Mödling

Erstellt am 10. August 2016, 06:04

von Christoph Dworak

Grapsch-Affären: Die Fahndung läuft. Gleich zweimal sollen Asylwerber in der Mödlinger Innenstadt Frauen unsittlich belästigt haben.

Grapsch-Affäre: Betrunkener wurde in Mödling zudringlich. Foto: Symbolbild  |  NOEN, APA

„Es ist Zeit für Abschieds- statt Willkommenspolitik“, drückt es FPÖ-Stadtrat & Stadtparteiobmann Daniel Könczöl drastisch aus. Die Vorfälle der Vorwoche in der Mödlinger Innenstadt haben für viel Aufregung gesorgt.

Gegen 2 Uhr soll ein betrunkener Mann – mehreren Zeugenaussagen zufolge ein Asylwerber – einem 18-jährigen Mädchen im Vorraum der Toilette eines Innenstadtlokals aufgelauert haben und zudringlich geworden sein. Die junge Frau hat dem Angreifer eine Ohrfeige verpasst, ihm das Knie in die Weichteile gerammt und geschrien. Der Kellner habe den Mann hinauskomplimentiert. So die Version der Exekutive.

"Uns Bürgermeistern wurde eine 24-Stunden-Betreuung der unbegleiteten Minderjährigen zugesichert. Davon ist aber leider keine Spur.“

Bürgermeister Hans Stefan Hintner

Der Lokalbesitzer bestätigt im NÖN-Gespräch den Vorfall und ist über anderslautende Medienberichte verärgert: „Es stimmt, dass vier junge Männer, vermutlich Asylwerber, zu Gast waren. Sie waren sehr freundlich und auch nicht betrunken, sonst hätte der Kellner ihnen kein Bier serviert.“

Nach dem Zwischenfall am Klo hätten die Belästigte und eine Freundin gemeint, es sei nichts passiert, wenig später habe die Freundin den Kellner gebeten, die vier Verdächtigen doch aus dem Lokal zu weisen. Das sei auch geschehen. „Dass alle nur zugesehen haben, stimmt nicht.“

Knapp eineinhalb Stunden später ist ein Pärchen am Weg durch das Mödlinger Zentrum. In unmittelbarer Nähe des Lokals. Dem Duo kommen etwa sechs Gestalten entgegen. Einige lenken den Mann ab, einer fasst der 46-Jährigen an die Brust.

Beide Frauen erstatten im Laufe des Tages Anzeige. Bezirkspolizeikommandant Oberst Peter Waldinger macht im NÖN-Gespräch klar: „Wir ermitteln sehr intensiv. Wir wollen die Fälle unbedingt aufklären.“

Dass eine Spur in die Bundesbetreuungsstelle in der Jägerhausgasse führen könnte, will Waldinger weder bestätigen noch dementieren. „Natürlich haben wir auch dort schon ermittelt.“

Bürgermeister Hans Stefan Hintner, ÖVP, ist ob der Vorfälle stinksauer: „Haben wir es da wirklich mit minderjährigen Schutzsuchenden zu tun, die sich um 2 Uhr Früh in Lokalen herumtreiben? Ich möchte nur wissen, wie diese Jugendlichen unbeaufsichtigt aus dem Haus kommen? Uns Bürgermeistern wurde eine 24-Stunden-Betreuung der unbegleiteten Minderjährigen zugesichert. Davon ist aber leider keine Spur.“

Sofort nach seinem Urlaub werde er „ernste Worte mit den Verantwortlichen der Betreuungsstelle in der Jägerhausgasse wechseln. Der Ist-Zustand ist für mich nicht befriedigend“, kritisierte der Stadtchef.

Könczöl ist davon überzeugt, dass „diese Vorfälle nur zwei von vielen sind“. Er habe von durchschnittlich einem Vorfall mit einem Flüchtling pro Tag gehört. Alleine im Bezirk Mödling. Bezirksparteichef Christian Höbart hat in seiner Funktion als Nationalrat bereits eine entsprechende Anfrage an das Innenministerium eingebracht.

Ermittlungen gegen unbekannte Täter

Die Kritik Hintners, die Firma ORS sei in der (Bundes-)Betreuung der Asylwerber in der Jägerhausgasse säumig, lässt Karl-Heinz Grundböck, Sprecher im Innenministerium, nicht gelten. Vielmehr verweist er auf die Tatsache, dass „zum aktuellen Zeitpunkt noch immer gegen unbekannte Täter ermittelt wird“.