger Festredner gewonnen werden.

Er mahnte dabei ein, dass die Aufarbeitung der NS-Zeit in Österreich erst spät begann. Das sei nicht zuletzt der Opfertheorie geschuldet. „Der Staat Österreich war vielleicht ein Opfer, in der Bevölkerung gab es aber Täter und Opfer. Mit dem Wissen, auch Täter gewesen zu sein, fällt es uns heute viel leichter uns den Opfern zu widmen“, unterstrich das Staatsoberhaupt.

Zeitzeuge berichtete 

Zu einem Häftling aus dem ehemaligen Arbeitslager konnte Fischer sogar direkt sprechen. Denn mit dem Polen Roman Waz war ein Zeitzeuge auf Einladung des KZ-Gedenkvereins nach Guntramsdorf gekommen. Begleitet wurde er von Polens Botschafter in Wien, Artur Lorkowski. Er berichtet über die Gesichte des 1927 in Warschau geborenen Waz und dessen Leidensweg ab Oktober 1944 in Guntramsdorf. „Herr Waz war auch einer derjenigen Häftlinge, die von 2. bis 15. April 1945 den Todesmarsch von Wiener Neudorf nach Mauthausen antreten mussten“, erläutert Gangoly.

Über diese Erfahrungen berichtet der Pole auch einen Tag zuvor in der Neuen Mittelschule Guntramsdorf. Eindrucksvoll war auch die Aufführung des Theaterstücks „Eichmann“ über den SS-Obersturmbannführer Otto Adolf Eichmann im Rahmen der Gedenkfeier am Freitag.