Erstellt am 15. September 2015, 09:45

Mödling begrüßt drei zusätzliche Gemeinden. Lanzendorf, Leopoldsdorf und Maria Lanzendorf werden nach den Plänen der Landes-ÖVP ab 1. Jänner 2017 zum Mödlinger Bezirk gehören.

 |  NOEN, zvg
Wie ein Blitz schlug am Donnerstag die Meldung ein, wonach der Bezirk Wien-Umgebung mit 1. Jänner 2017 aufgelöst wird. Die Reaktionen aus den betroffenen Städten und Gemeinden sind geteilt. Kritik kam vor allem aus dem ÖVP-dominierten Klosterneuburg, im rot-grünen Schwechat ist man noch skeptisch. Grundsätzlich begrüßt SPÖ-Bürgermeisterin Karin Baier die Verwaltungsreform inklusive der Auflösung des Bezirks Wien-Umgebung. „Das kann aber nur der erste Schritt einer umfassenden Reform sein“, betont sie.

Darüber hinaus hoffe sie, dass sich die Stadt Schwechat entsprechend ihrer Größe und Wirtschaftsstärke aber auch namentlich niederschlägt. Mit dieser Forderung ist die rote Stadtchefin nicht alleine. Auch Rauchenwarths Bürgermeister und ÖVP-Teilbezirks-Sprecher Ernst Schüller fordert im neuen Bezirksnamen, das Wort „Schwechat“ wieder zu finden. „Eventuell als Bezirk ‚Schwechat-Bruck‘, das würde wesentlich dazu beitragen, dass sich die Bevölkerung mit der Region verbunden fühlt“, ist er überzeugt.

Ebenfalls noch verhandeln will Schüller über den Wegfall von Lanzendorf, Leopoldsdorf und Maria Lanzendorf Richtung Mödling. „Darüber sollte noch einmal diskutiert werden“, betont er.
Dieser Sichtweise schließt sich auch der selbst betroffene Leopoldsdorfer ÖVP-Ortschef Fritz Blasnek an. „Begeistert bin ich nicht, auch wenn klar war, dass es irgendwann Änderungen geben wird“, unterstreicht er. Wo seine Gemeinde letztlich dazugehören wird, müsse man noch in Gesprächen erörtern. „Wir müssen schauen, ob schon alles fixiert ist oder ob sich noch etwas ändern kann“, erläutert Blasnek. Klar sei , dass bei einem Wechsel nach Mödling die Verbindungen dorthin gestärkt werden müssten. Für ihn wäre ein eigenständiger Bezirk Schwechat überhaupt die beste Lösung gewesen.

Sorgen um gewachsene Verbandsstrukturen

Nicht ganz so weit geht der Himberger SPÖ-Bürgermeister Erich Klein. „Dass der Teilbezirk Schwechat zu Bruck kommt, ist schon in Ordnung“, erklärt er. Die Abspaltung der drei Nachbargemeinden Richtung Mödling kann er aber ebenfalls nichts abgewinnen. Die Vorgangsweise bezeichnet er sogar als „überfallsartig“, Klein selbst erfuhr bei seinem Kreuzfahrturlaub von der einschneidenden Verwaltungsreform. Überrascht zeigt sich auch Kleinneusiedl SPÖ-Ortschef Leopold Winkler.

Der Zugehörigkeit zu Bruck kann er einiges abgewinnen, allerdings macht er sich Sorgen um die gewachsenen Verbandsstrukturen, wie beim Abfallwirtschaftsverband AWS oder der Feuerwehr. „Alle Gemeinden aus dem Teilbezirk haben vor einigen Jahren gemeinsam ein Feuerwehrfahrzeug gekauft, das nun in Ebergassing steht. Auch die drei Orte, die nun wegfallen. Wollen die nun ihr Geld zurück?“, sieht der Kleinneusiedler Bürgermeister noch offene Fragen. Ein weiteres Fahrzeug hätte heuer bestellt werden und in Maria Lanzendorf stationiert werden sollen. Doch die Gemeinde soll sich nach Mödling verabschieden.

Bezirk Schwechat wäre für viele bessere Lösung

Der dortige SPÖ-Ortschef Peter Wolf sieht für seine Bürger keinen Unterschied. „Es ist unerheblich, ob sie auf die Bezirkshauptmannschaft nach Mödling oder Schwechat fahren“, glaubt er. Anders sehe die Situation etwa beim AWS, da wolle er „sicher im Schwechater Gemeindeverbund bleiben“. Kritik übt Wolf über die Eingliederung der Braustadt in den Brucker Bezirk, denn „Schwechat ist eine große Stadtgemeinde. Es muss doch die logische Konsequenz sein, dass Schwechat Bezirkshauptstadt wird“.

Nahezu ausschließlich positiv reagiert hingegen der parteiunabhängige Fischamender Bürgermeister Thomas Ram (Gemeinsam für Fischamend): „Ich begrüße es, dass die Region Schwechat und der Bezirk Bruck jetzt enger zusammenwachsen. Diese Forderung habe ich schon vor 15 Jahren erstmalig gestellt, da wir mit den Orten im Bezirk Bruck sehr enge Kontakte pflegen.“ Einzig die Art der Information sei für ihn ein „Drüberfahren“ gewesen.