Biedermannsdorf

Erstellt am 12. Oktober 2016, 07:24

von Judith Jandrinitsch

Wer bietet mehr?. Das ehemalige Kinderheim wird in seiner Urform als Schloss Biedermannsdorf auf der Homepage der Stadt Wien angeboten.

Die Widmung macht‘s: Bis dato könnte ein eventueller Käufer nur eine Schule oder ein Kinderheim aus dem Schloss Biedermannsdorf machen.  |  NOEN, Judith Jandrinitsch

Die Bombe platzte in dem Moment, als in Biedermannsdorf bekannt wurde, dass auf der Homepage der Stadt Wien unter dem Punkt „Grundstücke“ das Schloss Biedermannsdorf zur Versteigerung ausgeschrieben ist.

Das ärgert ganz besonders Bürgermeisterin Beatrix Dalos, ÖVP, weil sie das Interesse der Gemeinde, diese Liegenschaft zu erwerben, gegenüber der Stadt Wien stets bekundet hat. Allein die Finanzierung blieb trotz vieler Gespräche ein offener und wunder Punkt. Doch dass die Stadt Wien das Schloss plötzlich versteigern will, ohne diesen Entschluss der Gemeindeführung in irgendeiner Form vorher mitzuteilen, kann die Ortschefin nicht nachvollziehen. Auch, weil auf die Widmung des gesamten Objektes auf Bauland Sondergebiet Kinderheim und Sonderschule nicht weiter erklärend eingegangen wird. „Wenn jemand das Objekt ersteigert, dann kann er eine Schule machen“, meint Dalos trocken.

Nur Gemeinderat kann Widmung ändern

Eine etwaige Umwidmung liegt alleine in der Hand des Gemeinderates. Doch an eine Umwidmung, nur das Interesse eines Bauträgers zu befriedigen, denkt Dalos nicht. „Die Gemeinde wird die Widmung nur dann ändern, wenn die Gemeinde auch etwas von der Umwidmung hat. Ich bin bestrebt, eine Lösung im Interesse Biedermannsdorfs zu finden.“

Die Stadt Wien hat das Mindestangebot für die Versteigerung mit 6,3 Millionen Euro festgelegt, der Quadratmeterpreis beträgt somit 285 Euro. Fast das ganze Schloss ist denkmalgeschützt.

Christian Kaufmann, Pressesprecher von Wohnbaustadtrat Michael Ludwig präzisiert, dass es ab Jahresende zu Verhandlungen mit Bietern kommen soll.

Zur speziellen Flächenwidmung meint er: „Es liegt im Verantwortungsbereich der Gemeinde, eine Umwidmung vorzunehmen. Doch es liegt letztendlich auch bei Biedermannsdorf, zu sagen, was in deren Interesse liegt.“

Potenziellen Käufern rät er, sich vor einer Anbotslegung mit der Gemeinde in Verbindung zu setzen.

Reaktionen

„Keiner kommt an der Tatsache vorbei, dass es in der Hand der Gemeinde liegt, die Widmung umzuändern. Ich stehe einem Bauträger, der das Schloss kaufen und dann mit Wohnungen zupflastern will, total negativ gegenüber. Die Voraussetzung für alle Projekte ist aber, dass zuerst die Gemeinde Biedermannsdorf die Eigentümerin des Schlosses sein muss. Wenn die Gemeinde nicht mit im Boot ist, wird es keine Umwidmung geben“,
Josef Spazierer, SPÖ

„Das Kinderheim ist aufgrund seiner Größe, Lage, Architektur das größtes Gebäudeensemble in Biedermannsdorf und in Wahrheit unser natürliches Zentrum. Seit vielen Jahren kämpfen wir dafür, dass dieses Objekt von der Gemeinde angekauft werden soll. Statt dessen setzt die Gemeindeführung die falschen Prioritäten, wie die Flüchtlingsbetreuung im Tralalobe-Haus. Die Biedermannsdorfer Gemeindepolitik ist nicht in der Lage, die wirklichen Prioritäten zu erkennen“,
Christoph Luisser, FPÖ

„Wir waren schon immer dafür, dieses Areal wieder in den Besitz der Gemeinde zu bringen. Insofern gibt es unsererseits auch die Bereitschaft, vertretbare Maßnahmen zu unterstützen, die dazu führen. Der Hinweis auf die Widmung ist richtig und wird wohl in etwaige Verhandlungen eingebracht werden. Jedenfalls macht es die Aktualität dieser Angelegenheit dringend nötig, ein Konzept für eine mögliche Übernahme auszuarbeiten. Wir sind bereit, hier konstruktiv mitzuarbeiten“,
Karl Wagner, Grüne

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