Erstellt am 02. Mai 2016, 10:54

Not-OP im rettete Dachs-Dame das Leben. Junges Dachsweibchen hatte Fremdkörper im Darm. Notoperation im Wiener Tierschutzverein verlief erfolgreich.

 |  NOEN, WTV
Kampf um das Leben einer jungen Dachsdame: Kürzlich wurde von der Tierrettung ein verletztes Dachsweibchen ins Tierschutzhaus des Wiener Tierschutzvereins (WTV) nach Vösendorf gebracht. Es hatte sich im zwölften Wiener Gemeindebezirk in einem Zaun eingeklemmt und konnte von der Tierrettung befreit werden.

Zuerst schien alles halb so schlimm, denn bei der tierärztlichen Untersuchung im WTV machte das Tier zuerst einen fitten Eindruck und wies nur oberflächliche Schürfwunden auf, die entsprechend versorgt wurden. Dennoch stand die Dachs-Fähe unter strenger Beobachtung. Dabei wurde kurze Zeit später festgestellt, dass das junge Wildtier weder Nahrung aufnimmt noch Kot absetzt.

Rindenmulch im Darm

Ein anschließendes Röntgen ließ den Verdacht auf einen Fremdkörper im Darm fallen. Die WTV-Tierärztinnen und Tierärzte entschieden sich umgehend für eine Notoperation. Bei dem Eingriff konnte tatsächlich ein Fremdkörper im Dünndarm des Tieres festgestellt werden, der anschließend entfernt wurde.

Es handelte sich um Rindenmulch, der den Verdauungstrakt blockiert hatte. Nach der OP wurden der Dachs-Dame noch Antibiotika und Schmerzmittel verabreicht. Danach hieß es abwarten und bangen, ob der Eingriff zum gewünschten Erfolg führt.

Dachsleben gerettet

Mittlerweile konnte das Tierärzte-Team glücklicherweise Entwarnung geben. Der Dachs hat sich bereits gut erholt, nimmt Nahrung an und setzt auch wieder selbstständig Kot ab. Das Tier erhält weiterhin Medikamente zur Stärkung und Schonkost.

Die Prognose fällt jedenfalls schon sehr positiv aus und sollte alles nach Plan verlaufen, kann der Dachs in rund einer Woche wieder in die freie Wildbahn entlassen werden.

Wildtier-Boom

Ob Füchse, Biber, Eichhörnchen, Marder oder Dachse, die Frühlings- und Jungtierzeit löst aktuell einen regelrechten Wildtier-Boom im Wiener Tierschutzverein aus. „ Es ist unglaublich, wie viele Wildtiere in den letzten Tagen und Wochen zu uns ins Wiener Tierschutzhaus nach Vösendorf kamen. Wir alle rätseln, was diese große Zahl an Wildtieren, die unsere Hilfe brauchen, verursacht. Einerseits scheinen die Temperatur-Schwankungen eine Rolle zu spielen: Im Jänner hatten wir schon über 15 Grad und im April einen Wintereinbruch. 

Andererseits werden die Lebensräume der Wildtiere immer kleiner und von immer mehr Straßen durchschnitten“, sagt WTV-Präsidentin Madeleine Petrovic und plädiert in diesem Zusammenhang einmal mehr für den Artenschutz: „Wenn wir auch in Zukunft ein Miteinander von Mensch und Tier wollen, muss die Zerstörung von Lebensräumen ein Ende haben und Organisationen wie der Wiener Tierschutzverein brauchen in allen Verfahren, welche die Habitate von Tieren betreffen, Parteistellung.

Die Stimme der Tiere muss nicht nur laut, sondern auch rechtlich wirksam sein. Das werden wir mit Hilfe der Tierfreundinnen und Tierfreunde mit aller Kraft anstreben.“