Erstellt am 14. Oktober 2014, 14:59

von Christoph Dworak

Zukunfts-Bim will auf die Schiene. Das Öffi-Projekt ist zur Förderung eingereicht. Präsentation im "ausverkauften" Kulturzentrum Perchtoldsdorf.

Karin Mairitsch, Obfrau des Forschungsvereines, Christian Apl (r.), Initiator des »Tram on Demand«-Projekts, und HTL-Absolvent Förster, der die Wiederbelegung der 360er-Trasse in seiner Diplomarbeit verarbeitet hat.  |  NOEN, Dworak

Die Ausgangslage: Die ÖBB hat keinen Käufer für die Kaltenleutgebner Bahnstrecke gefunden. Die Gemeinden Perchtoldsdorf und Kaltenleutgeben wollen „einzig und alleine die Trasse sichern, falls sie in weiterer Zukunft wieder einmal gebraucht werden sollte“, merkte Perchtoldsdorfs Ortschef Martin Schuster, ÖVP, an. Damit wolle man dem 360er-Schicksal vorbeugen, dessen Trasse Jahrzehnte nach der Einstellung wieder benötigt werden würde, aber nicht mehr vorhanden ist.

Finanziell sei das erschwinglich, die beiden Gemeinden hätten sich – je nach Streckenlänge im Ortsgebiet – ungefähr 90.000 Euro aliquot zu teilen.

Eine tatsächliche Nutzung schwebt Mobilitäts-Gemeinderat Christian Apl, Grüne, seit November 2013 vor. Mit dem Zukunftsprojekt „Tram on demand“ – Straßenbahn auf Anforderung.“

Ziel: "Labor in Echtbetrieb"

Mittlerweile hat sich ein hochkarätig besetzter Forschungsverein – Obfrau ist die Perchtoldsdorfer Wissenschafterin Karin Mairitsch – gegründet, der bereits einen wichtigen Schritt umgesetzt hat: Die beiden Projekte „Sondierung Urbanes Mobilitätslabor Kaltenleutgebner Bahn“ und „Forschung und Entwicklung Tram on Demand“ wurden vor wenigen Tagen zur Förderung eingereicht.

Zum einen sollen die Voraussetzungen ausgelotet werden, um einen Forschungs- und Testbetrieb auf der Kaltenleutgebner Bahntrasse zu ermöglichen, ein „Labor in Echtbetrieb“, wie Mairitsch erklärte. Das Projekt würde bei entsprechender Förderzusage des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technik (BMVIT) 2016 starten.

Zum anderen geht es um die anschließende Entwicklung einer entsprechenden Straßenbahn daselbst – inklusive der notwendigen Infrastruktur. Ein Prototyp könnte 2016 präsentiert werden, 2025 alles in Betrieb gehen.

Team wartet auf Entscheidung

Vorausgesetzt, das Verkehrsministerium genehmigt die beantragten Fördermittel in der Höhe von 680.000 Euro. Für Mairitsch ist der Projektstatus klar: „Jetzt beginnt die Suche nach einem Weg zur Tram on demand.“

Das Vereinsteam wartet nun auf die nahende Förder-Entscheidung, die im Jänner 2015 gefällt werden wird.

Unterstützung gibt es unter anderem von vielen Gemeinden, den Wiener Linien, den Lokalbahnen, der ÖBB, der Firma Bombardier sowie der Wohnbaugesellschaft Waldmühle. Um dem Förderantrag noch mehr Gewicht zu verleihen, sind auch die Bürgerinnen und Bürger gefordert, hofft Apl auf Unterstützung: „Es gibt eine Petition, die viele Personen unterschreiben sollten, die wollen, dass das Projekt zumindest gründlich untersucht wird.“

Infos unter  www.openpetition.de/petition/online/wir-wollen-eine-innovative-strassenbahn-in-der-region-moedling


Zum Thema

  • „Tram on demand“ ist eine Straßenbahn mit Klein- bis Mittelkabinen, analog einem Lift gesteuert. Durch verschiedene Kabinengrößen, die untereinander beliebig koppelbar sind, wird möglichst wenig „Luft“ transportiert.

  • Die Fahrzeuge sind elektrisch angetrieben, werden mit erneuerbarer Energie versorgt und könnten prinzipiell auch selbst gesteuert konzipiert werden.

  • „Tram on demand“ soll vor allem im Kaltenleutgebner Tal eine Alternative zum Auto darstellen – und könnte auf den Bezirk ausgeweitet werden.

  • Dazu streben die Initiatoren einen Testbetrieb an. Und zwar auf der bestehenden Bahnstrecke von Wien-Liesing zum ehemaligen Zementwerk in Kaltenleutgeben.


Zitiert

„Muss man das eigentlich alles neu erfinden oder gibt es schon Beispiele?“,
Frage aus dem Publikum.

„In groben Zügen ja, auf Abruf gibt es aber eine Straßenbahn noch nicht“,
Forschungsvereins-Obfrau Karin Mairitsch.

„Was heißt eigentlich ,Auf Abruf’?“,
eine Dame bohrt nach.

„Man kann sich das ungefähr so vorstellen. Sie geben per App bekannt, dass Sie in 20 Minuten von der Haltestelle Donauwörther Straße Richtung Liesing fahren wollen“,
Mairitsch hat eine mögliche praktische Anwendung parat.

„Grundsätzlich werden wir jetzt einmal forschen, dann wird geplant“,
Mairitsch

„Ich halte alles, was ich bis jetzt gehört habe, für eine multiple Themenverfehlung. Weil schon 2016 an die 1.500 Leute mehr im Kaltenleutgebner Tal wohnen werden und im Verkehr untergehen werden. Was machen wir bis 2025? Das Projekt ist für mich ein kompletter Abbieger zu dem, was jetzt gebraucht wird“,
machte ein Mann deutlich.

„Grundsätzlich geben ich Ihnen, was den Zeithorizont betrifft, recht. Wir werden aber trotzdem an der Initiative festhalten“,
Christian Apl