Erstellt am 19. August 2016, 02:15

von Christoph Dworak

1.931 Kilometer Zeit zum Nachdenken für Schimanowa. Stephan Schimanowa hat die „Via Francigena“-Route vom Canterbury nach Rom geschafft.

Stephan Schimanowa am Ende des Pilgerwegs, am Petersplatz in Rom.  |  privat

Stephan Schimanowa, stellvertretender SP-Stadtparteivorsitzender & Gemeinderat, hat’s geschafft: er hat den Pilgerweg „Via Francigena“ von von Canterbury über Frankreich, Schweiz bis Rom absolviert. Am Rad.

Damit kann der Politiker und Hobbyradler seinen bereits dritten Pilgerweg von der to-do-Liste streichen. Einmal ging’s 2.600 Kilometer von Feldkirch ins spanische Finisterre (etwa 90 Kilometer von Santiago die Compostela entfernt), einmal 800 Kilometer entlang der portugiesischen „Heiligen Route“.

Der Start in England war „düster, das Wetter sehr schlecht. Auch die Aufregung rund um den Brexit war förmlich zu spüren“, erinnert sich Schimanowa im NÖN-Gespräch.

Reiz- und Arbeitsentzug

Die ersten fünf Tage waren zudem geprägt von „einer sehr extremen Erfahrung: Reiz- und Arbeitsentzug“. Das Handy hatte der Radpilger zwar dabei, allerdings nur für Notfälle. E-Mails, Facebook checken oder im WWW stöbern war verpönt.

Schön langsam sei er „so richtig in den Rhythmus gekommen. Täglich habe ich etwa 100 Kilometer zurückgelegt“.

Der französische Abschnitt sei kein Vergleich zum Jakobsweg: „Es gibt kaum Pilgerquartiere, für Übernachtungen hab ich ganz schön zahlen müssen.“

Euphorie nach Gipfelsieg

Die erste sportliche Herausforderung war die Überquerung des Großen St. Bernhard (2.469 Meter), Grenzberg zwischen der Schweiz und Italien: „Es hat geschüttet, am Rad ist eine Speiche gerissen, für den Pass gab’s eine Wetterwarnung.“

Er sei förmlich auf den Berg getrieben worden, schmunzelt Schimanowa im Nachhinein: „Auf der Tankstelle hab ich zur Stärkung Schokolade geschenkt bekommen, Holländer haben mich vom Auto aus beim Anstieg angefeuert. Ich war, nachdem ich’s geschafft hatte, so euphorisch, dass ich nach dem Gipfelsieg gleich 80 Kilometer weiter geradelt bin.“

Auch die Toskana zeigte dem Pilger ihre Schattenseiten: „Flach, 40 Grad Hitze und dann ein Anstieg auf knapp 1.000 Meter. Das hat mir fast den Nerv gezogen.“ Aber: Nach insgesamt 30 Tagen – „fünf Tage Pause hab ich mir gegönnt“ – 1.931 Kilometern und 310.000 verbrauchten Kalorien ist Schimanowa am Petersplatz gelandet.

2017 steht Jerusalem am Pilgerroutenplan

Genossen habe er „das Alleinsein, die Stille. Ich habe die Tour auch dazu benutzt, die Werte abseits des Alltages schätzen zu lernen“. Er sei aber „immer noch unterwegs, um die Bedeutung der Reise für mich persönlich einordnen zu können“.

Dennoch hat er schon die Route für 2017 fixiert. Es wird nach Jerusalem gehen. Erneut per Rad. Aber mit einem neuen: „Damit habe ich mich nach meiner Tour belohnt.“