Erstellt am 13. Juli 2016, 05:33

Gemeinden ziehen an einem Strang. Beim „Aufbruch der Region“-Initiative werden Projekte umgesetzt, die über den Ortsrand hinaus wirken.

Perchtoldsdorfs Bürgermeister Martin Schuster, Moderatorin Sibylla Zech und Landesrat Stephan Pernkopf mit dem Buch zum Leitbild.  |  NÖN, Stiefel

Seit zwei Jahren wird am regionalen Leitplan für den Bezirk gearbeitet, Start war im Kulturzentrum Perchtoldsdorf. Seither wurde die Zusammenarbeit der einzelnen Gemeinden intensiviert. Konkret bedeutet das: gemeinsame Widmungen, überregionale Verkehrsplanung und die koordinierte Umsetzung von Projekten.

Nun wurden die bisherigen Ergebnisse der „Aufbruch der Region“-Initiative in der Mödlinger Stadtgalerie präsentiert. Mödlings Bürgermeister Hans Stefan Hintner, ÖVP, weiß, dass „viele Bürger im Bezirk nur durch die Ortstafeln getrennt sind. In Wirklichkeit betreffen aber viele Themen mehr als nur eine Gemeinde. Daher sollte die regionale Leitplanung nicht als Korsett für das Vorgehen der Gemeinden, sondern viel mehr als Verbindung zwischen ihnen und den Nachbargemeinden gesehen werden.“

Auch Perchtoldsdorfs Bürgermeister Martin Schuster, ÖVP, ist von den Möglichkeiten des Projekts begeistert: „Man erhält viele Erkenntnisse, wenn man über die eigene Ortsgrenze schaut. Dazu gehört, wie vielfältig die Region, in der wir leben, auf kleinstem Raum bietet.“

Jetzt gibt’s Werkzeug für bessere Koordination

In den bei der Veranstaltung präsentierten Ergebnissen sieht er „keinen Abschluss, sondern – passend zum Namen – den Aufbruch. Wir haben jetzt das Werkzeug, uns durch Vernetzung besser zu koordinieren und zukünftig nicht nur die Orte, sondern den ganzen Bezirk noch lebenswerter zu machen.“

Volle Unterstützung hat die Initiative vom Landesrat Stephan Pernkopf, ÖVP: „Es ist oft nicht einfach, teils recht widersprüchliche Bedürfnisse unter einen Hut zu bringen. Das Spektrum im Bezirk Mödling reicht vom Naturschutz bis zur Förderung der Industrie. Nur durch gemeinsame Planung lassen sich Spannungsfelder vermeiden. Die heute präsentierten Projekte und deren teils schon vorhandenen Erfolge zeigen: Wenn wir wirklich Chancen ergreifen wollen, müssen wir Taten sprechen lassen.“
Wie das aussehen kann, wurde in Form mehrerer aktuell laufender Projekte aus dem ganzen Bezirk gezeigt. Mit dabei unter anderem die mehrjährige Anrainer-Betreuung bei einem Mödlinger Bauprojekt und ein Car-Sharing-System für Elektroautos, das in fünf Orten bereits 80 Teilnehmer hat.

Gemeindevertreter auf der Bühne

Moderatorin Sibylla Zech bat die Gemeindevertreter anschließend auf die Bühne, wo eine leere Karte des Bezirks stand. Jeder Sprecher hatte ein Bild vom eigenen Ort in passender Form mit dabei. Die Bürgermeister und deren Vertreter vollendeten nach und nach das Puzzle und sprachen dabei über Chancen, Probleme und Perspektiven der jeweiligen Gemeinden.

Schuster brachte es bei seiner Ansprache auf den Punkt: „Da viele Gemeinden schon ordentlich vorlegen und es aktuell große Chancen gibt, sind die Erwartungen und Anforderungen auch entsprechend hoch. Durch die gemeinsame Arbeit werden wir viel mehr davon haben.“

Einziger Wermutstropfen: Wiener Neudorf hat gefehlt. In der Gemeinde wird aktuell an einem Ortskonzept gearbeitet, das als Grundlage für Projekte dienen soll.

Die Projekte

RADLgrundnetz:
Durch den Ausbau und die Verbesserung von Radstrecken soll das Radfahren als nachhaltige Entlastungs-Strategie gefördert werden.

Naherholung Steinbrüche Kaltenleutgebner Tal:
Der Spagat zwischen Naherholungsgebiet und Naturschutz wird in Kaltenleutgeben umgesetzt. Die Aufschließung für das Freizeitangebot soll die langfristige Betreuung sichern.

URBACT III:
Der Austausch von Erfahrungswerten begrenzt sich nicht auf den Bezirk – im Rahmen des URBACT III-Projekts werden Informationen zur Stadt- und Ortsentwicklung innerhalb der EU ausgetauscht.

ARGE Krottenbach:
Damit der Schaden bei Überflutungen minimiert wird, kooperieren Gemeinden, die sich Wasserwege teilen. So sollen große Wassermassen gezielt weitergeleitet und „entschärft“ werden.

CARREGIO:
Bereits 80 Nutzer in fünf Gemeinden teilen sich Elektro-Autos. Das gemeinschaftliche Car-Sharing-Projekt soll zukünftig auf mehr Gemeinden mit mehr Fahrzeugen ausgebaut werden.

Smart District Card Mödling:
„Orts-Karten“ mit zahlreichen Funktionen haben viele Gemeinden. Durch die „Smart District Card“ sollen gleichzeitig Kosten gespart und mehr Know-How aufgebaut werden.

Neusiedler Viertel:
Wenn auf über 35.000 m2 ein Wohnbauprojekt umgesetzt wird, gibt es viele Fragen der Anwohner. Beim Neusiedler Viertel, rund um die ehemalige Gendarmarie-Zentralschule, wurde der aktuelle Bauprozess und die Planung der Neubauten mit den Bürgern abgeglichen. Außerdem werden sie stets auf dem aktuellen Stand gehalten.