Erstellt am 14. Oktober 2015, 04:52

von Raphaela Edelbauer und Christoph Dworak

Entwarnung beim Gummibären-Verbot. Nach dem kolportierten Verbot der Leckereien im Kindergarten Lerchengasse liefen die Gemüter heiß.

Um Kindergarten-Leiterin Christiane Schröder – hier mit Christina Halmer – in ihrer Haltung zu bestärken, überbrachten Bürgermeister Hans Stefan Hintner und Martin Czeiner 20 Packungen Gummibären, die danach an die Kinder verteilt wurden. Czeiner stellt außerdem klar: „In den Kindergärten der Stadtgemeinde Mödling werden auch alle christlichen Feiern zelebriert und auch der Nikolo kommt natürlich wieder.“  |  NOEN, Garaus

Riesenaufregung in der Vorwoche: FPÖ-Stadtrat Daniel Könczöl schockte mit einer Behauptung: „Im Kindergarten Lerchengasse gibt es ein Gummibärchen-Verbot, da in den Bärchen Schweinsgelatine ist, die wiederum muslimische Kinder nicht essen dürfen.“

Deshalb sei der Beschluss gefasst worden, dass Geburtstagskuchen nicht mehr mit Gummibären verziert werden dürfen. Könczöl legte nach: „Integration ist keine Einbahnstraße – wer österreichische Usancen, Gegebenheiten und Feste nicht akzeptieren will, nur fordert und wenig gibt, ist für die FPÖ nicht willkommen.“

Christiane Schröder, Leiterin des Kindergarten Lerchengasse, stellte im NÖN-Gespräch klar: „Ein solches Verbot hat es niemals gegeben, das Missverständnis ist bei einem Elternabend entstanden. Wir würden niemals das Konsumieren bestimmter Lebensmittel untersagen.“

Im Gegenteil: „Wir passen auf, dass bei jedem Kind geschaut wird, was es essen darf, sei es aus religiösen, diätlichen oder allergischen Gründen. Wenn ein Kind eine Nussallergie hat, dürfen die anderen trotzdem Nüsse essen. Da gibt es keine Pauschalverbote.“

Jetzt habe man schon begonnen, das Missverständnis gemeinsam mit den Eltern auszuräumen: „Die Verbreitung der Nachricht war später nicht mehr zu kontrollieren. Wir können nicht sagen, wer das nach Außen kommuniziert hat.“

Interkulturelle Kompetenz der Kindergartenpädagogen

Auch die zuständige Stadträtin Verena Schwendemann, ÖVP, reagierte in einer ersten Stellungnahme ungläubig: „Die FPÖ schnappt sehr gerne solche Nachrichten auf und platziert sie vor einer Wahl strategisch. Auf der einen Seite kritisieren sie die EU, verzetteln sich dann aber in solchen unsinnigen Diskussionen.“ Sie selbst halte es für absurd, dass ein solches Verbot jemals ausgesprochen worden sei: „Es kann da höchstens um die Gefahr des Verschluckens gegangen sein, anders kann ich mir das pädagogisch nicht vorstellen.“

SPÖ-Gemeinderat, Stephan Schimanowa stellte fest: „Herrn Könczol geht es nicht um die Sache, sondern um die Möglichkeit, die Geschichte für die gewohnte Hetze der FPÖ zu nutzen. Grundsätzlich geht es um die interkulturelle Kompetenz der Kindergartenpädagogen, die dringend geschult gehört.“ Hier müsse man aber erst klären, wie es überhaupt zu diesem Missverständnis gekommen sei.

„Das hat denselben Charakter wie die Nikologeschichte letztes Jahr“, meint Vizebürgermeister Gerhard Wannenmacher von den Grünen mit Bezug auf die letztjährige Diskussion um den Kindergarten Hyrtlplatz. „Wenn es die geringste Geschichte gibt, die man gegen die muslimischen Menschen wenden kann, dann ist die FPÖ sofort drauf.“

Aber, so Wannenmacher, auch wenn das Gummibärenverbot ein Missverständnis war, ist es doch nicht so falsch: „Die sind für die Zähne auch nicht gut und viel Zucker ist ebenfalls drin. Das Verbot wäre also nur zu verständlich“, meint er scherzhaft.