Erstellt am 03. Februar 2016, 05:28

von Christoph Dworak

Drohbrief an Karin Wessely. SP-Stadträtin Karin Wessely, die sich auch beim Flüchtlingsnetzwerk engagiert, wurde mit heftigen Zeilen konfrontiert.

Dieses Schreiben hat Karin Wessely vor ihrer Sprechstelle vorgefunden.  |  NOEN, Faksimile privat
Im der Stadtbad-Affäre – Badleiter und ÖVP-Stadtrat Robert Mayer wollte nach einigen Vorkommnissen „Menschen mit Migrationshintergründen“ nur noch mit Aufsicht ins Bad lassen – hat sich auf SPÖ-Kulturstadträtin Karin Wessely zu Wort gemeldet. „Es ist traurig, wenn sich Dummheit mit Herzlosigkeit und Hilflosigkeit paart“, schrieb sie via Facebook. „Und wenn wer keine Badehose hat, und deshalb mit Unterhose oder Jogginghose ins Wasser gehen muss, dann ist eben eine Sammelstelle für Badehosenspenden einzurichten!“

Jetzt bekam sie die Rechnung präsentiert: Die Top-Scheidungsanwältin fand vor der Sprechstelle ihrer Mödlinger Anwaltskanzlei in der Neusiedler Straße ein handschriftlich verfasstes Drohschreiben. Sie möge sich als „als badehosen-asylanten-anwaeltin“ in Acht nehmen, sie werde in Mödling „nicht mehr sicher sein“. Absender: „Freunde des Mödlinger Stadtbades“.

Wessely, die sich als stellvertretende Obfrau auch beim Flüchtlingsnetzwerk „CONNECT Mödling“ engagiert, ist entsetzt. „Ja, ich habe auf Facebook sehr klar meine Meinung zum Betretungsverbot für unbegleitete Flüchtlinge gesagt“, dennoch sei es „unglaublich, wie sich Menschen in etwas hineinsteigern und radikalisieren können“. Da gehöre schon mehr dazu „als bloß wütend vorm Computer zu sitzen, wenn man einen Zettel schreibt, eine Aufhängung bastelt und das vor dem Eingang eines Geschäftslokals aufhängt“.

Polizei hat Ermittlungen aufgenommen

Wessely hat Anzeige erstattet, Bezirkspolizeikommandant Peter Waldinger bestätigt auf NÖN-Anfrage die Aufnahme der Ermittlungen.

Vizebürgermeister Gerhard Wannenmacher, Grüne, findet den Vorfall „ungeheuerlich. Es ist nicht nachzuvollziehen, was in den Köpfen mancher Menschen vorgeht“. Stadtchef Hans Stefan Hintner verurteilt das Schreiben aufs Schärfste: „Das ist letztklassig. Ich hoffe, man findet heraus, aus welchem Eck der Schreiberling stammt.“

SPÖ-Stadtparteiobmann Andreas Holzmann findet ebenso deutliche Worte: „Die Gesellschaft ist im Begriff, sich zu spalten. Versuchen wir, bitte, sachlich über alle Themen zu diskutieren, damit sich jeder danach wieder in die Augen schauen kann. Es darf kein Thema geben, das uns auseinanderbringt.“