Erstellt am 29. September 2015, 12:12

von Christoph Dworak

Wasserhärte: Nur die SPÖ sagt deutlich Ja. Bürger haben trotz Polit-Bedenken die Chance, über den Bau einer Wasserenthärtungsanlage zu entscheiden.

 |  NOEN, Bilderbox.com/Erwin Wodicka
Mit über 800 Unterschriften im Gepäck hat die SPÖ im Vorjahr die Diskussion entfacht: das Wasser in Perchtoldsdorf sei zwar nicht gesundheitsgefährdend, aber derartig hart, dass Elektrogeräten keine lange Betriebsdauer beschieden sei. Deshalb soll eine Anlage den Härtegrad – aktuell 28 Grad Deutscher Härte – auf 10 bis 15 senken.

Als zuständiger Gemeinderat hat Alexander Nowotny, ÖVP, nach unzähligen Gutachten und Exkursionen ein Projekt am Tisch liegen, über das die Perchtoldsdorfer abstimmen können. Ein Nanofiltersystem, das alles in allem acht Millionen Euro kosten wird.

Infrastruktur muss geschaffen werden

Unter anderem auch für die notwendige Infrastruktur: „Wir brauchen für die Anlage ein 1.500 m2 großes Grundstück in der Theresienau , knapp vier Kilometer zusätzlicher Rohrleitungen und wir müssen 20 Prozent mehr Wasser fördern“, erklärt Nowotny. All das klappe ohne Erhöhung der Wasserabgabe in keinem Fall: „Ich rechne mit 65 Cent mehr pro Kubikmeter.“

SPÖ-Gemeinderat Claus Herza will das so nicht stehen lassen. Er denkt daran, Überschüsse aus der Wasser- und Abwasserabgabe in die Investition einfließen zu lassen, damit die Bürgerinnen und Bürger nicht derart zur Kasse gebeten werden müssen.

Günther Jörg, NEOS, findet deutliche Worte und erteilte dem Projekt eine klare Absage: „Wir haben Wasser, um das uns die Welt beneidet und dann bauen wir eine Fabrik in der Theresienau, um ein Luxusproblem zu lösen.“

Wir lassen uns bewusst auf die Befragung ein,
weil wir eine Meinung haben wollen“, 
Bürgermeister Martin Schuster

Ähnlicher Meinung ist Alexander Murlasits von der FPÖ: „Acht Millionen Euro stehen nicht in Relation zum gewünschten Ergebnis. Eine Alternative wäre, private Entkalkungsanlagen zu fördern.“ Gabriele Wladyka von der Bürgerliste fasst sich kurz: „Wir haben weder das Geld für die Anlage noch für das Grundstück.“
Nowotnys Fazit: „Die Leute zu befragen, obwohl wir jetzt sagen, dass wir’s eigentlich eh nicht wollen, halte ich für problematisch.“ Das wiederum ruft die Grünen auf den Plan: „Wenn die Mehrheit Ja zur Anlage sagt, wird dann gebaut? Und was ist die Mehrheit?“, fragte Andreas Koller nach.

Bürgermeister Martin Schuster, ÖVP, betont: „Wir lassen uns bewusst auf die Befragung ein, weil wir eine Meinung haben wollen.“ Deshalb habe man sich auch für ein Prozedere abseits einer Volksbefragung im Sinne der Gemeindeordnung entschlossen. Im Zeitraum von 16. bis 30. November haben alle Wahlberechtigten die Möglichkeit, ihre Meinung kundzutun, indem sie die Stimmzettel per Post retournieren oder im Gemeindeamt abgeben.