Erstellt am 11. Mai 2016, 05:54

von NÖN Redaktion

Rücktritt des Kanzlers „Nur Puzzlestein“. SPÖ-Bezirksvertreter sehen im Abgang von Werner Faymann grundsätzlich die Chance auf Neuausrichtung.

SP-Bundeskanzler Werner Faymann  |  NOEN, Baldauf

SPÖ-Bezirksparteivorsitzender Hannes Weninger sieht im Rücktritt von Werner Faymann „eine Chance für einen Neubeginn und eine Neuaufstellung der SPÖ. Jetzt geht’s um die neue inhaltliche Position“. Es sei in der Großen Koalition schwer gewesen, „zwischen Regierungserfolg und der Erfüllung der Forderung einer Partei zu unterscheiden. Es allen recht zu machen, geht eben nicht“. Was die Nachfolge betrifft, hat Weninger eine klare Meinung: „Ich halte nichts von Personalspekulationen.“ Man müsse nun sachlich an die Entscheidung herangehen, wer der oder die Beste für die Führungsposition sei.

Auch eine mögliche Öffnung der SPÖ zur FPÖ hält Weninger nicht für das Gelbe vom Ei: „Grundsätzlich gibt der Wähler das Ergebnis vor. So wie ich das als Nationalrat bei den Sitzungen miterlebe, kann ich nicht viele Übereinstimmungen mit der FPÖ erkennen.“

Mitglieder sollen Bundesparteivorsitzenden wählen

Für Mödlings SP-Gemeinderat Stephan Schimanowa ist der Abgang des Ex-Kanzlers sei „nur ein Puzzlestein in der Neuaufstellung der Partei. Jetzt muss die Diskussion um die Inhalte folgen, damit wir geeint in die Zukunft gehen können.“ Was den neuen Bundesparteivorsitzenden betrifft, schlägt Schimanowa vor: „Ich würde mir eine Mitgliederbefragung wünschen.“

Für Mödlings Vizebürgermeister Gerhard Wannenmacher, Grüne, war die Entscheidung des nun ehemaligen Kanzlers nicht verwunderlich: „Es war eigentlich überfällig. Aus dieser internen Krise der SPÖ könnte sich aber auch eine Möglichkeit für dringend notwendige Änderung ergeben. Jetzt muss nämlich die Parteilinie neu überdacht werden, was vielleicht zu einem erkennbareren Kurs führen könnte. Vielleicht weiß man als Wähler dann auch wieder, wofür die Partei steht und wie man sie einschätzen kann.“

FPÖ-Bezirksparteiobmann Christian Höbart findet klare Worte: „Der Kopf der mit Abstand schwächsten Regierung der Zweiten Republik hat das sinkende Schiff verlassen. Die Entscheidung Faymanns ist ein eindeutiges Zeichen, dass das rot-schwarze System ausgedient hat. Wir Freiheitliche sind nun bereit, mehr Verantwortung zu übernehmen.“

ÖVP-Landtagsabgeordneter Hans Stefan Hintner attestiert Faymann, er sei „wie ein Mann abgetreten“. Mödlings Stadtchef verurteilt das, „was sich an Kommentaren auf Facebook abspielt. Das hat sich niemand verdient“. Seiner Partei rät Hintner, „vorerst abzuwarten, wen die SPÖ bringt. Eine Neuwahl käme einem Sprung vom 10-Meter-Turm in ein leeres Becken gleich“.