Erstellt am 25. Januar 2017, 04:49

von Christoph Dworak

Verbeugung vor Erwin Pröll. Selbst von den Polit-Gegner gab’s durchwegs Abgangsapplaus für den Landeshauptmann.

„Es zeugt von Größe, wenn man für sich selbst weiß, wann es Zeit ist zu gehen“, meint ÖVP-Bezirksparteivorsitzender & Landtagsabgeordneter Martin Schuster. Und: „Es wäre nicht Erwin Pröll, wenn er uns alle mit dem Zeitpunkt seines Rücktritts nicht überrascht hätte.“

Pröll habe „die unglaubliche Entwicklung des Bundeslandes in immenser Geschwindigkeit vorangetrieben“. Dass vor allem Kultur in der Ära Pröll zur Erfolgsstory geworden sei, ließe sich am Perchtoldsdorfer Beispiel erklären, so Schuster: „Ohne die schnelle und klare Entscheidungskraft Erwin Prölls gebe es heute den Burgumbau oder die Siegfried Ludwig-Halle nicht.“

Von Johanna Mikl-Leitner hält Schuster „viel: Sie ist ein Profi, konsequent, fleißig, geht auf Leute und Funktionäre zu. Sie kann Landeshauptfrau. Wir werden sie tatkräftig unterstützen“.

Sie kann Landeshauptfrau. Wir werden sie tatkräftig unterstützen“,

ÖVP-Bezirksparteiobmann Martin Schuster

SPÖ-Bezirksgeschäftsführer & Nationalrat Hannes Weniger hat in seiner Zeit als Klubobmann im Land Erwin Pröll als „harten Verhandler kennengelernt. Am Schluss haben wir uns meistens freundschaftlich getrennt; das, was vereinbart wurde, hat immer gehalten“.

Pröll habe zweifelsohne „Großes für Niederösterreich geleistet – ich denke da nur an Forschung, Entwicklung, Kultur, Infrastruktur – andererseits aber auch wie ein Fürst regiert. Ich wünsche mir, dass mit Johanna Mikl-Leitner frischer, moderner Wind wehen wird.“ Wie sich die SPÖ für die Landtagswahlen aufstellen werden, entscheide sich „vermutlich noch vor dem Sommer“, meint der Gießhübler.

Für Nationalrat Christian Höbart, FPÖ-Bezirks- und -Landesparteiobmann, war der Weg von Erwin Pröll zu Johanna Mikl-Leitner „vorgegeben. Sie war schon immer seine engste Vertraute“. Der Guntramsdorfer geht aber davon aus, dass „die Fußstapfen, die Mikl-Leitner da vor sich hat, zu groß sein werden“.

Angesichts der im Frühjahr 2018 bevorstehenden Landtagswahlen sei es ihm aber „egal, wer anderswo an der Spitze steht. Wir sind bereit, auch was die Themen betrifft, die wir im Sinne unserer Landleute umsetzen wollen. Wir sind jedenfalls ganz entspannt“.

"Mikl-Leitner wird es schwer haben"

Der Perchtoldsdorfer Medizinalrat Herbert Machacek sitzt seit 2013 als „FRANK“-(Team NÖ)“-Mandatar im Landtag. Für ihn geht nach dem Abschied von Erwin Pröll „eine Ära zu Ende. Pröll konnte am Fundament unseres Siegfried Ludwig aufbauen und im Land vieles weiterbringen. Vor allem im Bereich Kultur, wo es eigentlich mit dem Sommerspielen in Perchtoldsdorf so richtig begonnen hat. Wir sind so etwas wie das kulturelle Leuchtturmprojekt in Niederösterreich“.

Die designierte Landeshauptfrau kennt Machacek „seit 25 Jahren. Sie wird ihre Sache gut machen – allerdings ohne absoluter Mehrheit“. Davon ist Machacek überzeugt. Dafür wolle er auch mit seinem Team sorgen, das zwar noch auf der Namenssuche, aber zuversichtlich ist, auch dem neuen Landtag anzugehören.

Die Bezirks-Grünen, aktuell nicht im Landtag vertreten, halten sich zum Wechsel an der Landesspitze eher kurz. Mödlings Vizebürgermeister Gerhard Wannenmacher hält sich „an die Regel, dass man es akzeptiert, wenn eine andere Partei Personen austauscht“. Mikl-Leitner werde es als Pröll-Nachfolgerin „brutal schwer haben. Den Pröll-Bonus wird sie nicht haben“.