Erstellt am 12. März 2016, 06:44

von Christoph Dworak

Herzliches „Servas“. NÖN-Lokalaugenschein in der Betreuungsstelle, aktuelle Bleibe für 34 junge Asylwerber.

Murtaza mit Regina Krammer vom örtlichen Flüchtlingsnetzwerk, »tralalobe«-Schirmherrin Micheala Klein und Einrichtungsleiter Andreas Diendorfer.  |  NOEN, Christoph Dworak

„Servas!“, sagt Murtaza (15) mit einem Lächeln im Gesicht und erzählt beim NÖN-Lokalaugenschein im „tralalobe“-Haus aus seinem Leben. Zu Fuß, mit dem Schiff und dem Auto sei er aus Afghanistan geflüchtet und mit Schleppern in Österreich gelandet. Jetzt ist er einer von aktuell 34 unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen (UMF) im Alter zwischen 12 und 18 aus Syrien, Irak und Afghanistan, die in Biedermannsdorf ein Zuhause gefunden haben.

Vormittags besucht er die „Schule für Wirtschaft und Technik“ in Mödling, am Nachmittag gibt’s Nachhilfe, Deutschkurs und Freizeitbeschäftigung: „Ich war auch schon Eislaufen“, lässt Murtaza nicht unerwähnt. Deutsch versteht er nach vier Monaten schon sehr gut, auch mit der Verständigung klappt es.

Murtaza hat schon Zukunftspläne geschmiedet. Beruflich will er „etwas mit IT machen“, auch eine Familie und Kinder stehen am Wunschzettel ganz oben.

Bis dahin ist es noch ein weiter Weg, weiß auch Einrichtungsleiter Andreas Diendorfer: „Unser Hauptjob ist, die Jugendlichen in Österreich lebensfit zu machen, damit sie ab ihrem 18. Lebensjahr selbstständig durchkommen. Dafür gibt es quasi eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung: Sozialpädagogen und Sozialarbeiter sind direkte Ansprechpartner, eine Rechtsberaterin unterstützt die Asylwerber bei Behördenwegen. Verstärkt wird das Team durch einen hausinternen Psychologen, der sich besonders um Klienten mit medizinischen oder psychischen Problemen kümmert.

Zukunftsperspektive als Ziel der Betreuuer

Diendorfer macht deutlich: „Etwa 90 Prozent der Jugendlichen werden in Österreich bleiben. Daher ist es wichtig, dass wir jetzt all unsere Ressourcen mobilisieren, damit sie in der Gesellschaft nicht abgleiten. Wir bemühen uns, ihnen eine Zukunftsperspektive zu geben.“

„tralalobe“-Schirmherrin Michaela Klein kommt auf die kritischen (Polit-)Stimmen zu sprechen, die nichts auslassen würden, um sämtliche Verfehlungen mit Asylwerbern in Verbindung zu bringen: „Ich sehe die jungen Flüchtlinge wie meine eigenen Kinder, die manchmal auch Fehler und Dummheiten machen.“

Regina Krammer vom „ICH – DU – WIR“-Flüchtlingsnetzwerk Biedermannsdorf, ist es ein Anliegen, mit diesen Vorurteilen aufzuräumen: „Ich denke, das wird nur über den direkten Austausch mit den Kritikern möglich sein.“ Deshalb wird sie ein Kontakt-Café ins Leben rufen, bei dem Kritiker und Befürworter an einem Tisch sitzen. „Ich möchte, dass das ewige Zündeln endlich ein Ende hat und an die hohe Verantwortung jedes einzelnen appellieren.“


Zum Thema

  • 2002 wurde die „Betreuungsstelle Mödling“ in der Hasslinger-Straße 3 von der „Diakonie-Flüchtlingsdienst“ für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge ins Leben gerufen.

 

  • 2012 wurde die Clearingstelle – mittlerweile eine ständige, durch Tagsätze des Landes finanzierte Einrichtung – ein „tralalobe-Haus“.

  • Präsidentin des „tralalobe“-Vereins (Förderung und Hilfe von bedürftigen Kindern), den die Firmen Radatz und Almdudler gegründet haben, ist Michaela Klein, Schwester des Almdudler-Chefs Thomas Klein.

 

  • Seit Oktober 2015 gibt es ein weiteres „tralalobe-Haus“ im Bezirk Mödling; jenes in der Wiener Straße 157 (ehemaliger „Bodenschutz“) in Biedermannsdorf.

 

  • Ziel des Vereins ist, unbegleiteten minderjährigen Asylwerbern altersgerechtes Aufwachsen trotz ihrer besonderen Situation zu ermöglichen und sie in die österreichische Gesellschaft zu inkludieren.

www.tralalobe.at