Erstellt am 19. Mai 2016, 05:04

von Christoph Dworak

Leiter Primarius Pidlich über das neue Landesklinikum Mödling. Im NÖN-Gespräch nimmt der ärztliche Leiter Primarius Johann Pidlich zu den kritischen Stimmen aus Bevölkerung und Politik Stellung.

Primarius Johann Pidlich, ärztlicher Leiter des Landesklinikums Mödling, will von einer Schwächung des Standortes Mödling nichts wissen.  |  NOEN, Dworak

NÖN: Alle drei Pavillons stehen, die Eröffnung im Herbst 2017 rückt immer näher – und die kritischen Stimmen werden nicht weniger. Die 24-Stunden-Versorgung sei nicht garantiert, der Unfallschwerpunkt wird nach Baden verlegt, zuletzt war auch vom Aus der Kardiologie die Rede. Wie viel Spital bleibt Mödling wirklich?

Johann Pidlich: Je näher die Eröffnung rückt, desto mehr wird das klar, was schon zuvor klar war. Denn neben den baulichen und technischen Vorbereitungen werden auch die strukturell wichtigen Weichen für die Zukunft des Landesklinikums Baden-Mödling gestellt.

Ich bin seit 11 Jahren als ärztlicher Leiter für die Standorte medizinisch verantwortlich und denke dabei stets an unsere gesamte Region und ,Baden – Mödling‘ als ein Klinikum.


Müssen sich die Mödlinger nicht übergangen fühlen, wenn Sie hören, was es alles nicht mehr in Mödling geben wird?

Pidlich: Überhaupt nicht. Natürlich hängt es davon ab, was wer hören will. Fakt ist, dass es im Industrieviertel ein Schwerpunktspital gibt – das in Wiener Neustadt. Mödling und Baden sind, wie auch Neunkirchen und Hainburg, Grundversorgungskrankenhäuser.

Wobei ich dezidiert feststellen möchte, dass das medizinische Angebot in Baden und Mödling schon nahe einem Schwerpunktkrankenhaus ist. Darauf sind wir sehr stolz.

Wir verschwenden nicht den geringsten Gedanken daran, das Angebot in Mödling runterzufahren oder zu verschlechtern. Von einer Rückentwicklung kann wirklich keine Rede sein.

Aber es gibt doch ganz klare Verschiebungen im medizinischen Angebot?

Pidlich: Das sind eben die strukturellen Weichenstellungen, die sinnvoll sind. Wenn ich in Baden 60 Schilddrüsen-Operationen jährlich habe und in Mödling nur 15, dann werde ich diesen Schwerpunkt künftig in Baden setzen.

Oder nehmen wir die Geburtshilfe, die in Mödling ihren Schwerpunkt hat. Da haben wir mittlerweile mehr Geburten, als wir einst in Baden und Mödling zusammen hatten. Der Bereich der Unfallchirurgie wird in Baden gesetzt, dafür wird es in Mödling künftig eine Orthopädie geben.

Auch eine Augenversorgung ist neu am Standort Mödling. Die Chirurgie, wo wir übrigens enorme Leistungszahlen verzeichnen, bleibt ebenso aufrecht wie die Interne Abteilung – allerdings mit neuer Schwerpunktsetzung.

Apropos „Interne“: Was passiert mit der Kardiologie, die Primarius Franz Xaver Roithinger als Leiter der Internen Abteilung aufgebaut hat, nun tatsächlich?

Pidlich: Zeitgleich mit der Übernahme der 2. Internen Abteilung des Landesklinikums Wiener Neustadt durch Primarius Franz Xaver Roithinger wurde ein Prozess in Richtung eines Gesamtkonzeptes ,Regionale Kardiologie in der Thermenregion’ gestartet.

Oberstes Ziel ist dabei, sinnvolle Synergien zu nutzen, medizinische Weiterentwicklung auf hohem Qualitätsniveau zu fördern und mit einem ökonomischen Personaleinsatz die bestmögliche Patientenbetreuung in der gesamten Region sicherzustellen.

Gemäß dem beschlossenen Konzept wird der Schwerpunkt der Akutversorgung sowie der geplanten Koronar-Angiografien in Wiener Neustadt gebündelt, der Schwerpunkt Rhythmologie und Elektrophysiologie mit entsprechender personeller und technischer Ausstattung bleibt weiterhin am Standort Mödling bestehen.

Was heißt das für den Patienten, der sich mit Herzbeschwerden ins Landesklinikum Mödling begibt?

Pidlich: Das, was es auch bislang schon geheißen hat: der Patient wird in Mödling entsprechend erstversorgt und dann dort behandelt, wo es für ihn aus medizinischer Sicht am besten ist.

Der Unfallschwerpunkt liegt also künftig in Baden. Wenn sich ein Kind beim Turnen in der Schulstadt Mödling verletzt – beispielsweise die Hand bricht – wird es dann im Mödling Klinikum abgewiesen?

Pidlich: Nein, denn die Kinder-Unfallchirurgie bleibt wie bisher rund um die Uhr am Standort Mödling. Für alle anderen Patienten gibt es eine klare Vorgangsweise: Sämtliche Rettungstransporte bringen Frischverletzte nach Baden.

Sollten Patienten selbstständig nach Mödling kommen, werden diese hier natürlich erstversorgt. Alle notwendigen fachmedizinischen Kräfte sind auch in Mödling vor Ort. Und es gilt auch hier: wenn es medizinisch nötig sein sollte, die Verletzung sich also als kompliziert erweist, wird der Patient verlegt.

Summa summarum sind die drei Pavillons in Mödling also nicht umsonst?

Pidlich: Natürlich nicht. Das zeigen die medizinischen Leistungszahlen und letztendlich auch der Mitarbeiterstand, der kontinuierlich steigt. 2013 waren es am Standort Mödling inklusive Kinder- und Jugendpsychiatrie Hinterbrühl 873 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, heuer 913.

Der Dienstpostenplan für 2017 wird erst im Landtag beschlossen.

Wie sehen Sie persönlich die Zukunft des Landesklinikums Baden-Mödling?

Pidlich: Zum einen tut es mir sehr weh, dass man uns immer wieder unterstellt, wir planen alles gegen die Patienten. Zum anderen darf ich behaupten, dass wir exakt das Gegenteil tun. Unser oberstes Ziel ist eine optimale Patientenversorgung.