Erstellt am 15. Juni 2016, 04:00

von Gerald Burggraf

Sonja Zimov pfeift auf Grünen Klub. Innerparteiliche Streitigkeiten veranlassen 54-Jährige als „wilde Gemeinderätin“ weiter arbeiten zu wollen.

Sonja Zimov will auch im nächsten Fasching den Mantel »mit stolz tragen«.  |  NOEN, Grüne

„Ich dachte die Grünen sind liberal und offen, aber sie sind eher kommunistisch“, holt die bisherige Parteifunktionärin und Gemeinderätin Sonja Zimov zum Rundumschlag aus. Die in der Slowakei geborene 54-jährige Österreicherin wuchs selbst in kommunistischen Zeiten auf.

Sie will ab sofort als „wilde Mandatarin“ im Gemeinderat arbeiten und vollzog bereits mündlich ihren Austritt aus dem Grünen Klub. Doch was war passiert? Der Ärger fing in der närrischen Zeit an. Zur Hochzeit des Mödlinger Faschings, dem Umzug, begleitete Zimov eine Gruppe aus der bulgarischen Partnerstadt Obzon.

Aus diesem Anlass wollte sie den Faschingsmantel der Stadtgemeinde tragen. Ein No-Go bei den Grünen.
Denn als diese Jacken vor rund 20 Jahren angeschafft wurden, hat es zuerst geheißen, dass die Mandatare selbst die Kosten tragen. Am Ende finanzierte doch die Kommune die Mäntel, aus Grüner Sicht eine Verschwendung öffentlicher Mittel. Daher weigern sie sich konsequent, den Umhang zu tragen.

Zimov: "Ich stand wie vor einem Tribunal"

Für Zimov, Quereinsteigerin seit der Gemeinderatswahl, unverständlich. „Ich habe in offizieller Funktion die Gemeinde vertreten und wollte daher den Mantel tragen. Daher habe ich bei uns angefragt, ob es in Ordnung ist“, erzählt sie. Die Reaktionen waren wenig erbaulich.

Sie sei sofort vor die Wahl gestellt werden, ob sie für die Grünen oder die Stadt sei. Zimovs Wahl fiel auf den Mantel, den sie trotzdem trug. Der Höhepunkt der Streitigkeiten ereignete sich dann im Rahmen eines Grünen Montagstreffens.

„Dort stand ich wie vor einem Tribunal. Man machte mir Vorwürfe und meinte, ich würde mich nicht für die Grünen engagieren. Das ist unwahr“, wehrt sie sich. Daraufhin hielt sich Zimov zwei Monate zurück und wartete auf eine Entschuldigung. Doch die kam nicht, das Ende ihrer Karriere bei den Grünen.

Wannenmacher: „Kein Dresscode im Fasching“

Parteichef und Vizebürgermeister Gerhard Wannenmacher gibt sich auf NÖN-Anfrage zurückhaltend. „Ich habe diesen Entschluss noch nicht schriftlich vorliegen“, erklärt er. Den Verlust Zimovs würde er bedauern, auch wenn man in letzter Zeit nicht immer einer Meinung war.

Einen Dresscode im Fasching gebe er zudem nicht vor. Sollte sich der Rückzug bestätigen, würde Wannenmacher erwarten, dass sie das Mandat zur Verfügung stellen würde. „Immerhin hat die Partei sie auch nominiert“, unterstreicht er