Erstellt am 21. Januar 2016, 05:28

von Christoph Dworak

Stadträtin Schwendemann hört auf: „Brauche Auszeit“. Verena Schwendemann, ÖVP, steigt nach 18 Jahren aus der Politik aus: „Muss jetzt auf mich schauen.“

Verena Schwendemann hört nach 18 Jahren in der Lokalpolitik - 13 davon als Stadträtin - auf. Auch als Gastronomin nimmt sie sich eine Auszeit: »Ich muss jetzt auf mich schauen«, sagt sie im NÖN-Gespräch.  |  NOEN, Boe

Vor 35 Jahren ist Verena Schwendemann (55) aus der Schweiz nach Mödling gekommen. Als Gastronomin (Schnitzleria, Blaue Blunz’n, Café Schöffel im Landespflegeheim) ist es ihr nie schwergefallen, mit Leuten ins Gespräch zu kommen. Das hat auch Harald Lowatschek, ÖVP, in seiner Ära als Bürgermeister mitbekommen: „Komm zu uns“, hat Schwendemann oft gehört. „Ich habe mich lange gewehrt“, schmunzelt sie im NÖN-Gespräch. Vor 18 Jahren war Schluss mit lustig: „Jetzt ist es kein Bitten mehr, jetzt ist es eine Weisung“, hört Schwendemann Lowatschek heute noch lachend zu ihr sagen. Und schon fand sie sich im Gemeinderat wieder.

Auch Lowatscheks Nachfolger Hans Stefan Hintner, ÖVP, weiß das Engagement zu schätzen. Unmittelbar nach seiner Amtsübernahme 2003 wird Schwendemann zur Stadträtin befördert. Lange Zeit ist sie „nur“ für Kindergärten, Schulen zuständig, nach der SPÖ-Pleite bei den Gemeinderatswahlen 2010 wird sie auch mit „Spielplätzen, Familie & Soziales“ betraut.

Zeitpunkt ist gekommen, wo ich auf mich selber schauen muss

Ende Februar ist damit Schluss: „Ich bin ausgelaugt, ich kann nicht mehr. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, wo ich auf mich selber schauen muss. Ich brauche eine Auszeit.“

Das Politengagement klappe neben dem Gastronomiejob, der „mich auch sechs Tage in der Woche fordert, nicht mehr“, bedauert Schwendemann.

Es habe „richtig gutgetan, vielen Menschen und Institutionen helfen zu können“, sie sei „sehr dankbar, dass ich mich in meiner zweiten Heimat so einbringen durfte“.

„Selber auf die Schulter klopfen“ würde sie sich, als es etwa um die Rettung der „Möwe“ oder des „Elternkindzentrums Mödling“ ging, ebenso froh ist Schwendemann, dass sie unter anderem den Ausbau der Stingl- und Hyrtl-Schulen noch auf Schiene bringen konnte. Sehr herausfordernd sei die Adaptierung der fünf Kindergärten für Zweieinhalbjährige gewesen.

"Man ist ständig für die Leute da, 
hilft, wo man nur kann“,
Verena Schwendemann

Einziger Wermutstropfen, den sie in ihrer Politkarriere miterleben musste: „Man ist ständig für die Leute da, hilft, wo man nur kann – und dann haben die Wähler nicht eine Minute Zeit, wählen zu gehen“, kommt Schwendemann auf die mehr als magere Beteiligung (49 Prozent) bei der Gemeinderatswahl 2015 zu sprechen.

Die Stadtratsitzung Ende Februar wird Schwendemann noch mitmachen, die Gemeinderatssitzung Anfang März nicht mehr. Geht es nach Schwendemann, soll Roswitha Zieger, die dem Gemeinderat allerdings (noch) nicht angehört, nachfolgen. „Sie hätte die notwendige Zeit und das Herz am rechten Fleck“.

Dann wird Schwendemann Kraft tanken. Im Burgenland, bei Reisen nach Indien oder Südamerika. Die Zeit wird sie sich in jedem Fall nehmen, denn neben dem Polit-Aus wird sie auch die Gastronomie sein lassen. „Es ist ein offenes Geheimnis, dass ich mich mit Mai auch vom Café Schöffel verabschiede.“


Zum Thema

Verena Schwendemann (55) ist seit 1998 für die ÖVP im Gemeinderat, seit 2003 Stadträtin für „Kindergärten und Schulen“, seit 2010 zusätzlich auch „für Soziales & Familien“.

Über die Nachfolge soll im Februar entschieden werden.