Erstellt am 07. Februar 2016, 13:23

Über 1.200 gerettete Ziervögel in Vösendorf. Ausnahmezustand im Wiener Tierschutzverein: Das Personal des Wiener Tierschutzvereins hat wahrlich schon viel gesehen, doch die Ereignisse, die sich am Samstag am späten Nachmittag abspielten, ließen allen den Atem stocken.

 |  NOEN, WTV

Von der Tierrettung wurden mehrere Holzkisten und Schachteln mit verschiedenen Vogelarten ins Wiener Tierschutzhaus nach Vösendorf gebracht. Sie wurden von der Polizei im 14. Wiener Gemeindebezirk in einem PKW sichergestellt und in weiterer Folge vom Amtstierarzt beschlagnahmt.

Gingen die Behörden zunächst noch von rund 500 Vögeln aus, zeigte sich im Wiener Tierschutzverein erst das wahre Ausmaß dieser unfassbaren Tierquälerei. In den insgesamt 15 Holzkisten und Schachteln waren insgesamt über 1.200 Tiere eingepfercht. Es handelt sich dabei um Kanarienvögel, Wellensittiche, Agaponiden, Zwergtauben und Hühner. Das geschockte WTV-Personal machte sich umgehend daran, die Tiere so gut wie möglich unterzubringen. Dies gestaltete sich allerdings äußerst schwierig, da sich unter den Vögeln leider bereits einige verendete sowie offensichtlich erkrankte Exemplare befanden. „Es war wichtig, trotz des Schocks, den wir hatten, die Tiere rasch zu befreien und zu versorgen, um noch mehr Todesfälle zu verhindern“, sagt WTV-Präsidentin Madeleine Petrovic.

Über tausend Vögel in PKW zusammengepfercht

Hinzu kommt die Tatsache, dass sich mit dieser extrem hohen Anzahl an Tieren, der Tierbestand im Wiener Tierschutzhaus quasi über Nacht verdreifacht hat. Nur mit vereinten Kräften des Pflegepersonals des WTV-Vogelhauses (üblicherweise haben dort am Wochenende zwei Pflegerinnen Dienst), den Mitarbeitern der Gärtnerei und der WTV-Information, die aufgrund dieser tierischen Katastrophe allesamt ihre regulären Dienstzeiten ignorierten, konnten die panisch schreienden, verschreckten und dehydrierten Tiere gemustert, in passenden Volieren untergebracht und mit Wasser und Futter versorgt werden. Auch eine Erstuntersuchung der Tiere wurde von einer dem WTV nahestehenden Tierärztin umgehend vorgenommen. Eine genaue medizinische Diagnose ist aufgrund der Vielzahl der Tiere erst in einigen Tagen möglich. Es ist allerdings leider davon auszugehen, dass einige weitere Vögel diese bestialische Tortur, die sich hinter sich haben, vermutlich nicht überleben werden.

Ausnahmezustand im WTV

Daher wurde das WTV-Vogelhaus auch umgehend unter strenge Quarantäne gestellt, um ein Übergreifen von Krankheiten oder Seuchen zu verhindern. „Bis wir die genaue Tragweite dieser Katastrophe abschätzen können, herrscht in unserem Hause bis auf weiteres Ausnahmezustand“, so Petrovic. Die WTV-Präsidentin wird sich überdies in den nächsten Tagen auf nationaler wie internationaler Ebene zu diesem Fall äußern. „Ich werde mich in den nächsten Tagen um die unvermeidbaren rechtlichen Fragen und Klärungen kümmern und – wenn klar ist, wie viele Tiere gerettet werden können und wie die Seuchengefahren, etc. gebannt werden können, mit diesem Horrorbeispiel, das leider offenbar nur die zufällig sichtbar gewordene Spitze eines riesigen Eisbergs von millionenfacher, unsichtbarer Tierqual darstellt, auch an die Spitzen der EU wenden und Taten einfordern. Denn es geht hier um sehr grundsätzliche Fragen einer Ethik des Respekts vor dem Leben in seiner Fülle und Gesamtheit“, so Petrovic. Der WTV wird sich jedenfalls innerhalb der kommenden Woche mit weiteren Details melden.