Erstellt am 25. Januar 2012, 00:00

Perchtoldsdorfer sorgt für die gesunde Süße. DURCHGEBOXT / Ing. Franz Reisenberger hat die lang ersehnte EU-weite Zulassung von Stevia als Zuckerersatz erreicht.

Ing. Franz Reisenberger mit den gesunden, kalorienfreien und doch süßen Produkten seiner neuen nutasweet-Linie.DWORAK  |  NOEN
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VON CHRISTOPH DWORAK

PERCHTOLDSDORF / Das von Ing. Franz Reisenberger aus Perchtoldsdorf geführte gleichnamige Handelsunternehmen ist eine Größe im Bereich der Zusatzstoffe im Human- und Tierbereich. „Wir beliefern unter anderem die Mischfutter-Industrie mit Vitaminen, Spurenelementen, Aminosäuren, Phosphaten, Pro-Biotika.“ Alleine an Futter-Phosphaten werden jährlich etwa 20 Tonnen produziert.

2006 wurde Reisenberger zum ersten Mal auf Stevia (siehe Infobox) aufmerksam. „Ein Unternehmer aus Paraguay hat uns gebeten, die Pflanze in der EU als Tierfuttermittel zu notifizieren“.

Gesagt, getan. Die Notifizierung ist erfolgt, der Rest nunmehr Geschichte: Die Reisenberger GmbH wurde zum österreichweit einzigen Mitglied der EUSTAS (European Stevia Association), ging ein Stevia-Forschungsprojekt mit der Uni für Bodenkultur in Wien ein - und Franz Reisenberger unterschrieb 2007 höchstpersönlich den Antrag zur europaweiten Registrierung der Steviol Glycoside (süße Inhaltsstoffe der Stevia-Pflanze) als Lebensmittelzusatz.

Seit Dezember - nach mehr als vier Jahren - ist die Bewilligung endlich da. „Die Registrierung der Blätter selbst ist noch immer nicht durch“, will Reisenberger die EU-Entscheidung nicht weiter kommentieren.

Die ganze Nahrungsmittel-Industrie befinde sich durch die Entscheidung im Umbruch. „Zum einen will man nun die synthetischen Süßstoffe austauschen, zum anderen wird man auf das Energie reduzierte Essen achten.“

Entscheidend werde sein, die technologischen Eigenschaften des Zuckers auf die Stevia-Ebene zu bringen. Und das erfordere Know-how: „Da geht es um die Dosierung.“ Der neue Süßstoff sei ein „sehr beratungsintensives Produkt. Ich kann nicht kochen und backen wie mit Zucker. Deshalb starten wir diese Woche gemeinsam mit Diätologen Vortragsreihen inklusive Kochkursen in ganz Österreich.“

Nach Registrierung:  Stevia-Stoffe frei für alle

Durch die Registrierung ist es möglich, den Markt komplett frei zu bearbeiten. „Wir versuchen durch die Handelsketten, die Produkte in den Markt zu bringen. Gelistet sind unsere nuta sweet-Produkte bereits bei Metro, verhandelt wird noch mit Spar und Rewe.“

Die Reisenberger GmbH habe zwar die Registrierung durchgesetzt, „verwenden darf es jeder. Reich werde ich durch die Registrierung nicht. Was wir aber sehr wohl nützen werden, ist unser Wissensvorsprung.“

So sei „ganz Europa daran interessiert, Steviol-Glycoside in Bioqualität zu bekommen. ,Wenn ihr das zusammenbringt, seid ihr reich!‘, habe ich schon oft gehört“, schmunzelt Reisenberger. Eine derartige Anlage in heimischen Gefilden dürfte zeitnah nicht möglich sein. Stevia gedeiht in den Tropen. „Wir kaufen den Rohstoff von zwei Vertragspartnern in China; diese Firmen produzieren nachhaltig und nach EU-Normen. Vom Saatgut bis hin zum fertigen Steviol-Glycosid.“

Die Zukunft gehöre dem natürlichen Süßstoff, ist Reisenberger überzeugt. „ Es wird eine Reduktion von Zucker und synthetischem Süßstoff kommen. Eine namhafte Kaffeehaus-Dynastie beschäftigt sich intensiv mit unseren Produkten und wird auch bald ihre Mehlspeisen zur Gänze auf Stevia umstellen.“

Langfristige Umstellung  am Zucker-Markt möglich

Die Stevia-Offensive sei nicht gegen die Zuckerindustrie oder Landwirte gerichtet. „Durch Sortenzüchtungen könnte es irgendwann einmal möglich werden, Steviapflanzen bei uns anzubauen. Dann könnte man statt Zuckerrüben, Stevia anbauen.“

Wie es mit der Firma in Perchtoldsdorf weitergehen wird, ist auch klar: „Wir werden in der nächsten Zeit Personal aufstocken. Wir brauchen Vortragende, Mitarbeiter für Marketing und Vertrieb. Eine Wissenschafterin, die sich in ihrer Diplomarbeit mit Stevia beschäftigt hat, wir in Kürze zu uns stoßen.“