Erstellt am 22. Oktober 2015, 05:02

von Karl Stiefel und Kristina Mitrovic

Viele Fragen zu den Flüchtlingen. Info-Abend und Sondersitzung: Wie mehr Flüchtlinge im Ort untergebracht werden können.

Bürgermeister Herbert Janschka, Andrea Schritter, Martin Schelm, Peter Rozsa und Steffen Engel.  |  NOEN, Mitrovic

Wie kann Flüchtlingen konkret geholfen werden? Bei einer Informationsveranstaltung im Freizeitzentrum suchte nicht nur Bürgermeister Herbert Janschka, ÖVP, sondern auch Martin Schelm von der Caritas, Andrea Schritter vom SOS Kinderdorf, Peter Rozsa von der Koordinierungsstelle für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge den Dialog mit den Besuchern der Veranstaltung. Wie der Alltag mit Flüchtlingen aussieht, schilderte Steffen Engel, bei dem eine Familie untergebracht ist.

Nach einer Schilderung der aktuellen Lage konnten Fragen gestellt werden (siehe Infobox). Von den 44.000 Flüchtlingen in Österreich hat Wiener Neudorf bisher 32 aufgenommen – platzbedingt.

Janschka bringt das Problem auf den Punkt: „Wir haben keinen Wohnraum für 300 bis 500 Flüchtlinge wie andere Gemeinden.“

Das soll sich jedoch ändern: Im Containerkindergarten wird Platz für zwei Familien gemacht, die von der Pfarre Wiener Neudorf betreut werden. Eine marode Gemeindewohnung wird aktuell saniert, um gemeinsam mit dem SOS Kinderdorf vier Minderjährigen Wohnraum zu bieten.

Auch die Pfadfinder Wiener Neudorf haben vier Flüchtlinge – zwei Brüder, einen Cousin und einen Freund des Trios, der Englisch kann – im Pfadi-Heim untergebracht. Mittlerweile musste jedoch eine Privatunterkunft gesucht werden, da die Gemeine eine Familie und nicht vier Männer dort unterbringen wollte. Leiterin Regina Mahlberg: „Wir bedauern das, werden aber weiter Platz für eine Familie anbieten.“

Gemeinderatssitzung gibt weiteren Kurs vor

Alt-Bürgermeister Christian Wöhrleitner, SPÖ, findet schärfere Worte dafür: „Eine Initiative von unseren Pfadfindern wird mit dem Argument behindert, dass wir per Gemeinderatsbeschluss nur eine ‚Familie‘ unterstützen wollten. Vier junge Männer, die von den Pfadis gerne betreut worden wären und uns von der Diakonie zugeteilt wurden, gelten in den Augen der derzeitigen Gemeindeführung nicht als Familie.“

Bei der Gemeinderatssitzung am Montag wurde ein neues Hilfspaket beschlossen: Fünf weitere unbegleitete minderjährige Flüchtlinge werden außerdem in einer der beiden Notfall-Unterkünfte der Freiwilligen Feuerwehr untergebracht.

Die Verwendung des Palmers-Gebäudes wurde auch zum Diskussionspunkt, das Hochhaus bleibt jedoch leer. Der Bürgermeister begründet, warum dagegen entschieden wurde: „Die adäquate Betreuung und Infrastruktur sind dort einfach nicht gegeben.“


Zitiert

„Hat Wiener Neudorf eine Quote zu erfüllen?“
Frage aus dem Publikum

„Natürlich. Wir müssen aber mit kleinen Einheiten beginnen. Aktuell leben 32 Flüchtlinge im Ort. Mit der Unterstützung der Gemeinde können wir das schaffen.“
Antwort von Bürgermeister Herbert Janschka

„Ein langsames Vorgehen ist in der aktuellen Situation nicht angebracht.“
Kritische Anmerkung aus dem Publikum

„Wohnraum zu schaffen und zu suchen geht nicht so schnell. Ich habe zum Beispiel ein Wohnraum für Flüchtlinge hergerichtet und kriege einfach keine.“
Antwort aus dem Publikum

„Warum werden Gebäude wie die alte Volksschule oder das Palmers-Gebäude nicht verwendet?“
Frage aus dem Publikum

„Wir werden die Volksschule herrichten, sie ist aber an einen Verein vermietet. Das Palmers-Gebäude ist in Privatbesitz. Im Containerkindergarten werden wir Platz für zwei Familien finden.“
Antwort von Bürgermeister Herbert Janschka

„Habe ich die Möglichkeit mitzuentscheiden, wen ich aufnehmen möchte?“
Frage aus dem Publikum

„Sie können selbstverständlich entscheiden, wer bei Ihnen wohnen soll. Es gibt viele Möglichkeiten, die zuerst nicht so aussehen als wären es welche.“
Antwort von Martin Schelm, Caritas