Erstellt am 16. Januar 2016, 04:33

von Johannes Taschler

Streit um den Boden: Bloß Angstmache?. Aushub auf Äcker aufzubringen, soll der Boden-verbesserung dienen. Umwelt-Experte Schume stellt sich dagegen.

Christian Augustin, ÖVP, (Foto) versucht, seinen Boden zu verbessern, Helmut Schume, Pro Münchendorf, hält davon nichts.  |  NOEN, privat
Seit der Novellierung des NÖ Bodenschutzgesetzes im April 2014 ist das Ziel, den in einer Region standorttypischen Bodenzustand zu erhalten, nicht mehr vorhanden. Fällt nun bei Bauarbeiten Bodenaushub an, kann dieser in seinem natürlichen Zustand nun ohne weiters an einem anderen Standort platziert werden.

„Durch die Gesetzesänderung wird das Aufbringen bester Erde zur flächenhaften Bodenverbesserung jetzt nicht mehr verhindert“, heißt es bei der NÖ Landwirtschaftskammer. Aus diesem Grund habe man sich schon vor Jahren vehement für die Novellierung eingesetzt.

Gemeinsam mit Landesrat Stephan Pernkopf, ÖVP, gebar Gemeinderat und Bauer Christian Augustin, ÖVP, die Idee, den Versuch zu wagen, 25 Zentimeter Erde aus Inzersdorf auf seinen eigenen Feldern aufzubringen. „Es ist viel sinnvoller, den Boden auf den Feldern zu verteilen anstatt ihn zu deponieren, wenn die Bonität des Ackers sowieso zu wünschen übrig lässt und es sich bei der Erde um guten Mutterboden eines Zuckerrübenanbaus handelt. Wir verteilen den Boden auf ‚schlechten‘ Flächen und hoffen auf Verbesserung“, erklärt Augustin im NÖN-Gespräch.

Paket sorgt für Aufregung

Jedoch sorgt das Projekt unter anderem bei Umweltgemeinderat Helmut Schume, Pro Münchendorf, für Aufregung. Die Praktik werde lediglich „als ‚Bodenverbesserung‘ verkauft“, meint der Bodenkunde-Experte, der sein Wissen auch an der Uni weitergibt. „Die Technik ist nicht erprobt und hat noch Versuchscharakter. In der Erde befinden sich möglicherweise Materialien, die auch Probleme mit der Bodenphysik mit sich bringen könnten. In den Verhandlungen ging es nur darum, keine Verschlechterung herbeizuführen. Von einer Verbesserung kann aber keine Rede sein.“ Die Gesetzesänderung öffne „dem Land, das sich mit der Methode viel Geld erspart, alle Türen.“ Man habe also auch in Zukunft mit solchen Fällen zu rechnen.

„Mir gefällt die Angstmache nicht“, reagiert Augustin auf die Vorwürfe. „Ich verstehe nicht, warum man versucht, böses Blut in die Sache zu bringen. Alles ist geprüft, es liegen mittlerweile über 40 Untersuchungsergebnisse vor, da es den Verdacht eines erhöhten Schwermetallgehalts gab, der dann doch unter den Grenzwerten lag. Es handelt sich um Mutterboden. Wenn hier Schwermetalle enthalten wären, hätten sie sich schon zuvor im Acker befunden“, argumentiert Augustin.