Vösendorf

Erstellt am 27. Juli 2016, 03:00

von Karl Stiefel

Süd-Tower: Kronister kritisiert Erwin Pröll. Der jahrelange Rechtsstreit rund um den „Süd Tower Vösendorf“ hat mit einem 18 Millionen Euro umfassenden Vergleich geendet.

Meinhard Kronister, Bürgermeister a.D., SPÖ  |  Reinberger

FPÖ kündigt eine Prüfung der Umstände an. Der heftig attackierte Alt-Bürgermeister setzt sich hingegen zur Wehr.

Während die Gemeindeführung über diese Notbremse froh war, hagelte es Kritik von vielen Seiten.

Wilfried Santa, V2000, Vizebürgermeister.
 
 |  privat

Für Vizebürgermeister Wilfried Santa, V2000, verständlich, wenn auch nicht berechtigt: „Obwohl die Bürgermeisterin und ich damals im Gemeinderat waren, konnten wir die Folgen nicht absehen, ansonsten hätten wir natürlich anders gehandelt“, sagt er im NÖN-Gespräch.

Mit der Aussage lässt er auch Kritik am Alt-Bürgermeister Meinhard Kronister, SPÖ, durchhören – und damit ist Santa nicht alleine.

Christian Höbart, FPÖ-Bezirksparteivorsitzender, Nationalrat.  |  FPÖ

FPÖ-Bezirksparteivorsitzender Nationalrat Christian Höbart möchte Konsequenzen aus dem gescheiterten Bauprojekt sehen: „Die FPÖ NÖ wird nun in aller Ruhe und Klarheit diese Causa prüfen und entsprechende Schritte überlegen. So locker flockig werden die verantwortlichen Personen nicht davon kommen, wenn nun die schon grob fahrlässig verursachten Kosten in Millionenhöhe auf die Vösendorfer Bevölkerung abgewälzt werden.“

Gabriele Wladyka, Bürgerliste Perchtoldsdorf.  |  privat

Auch Gabriele Wladyka aus Perchtoldsdorf – die Mandatarin der dortigen Bürgerliste ist damals vehement gegen das Projekt aufgetreten – findet eindeutige Worte, wie ihr Eintrag auf NÖN-Online zeigt: „Bürgermeister Kronister hat wissentlich eine falsche Baubewilligung unterschrieben. Noch schlimmer: Bauamtsleiter Hellfried Wunsch, der Sachverständige‚ hat das geprüft‚ und für OK befunden. Warum werden die beiden nicht zur Rechenschaft gezogen? Nun sollen die Bürger für diese Amtsmissbräuche blechen und die Verursacher sind aus dem Schneider?“

„Projekt an strittigem Paragrafen gescheitert“

Während der mittlerweile ehemalige Bauamtsleiter Hellfried Wunsch zu keiner Aussage bereit ist, möchte Alt-Bürgermeister Meinhard Kronister einiges klarstellen: „Wie ich es sehe, hat der Landeshauptmann Erwin Pröll diese Misere überhaupt erst ausgelöst, indem er eine rechtskräftige Baugenehmigung ausgehebelt hat.

Das Projekt ist an einem strittigen Paragrafen in der Bauordnung gescheitert, der zu unseren Ungunsten ausgelegt wurde und in der neuen Bauordnung überhaupt nicht mehr drinnen ist.

Seither weigert sich der Landeshauptmann auch, mit uns zu sprechen – das ist eigentlich ein Skandal.“

Im August möchte Kronister einen offenen Brief veröffentlichen, indem er seine Sicht der Dinge festhalten wird. Zu den Anschuldigungen meint er: „Die Widmung und der Kaufvertrag wurden vom ganzen Gemeinderat beschlossen – auch der ÖVP. Daher verstehe ich deren Kritik an der Bürgermeisterin nicht.“

Seitens des Büros von Landeshauptmann Erwin Pröll, ÖVP, heißt es: „Es gab eine Reihe von Gesprächen zwischen dem Land und der Gemeinde. Es ist aber klar, dass diese Gespräche – so wie bei allen anderen Gemeinden auch – von den fachlich und rechtlich Zuständigen geführt werden. Im Fall des ‚Vösendorf Süd Tower‘ ist das zuständige Regierungsmitglied SP-Landeshauptmannstellvertreterin Karin Renner.“

Welche Konsequenzen der Ausgang des Verfahrens nun haben wird, bleibt abzuwarten. Bis Ende August soll feststehen, wie die Gemeinde den Vergleich abzahlen wird.