Erstellt am 20. Februar 2016, 06:24

von Gerald Burggraf

Verträge ausgelaufen: Am Dürrsee weht sehr rauer Wind. Rund 130 Mieter müssten Gründe nach Gerichtsanweisung zurückgeben. Streit um neue Vereinbarung.

Wie es am Dürrsee weitergeht, müssen nun die Gerichte klären. Eine Einigung scheint nicht in greifbarer Nähe zu sein.  |  NOEN, Gerald Burggraf

Wohnen am See – für viele der Inbegriff der Ruhe und eines sorgenlosen Lebens. Doch ausgerechnet in einer diesen idyllischen Wohngegenden, dem Münchendorfer Dürrsee, bläst aktuell rauer Wind. Denn die Eigentümer, die Velmer Landwirte Norbert und Helene Dürr, und die Siedler befinden sich im Dauerclinch. Trauriger Höhepunkt: Ein mit Jahresanfang gerichtlich verordneter Übergabeauftrag, der die rund 130 Badesee-Bewohner dazu verpflichtet, ihre Grundstücke zurückzugeben. Der Anlass dafür ist, dass die Verträge zwischen Besitzern und Siedlern mit 31. Dezember des Vorjahres ausgelaufen sind und es zu keiner Einigung bezüglich einer neuen Vereinbarung kam.

Juristischer Streit ist vorprogrammiert

Der Siedlerverein hat im Namen der meisten Bewohner (sieben haben dem neuen Vertrag zugestimmt) Einspruch gegen den Übergabeauftrag erhoben – ein jahrelanger juristischer Streit ist vorprogrammiert.

Was war passiert? Der im Jahr 1986 mit Matthias Dürr aufgesetzte Vertrag (gilt für alle Bewohner, auch jene, die erst danach gebaut haben) lief Ende 2015 aus. Vor einigen Jahren hat der mittlerweile verstorbene Dürr den Grund an Sohn Norbert und dessen Gattin Helene überschrieben.

Mietanstiege bis zum Zwölffachen

Laut dem Siedlerverein hat es bis zum Sommer seitens der Eigentümer immer geheißen, dass sich niemand Sorgen machen müsse. Lediglich eine leichte Erhöhung des Mietzinses wurde angekündigt. Doch der später vorgelegte Vertrag habe Mietanstiege bis zum Zwölffachen beinhaltet und die Eigentümer hätten für eine Unterschrift sogar Druck ausgeübt.

Besonders verärgert über das Vorgehen zeigen sich die Bewohner auch deshalb, weil alle infrastrukturellen Investitionen, wie Straße oder Kanal, im Ausmaß von rund zwei Millionen Euro nicht von den Eigentümern, sondern ausschließlich vom Seeverein geleistet wurden.

Existenzen sind bedroht

Durch den Streit seien zudem Existenzen bedroht. Laut dem Anwalt der See-Bewohner, Roland Hansely, sei das Problem jedoch bereits in der Ursache zu klären. Denn aus seiner Sicht sei die Befristung, an der sich nun alles spießt, unwirksam.

Auf NÖN-Anfrage widerspricht der Familienanwalt Bernd Trappmaier diesen Darstellungen. Die Mietverträge müssten eben an die Zeit anpasst werden, Aussagen zum neuen Vertrag oder der Miethöhe hätten seine Mandanten aber nie gemacht, geschweige denn Druck ausgeübt. Vielmehr habe der Seevorstand „Telefonterror“ bei jenen Mietern gemacht, die den neuen Vertrag unterschrieben haben. Behauptungen von einem zwölffachen Mietzins seien zudem „populistischer Aktionismus“. Er beschuldigt vielmehr den Seevorstand, eine Einigung zu blockieren.