Laxenburg

Erstellt am 15. Juli 2016, 05:14

von Judith Jandrinitsch

Korruptionsbekämpfung: Kein Kavaliersdelikt. Die NÖN mischte sich unter die Studenten der IACA (International Anti Corruption Academy) in Laxenburg.

Ady Macauley aus Sierra Leone mit seiner Studienkollegin, der einzigen Vertreterin aus Österreich, der Juristin Verena Krammer.  |  NOEN, Jandrinitsch

Das rosarote Gebäude in der Münchendorfer Straße, seit fünf Jahren Sitz der IACA, war davor im Besitz der Nachbarinnen der Anti-Korruptionsakademie: der Kreuzschwestern von Laxenburg. Verena Krammer ist Juristin im Finanzministerium, verantwortlich für Personalwesen und Compliance. Der letztgenannte Begriff steht in der betriebswirtschaftlichen Fachsprache für die Einhaltung von Gesetzen und Richtlinien, aber auch von freiwilligen Regeln, denen sich ein Unternehmen unterwirft.

Einziger Lehrgang dazu ist berufsbegleitend

Seit Oktober 2015 absolviert sie den berufsbegleiteten zweijährigen Masterlehrgang der Anti-Korruptionsakademie. „Hier in Laxenburg gibt es zu der Thematik das weltweit einzige Studium dazu“, erklärt die Juristin und lacht. Sie fühlt sich offensichtlich wohl im Kurs, auch wenn sie die einzige Österreicherin unter den 23 Mitstudierenden ist.

Streng genommen sogar die einzige Europäerin, denn ihr dänischer Kollege ist ein Mann, und die anderen Kommilitonen stammen aus anderen Kontinenten.

Unterrichts- und Arbeitssprache ist Englisch, das jeder Student auf dem entsprechenden Niveau beherrschen muss. „Das wird vor Lehrgangsbeginn auch überprüft“, berichtet Krammer. Ihre Kollegen kommen aus ganz unterschiedlichen Bereichen – „von Menschen aus der Privatwirtschaft bis hin zu Journalisten und Juristen ist alles dabei“, erzählt Krammer.

Martin Kreutner als Leiter

Seit 2011 leitet Martin Kreutner die Anti-Korruptionsakademie. Dass die Studenten aus der ganzen Welt kommen, ist für ihn selbstverständlich. Denn: „Das C-Wort für Corruption ist längst aus seiner verschämten Ecke herausgeholt worden und als globales Problem erkannt, je mehr Länder bei IACA Mitgliedsstaat werden, umso besser“, erklärt Kreutner.

Das Bild, wo ein Beamter sein Körberlgeld einstreift, geistert zwar noch in manchen Köpfen umher, entspricht aber nicht mehr der Realität. „Heute geht es um Kick-back-Zahlungen, um internationalen Wettbetrug der Sportmafia und Safe Havens, die nicht zuletzt durch die Panama Papers aufgedeckt wurden“, erklärt Kreutner.

Unter den Lehrgangsteilnehmern befindet sich auch Ady Macauley aus Sierra Leone, der schildert, dass in seinem Heimatland die „Petty Corruption“ ein großes Problem ist. Darunter versteht man alltägliche Kleinkriminalität, wie inoffizielle Mautstellen durch Polizeibeamte. Ein internationales Mandat zur Durchsetzung gewisser Gesetze oder Bestimmungen in den jeweiligen Partnerländern der IACA hat die Anti-Korruptionsakademie zwar nicht, doch es geht um die Vorbildwirkung, ums Bewusstsein schaffen und Schulung. Das Ziel ist, dass die Absolventen zu jenen Multiplikatoren werden, die auf die maßgeblichen Stellen ihres Landes positiv einwirken.