Mödling

Erstellt am 24. August 2016, 05:18

von Christoph Dworak

Anrainer zittern vor Schutt-Zerkleinerer. Der Betrieb einer Recyclinganlage an Ort und Stelle sorgt für Unmut. Dafür soll’s 3.000 Lkw-Fahrten weniger geben.

Die Schutthalden unmittelbar vor der Haustüre von Bertram Richter sollen an Ort und Stelle zerkleinert werden. Er befürchtet zwei Monate lang Lärm- und Staubhölle.  |  NÖN/Christoph Dworak, Christoph Dworak

Bertram Richter aus der Quellenstraße hat genug: Risse in den Wänden, Staub- und Lärmbelastung waren noch das geringere Übel gegen das, was ihm jetzt bevorsteht. Der Bauschutt, der im Zuge des Abbruchs der Gebäude der ehemaligen Gendarmeriezentralschule angefallen ist, soll in den nächsten Wochen quasi direkt vor seiner Haustür geschreddert werden, um damit offene Gruben der Keller- und Bunkeranlagen zu hinterfüllen.

Dabei müssten „derartige Anlagen mindestens 250 bis 300 Meter von Wohn- und Siedlungsgebieten entfernt sein – und das ist hier bei Weitem nicht gegeben“, ärgert sich Richter. Er fürchte, dass er die Anlage direkt vor seinem Fenster stehen habe, zumal sich ebendort der Bunker befindet.

Zudem fragt sich Richter: „Wie kann eine Abfallbehandlungsanlage ohne Parteienstellung der Bewohner in unmittelbarer Nachbarschaft betrieben werden?“ Nicht zuletzt sei laut Ausschreibungskriterien eindeutig festgelegt worden, dass „die Aufbereitung des Abbruchmaterials vor Ort nicht gestattet ist. Bis 2. September hätte demnach der Schutt abtransportiert werden müssen. Daraus ergibt sich für mich auch der Verdacht einer Wettbewerbsverzerrung“.

Richter fordert „die Übermittlung des Bewilligungsbescheides sowie der Zertifzierungsdokumente dieser Anlage“.

Seitens der Bezirkshauptmannschaft Mödling ist die Sachlage klar: „Für die Arbeiten wurde eine Bauaufsicht bestellt, die Firma ECC Projectconsult“, berichtet Bezirkshauptmann-Stellvertreter Michael Oliver Engel. „Diese Firma ist vor Ort verantwortlich, die Abwicklung des Vorhabens innerhalb der Bewilligungen, Gesetze und Regelwerke zu überwachen.“ Für die Recyclinganlage gebe es eine Typengenehmigung, die die Einhaltung der technischen Parameter – hier vor allem Lärm-, Staubentwicklung – regle.

Gültiger Bescheid für die Anlage liegt vor

Ernst Eichinger, Pressesprecher der Grundstückseigentümerin & Projektentwicklerin ARE Development, macht deutlich: „Für den Betrieb einer Bauschuttrecyclinganlage liegt der Abbruchfirma ein rechtsgültiger Bescheid des Landes Niederösterreich unter Einhaltung aller gesetzlichen Bestimmungen und Auflagen für den Einsatz im dicht bebauten Gebiet in Niederösterreich vor.“ Darüber hinaus seien zwischen ARE, Stadtgemeinde Mödling und der Abbruchfirma zusätzliche Maßnahmen vereinbart worden, um die vorgeschriebenen Grenzwerte sogar noch unterschreiten zu können. „Die Anlage wird unter anderem im Boden versenkt und mit einem Erdwall umschlossen – dadurch fallen die Schallemissionen geringer aus. Zur Verringerung der Staubentwicklung kommen zusätzliche Feuerwehrschläuche zum Einsatz.“

"Wie kann eine Abfallbehandlungsanlage ohne Parteienstellung der Bewohner in unmittelbarer Nachbarschaft betrieben werden?“,

Bertram Richter, Anrainer

Die Änderung der Bauabwicklung habe sich „erst im Laufe der Abbrucharbeiten gezeigt, weil sich das Material bestens zur Verfüllung eignet“, betont Eichinger. Dadurch entfalle allerdings der Ab- und Antransport: „Dank der Recyclinganlage ersparen wir den Anrainern etwa 3.000 Lkw-Fahrten.“

Geplant seien zwei Standorte für die Anlage: „Im Bereich der ehemaligen Turnhalle und des ehemaligen Kommandogebäudes.“ Die Anlage soll etwa zwei Monate in Betrieb sein – wochentags von 7 bis 18 Uhr.

Details bei Info-Termin am 8. September

In der Hoffnung, dass sich die Wogen noch glätten lassen, laden Stadtgemeinde und ARE am Donnerstag, 8. September um 17 Uhr zu einer Baustellenführung. Dort wird die Funktionsweise der Recyclinganlage bei laufendem Betrieb demonstriert werden, zudem steht der zuständige Bauleiter den Anrainern Rede und Antwort.

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