Erstellt am 07. April 2016, 06:44

von Tina Jedlicka

Verzweifelter Räuber. 49-Jähriger wegen bewaffneten Raubes vor Gericht: Er soll seinen Ex-Chef ausgeraubt haben, weil er ihm seinen Lohn schuldig sei.

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Am 15. Jänner soll ein 49-Jähriger aus dem Bezirk Wien-Umgebung seinem Chef einer Mödlinger Taxifirma eine Gaspistole angehalten und 360 Euro geraubt haben.

Beim Prozess konnte sich der Angeklagte an den konkreten Vorfall kaum erinnern. Was er aber dafür noch umso genauer wusste, war, dass er sich von seinem ehemaligen Chef über den Tisch gezogen gefühlt habe. „Er hat mir nie die Anmeldungsbestätigung bei der Sozialversicherung gezeigt. Er hat gesagt, ich werde geringfügig beschäftigt und würde für Überstunden fünf Euro pro Stunde ausbezahlt bekommen“, klagte der bisher unbescholtene Familienvater.

20 Stunden am Stück gearbeitet

Er habe in der Woche zuvor oft 20 Stunden am Stück gearbeitet. Geld habe er keines gesehen, „obwohl ausgemacht war, dass er wöchentlich bezahlt“, so der Angeklagte weiter.

Und so stand er am 15. Jänner, dem Geburtstag seiner Tochter, ohne Geld da. Er habe seinen Chef um Geld gebeten, um „das Geschenk für meine Tochter bezahlen zu können. Aber er hat nur auf Türkisch geschimpft“.

Da habe er einen über den Durst getrunken. Was dann passiert sei, wisse er nicht mehr. Er nehme auch schwere Medikamente, die sich mit Alkohol schlecht vertragen.

Vermeintliches Opfer in Erklärungsnot

Die Richterin hielt ihm eine Waffe vor: „Ist das ihre?“ Der Angeklagte nickte. Es sei eine Leuchtpistole, die er zu Silvester verwendet habe. Als der Schöffe sie unter die Lupe nahm, bot der Angeklagte an: „Probieren Sie, sie funktioniert.“ Die Richterin würgte das aber gleich ab, Patronen waren ohnehin keine dabei. Die Familie des Angeklagten wohnte dem Prozess als Zuhörer bei. Auch die Tochter war gekommen.

Der ehemalige Arbeitgeber, der auch das vermeintliche Opfer ist, geriet im Zeugenstand in Erklärungsnot, als es um die Anmeldung des Angeklagten und die Auszahlung des Gehaltes ging. Der Prozess wurde auf 24. Mai vertagt.