Erstellt am 27. Januar 2016, 05:28

von Christoph Dworak

Heftiger Polit-Krach nach Stadtbad-Eklat. Stadtchef Hans Stefan Hintner, VP, hält Schreiben seines Stadtrats für „indiskutabel“ und kritisiert die SP.

Bürgermeister Hans Stefan Hintner: »Wir lassen uns nicht als Aufbereiter des Vierten Reiches oder Rassisten hinstellen.«  |  NOEN, NÖN
Riesenwirbel im Mödlinger Stadtbad – die . Betriebsleiter Robert Mayer, für die ÖVP auch als Jugend- und Sportstadtrat tätig, hat eine interne Weisung herausgegeben, wonach „aufgrund wiederholter Beschwerden sowohl der Badegäste als auch des eigenen Personals der Eintritt für Menschen mit Migrationshintergründen ausschließlich in Begleitung von einsprechenden Begleitpersonen und mit entsprechender Badebekleidung zu gewähren“ sei.

Mayer bedauert die Wortwahl, rechtfertigte im NÖN-Gespräch aber die Anweisung vom Grunde her: „Es gab leider einige Anlassfälle. Unter anderem haben Asylwerber weibliches Reinigungspersonal belästigt und versucht, Münzautomaten zu knacken. Wir haben auch immer wieder Männer in der Damengarderobe vorgefunden oder in Unterhosen aus dem Becken geholt.“

Ein regelrechter Shitstorm – mit ausgelöst von SPÖ-Gemeinderat Stephan Schimanowa – auf Facebook war am Freitag die Folge: „Das kann jetzt nicht wahr sein! Die schwarzgrüne Stadtregierung ist aufgefordert, das zurückzunehmen! Probleme sind anders zu lösen.“

Badeordnung in Arabisch und Farsi aushängen?

Am Sonntag forderte er einen Maßnahmenkatalog ein – unter anderem Schulungen für Mitarbeiter der Stadt und Politiker in Sachen interkultureller Kompetenz sowie die Installierung eines Integrationsbeauftragten – und meint: „Im Sinne der Sache sollten die Aufregung zurückgefahren und Lösungen gesucht werden.“

Vizebürgermeister Gerhard Wannenmacher reagierte so: „Auf dieser Ebene dilettantisch vorzugehen, bringt Mödling in ein Licht, das die Stadt und ihre Menschen nicht verdient haben.“ Sein konkreter Vorschlag: „Aushängen der Badeordnung in Arabisch und Farsi. Vielleicht Anstellen von Helfern in den Bädern, die neben Deutsch auch diese Sprachen beherrschen.“

Misere durch mangelnde Kommunikation

Anna Teichgräber, Grün-Gemeinderätin und Obfrau des Flüchtlingsnetzwerks „CONNECT Mödling“, findet es „schade, dass wir nicht im Vorfeld von den Problemen in Kenntnis gesetzt wurden“. Die durch mangelnde Kommunikation entstandene Misere hätte so verhindert werden können. Teichgräber lehnte die Diskriminierung einzelner Bevölkerungsgruppen ab und initiierte eine Badehosen-Sammelaktion für Flüchtlinge vor dem Bad.

FPÖ-Tourismusstadtrat Daniel Könczöl ärgert sich zwar über die „mehr als unglückliche Formulierung“, will jedoch aufgrund der geschilderten Vorfälle eines verhindern: „Dass die roten und grünen Realitätsverweigerer die Probleme ins Lächerliche ziehen.“

Für Bürgermeister Hans Stefan Hintner, ÖVP, ist klar, dass das Schriftstück Mayers „auf diese Art und Weise indiskutabel ist“. Auch, wenn es nur als Memo für die Bediensteten gedacht war und so den Weg in den Kassenbereich gefunden hatte.

Hintner: Ansehen der Stadt ist zu wahren

Der eigentliche Skandal ist für Hintner das, was danach gefolgt ist: „Der Mann, der den Shitstorm ausgelöst hat, fordert Stunden später Deeskalation ein. Das grenzt für mich an unglaubliche politische Verlogenheit“, geht er mit Schimanowa hart ins Gericht. Als angelobter Gemeinderat hätte Schimanowa alles tun müssen, um das Ansehen Mödlings zu wahren, meint der Stadtchef.

„Denn eines ist sicher: Wir haben in der Flüchtlingsbetreuung eine über 40 Jahre lange Tradition. Wir lassen uns nicht als Aufbereiter des Vierten Reiches oder Rassisten hinstellen.“
Eine Abberufung Mayers als Stadtbad-Direktor stehe nicht im Raum, betonte Hintner auf NÖN-Anfrage.