Erstellt am 02. Dezember 2015, 04:58

von Gerald Burggraf, Christoph Dworak und Raphaela Edelbauer

Zielpunkt-Konkurs: 100 von der Pleite betroffen. Insolvenzantrag am Montag gestellt. Mitarbeiter hoffen auf Übernahme durch andere Firmen.

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„Es war ein Schock, ein Weltuntergang!“ Eine Zielpunkt-Mitarbeiterin, sie wollte anonym bleiben, der Filiale in der Mödlinger Friedrich Schiller-Straße beschreibt die erste Reaktion auf die Ankündigung ihres Arbeitgebers, Konkurs anzumelden.

Mit Montag wurde der Insolvenzantrag eingereicht. „Wir haben damit alles in die Hände des Masseverwalters gelegt“, erläutert Martina Macho, Sprecherin der Zielpunkt-Mutter „Pfeiffer Handelsgruppe“ auf NÖN-Anfrage.

„Für die Kinder wird es nun keine Geschenke geben“

Fakt ist, dass die Mitarbeiter weder November-Gehalt noch Weihnachtsgeld ausbezahlt bekommen haben. „Mir tun die Kinder leid, für sie wird es nun keine Geschenke geben“, meint eine andere Zielpunkt-Mitarbeiterin aus der Schiller-Straße, die ebenfalls unerkannt bleiben will. Dass ihr Arbeitgeber am Lebensmittelhändlermarkt ein Wackelkandidat ist, war ihr bewusst, dass es aber so schnell geht, kam doch überraschend.

Die Belegschaft hofft jedenfalls trotz der trüben Aussichten auf ein allgemeines Christkind. „Wir hoffen, dass uns jemand hilft. Noch sind wir gesund und munter. Wir sind ein eifriges Team und arbeiten alle bis zur letzten Sekunde. Die Hoffnung, dass uns eine andere Firma übernimmt, besteht ja noch“, ergänzt die erste Angestellte.

REWE-Gruppe und AMS geben sich abwartend

Auf NÖN-Anfrage gaben sich der in Wiener Neudorf angesiedelte REWE-Konzern (Billa, Penny, Merkur) sowie die Salzburger Spar-Gruppe zugeknöpft. Man müsse erst einmal abwarten, wie es in der Insolvenz weitergehe. „Wir sind bereit, uns in eine Lösung einzubringen, die dazu dient, möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten“, erläutert dazu REWE-Sprecherin Lucia Urban.

Unabhängig davon sei man ständig auf der Suche nach guten Mitarbeitern. „Zielpunkt-Mitarbeiter können sich jederzeit bei uns bewerben und tun dies auch bereits. Dasselbe gilt für Zielpunkt-Lehrlinge.“ Im Bezirk Mödling sind zehn Filialen mit 100 Mitarbeitern vom Zielpunkt-Aus betroffen.

Beim Arbeitsmarktservice (AMS) und der Arbeiterkammer in Mödling heißt es erst einmal abwarten. „Wir hatten noch keinen Kontakt mit Mitarbeitern von Zielpunkt“, erläutert etwa AMS-Chef Werner Piringer. AK-Bezirksstellenleiterin Susanna Stangl betonte: „Bei uns haben schon Mitarbeiterinnen vorgesprochen. Die Insolvenzen-Abteilung wird sich der Sache annehmen und zu Betriebsversammlungen laden.“

Weiterer Rückschlag im Südstadtzentrum

Ein Rückschlag ist das Ende von Zielpunkt auch für einige Gemeinden, die nun einen Nahversorger verlieren (siehe unten). Wie etwa im Südstadtzentrum.

Denn nach der Schließung der Bank Austria und des Postpartners muss die Gemeinde dort bereits den dritten Abgang verkraften. „Wie es weitergeht, kann ich noch nicht sagen. Im Einkaufszentrum Südstadt stellt sich die Causa Zielpunkt natürlich besonders bedauerlich dar“, so Bürgermeister Johann Zeiner, ÖVP.

Auch in Münchendorf dürfte das Zielpunkt-Aus die Hoffnungen auf einen baldigen Baubeginn eines Nahversorgers beim Gemeindeamt merklich trüben:


 

Die Filialen im Bezirk Mödling:

Breitenfurt:
Hauptstraße 107

Brunn am Gebirge:
Wiener Straße 100-102

Guntramsdorf:
Hauptstraße 22
Neudorfer Straße 106

Maria Enzersdorf:
Südstadtzentrum 4

Mödling:
Friedrich-Schiller-Straße 74-76
Wiener Straße 77

Perchtoldsdorf:
Brunner Gasse 46

Vösendorf:
Laxenburger Straße 196

Wiener Neudorf:
Griesfeldstraße 6