Mödling

Erstellt am 21. April 2017, 03:17

von Christoph Dworak

Roland Geyer genießt wieder Mödling. Professor Roland Geyer, Intendant des „Theater an der Wien“, schätzt das Leben in der Bezirkshauptstadt.

Professor Roland Geyer, Intendant des „Theater an der Wien“ und begeisterter Mödlinger.  |  Dworak

Das Elternhaus steht in Brunn am Gebirge, der Lebensmittelpunkt lag aber viele Jahre in Wien: Ein aus dem Tierschutzverein in Vösendorf geholter blinder Rottweiler war vor sieben Jahren Auslöser dafür, dass einer der erfolgreichsten Intendanten der Gegenwart wieder in den Bezirk zurückgekehrt ist: Professor Roland Geyer, seit 2006 Chef des „Theater an der Wien“, hat den Wiener Wohnsitz mit einem Mietshaus in Mödling getauscht. „Mit dem Hund über den Spittelberg zu gehen, war nicht einfach.“

Hier in Mödling genieße er „vor allem die Anonymität. In Wien kann ich nicht unerkannt durch den Naschmarkt gehen“, erzählt Geyer im NÖN-Gespräch: „Hier in Mödling bin ich vor allem als Mann der Dog-Watcherin bekannt“, schmunzelt er. Gabriela Bone-Geyer, einst erfolgreiche Sopranistin, hat quasi über Nacht den Job gewechselt und ist nunmehr erfolgreich als „Mensch-Hund-Coach“ tätig. Auch im Auftrag der Stadtgemeinde.

Geyer schätzt auch das Flair der Bezirkshauptstadt, die Fußgängerzone, die netten Lokale, Abstecher ins Stadttheater macht er, wenn’s die Zeit zulässt. Denn die Intendanz des „Theater an der Wien“ lasse nicht viel Freizeit zu, betont der ausgebildete Wirtschaftsmathematiker und Sportwissenschafter. Ihn hat es eher zufällig zu seinem ersten Kulturengagement ins Mostviertel verschlagen, das 1983 gleich in der Gründung der Amstettener Sommerfestspiele gipfelte.

Was fast untergeht: als Mathe-Professor hat Geyer „nach wie vor einen Lehrauftrag an der HTL in Wien 10. Nächstes Jahr steht für meine Schüler die Zentralmatura an“.

Und er hat in der Jugend in einer Band Gitarre gespielt, AKNÖ-Vizepräsident Franz Hemm aus Wr. Neudorf war damals „Roadie“, erinnert sich Geyer. „Als Musiker würde ich mich nicht bezeichnen. Partituren lesen kann ich aber.“

Und er hat das G’spür für die richtigen Produktionen in einem „Haus des Musiktheaters“. Besonders stolz ist Geyer auf die Auszeichnung von Benjamin Brittens „Peter Grimes“ als „Weltbeste Opern-Neuproduktion 2015“.

Entscheidungen fallen oft im Badezimmer

Der Intendant hat „eine geheime Liste von bis zu 20 Opern, die ich gerne aufführen möchte. Die schlussendliche Entscheidung fällt bei mir oft zwischen dem Duschen und Zähne putzen.“ Unter anderem hat der penible Arbeiter mit dem „künstlerischen Tick – einen Vogel hat jeder, einen Geyer nur ich“ – erneut Außergewöhnliches am Spielplan 2017/2018. Einer „normalen“ Zauberflöte folgt eine eigens für das „Theater an der Wien“ entwickelte Wagner-Ring-Trilogie „Hagen – Siegfried – Brünnhilde“, die am 1. Dezember Uraufführung feiern wird.

Kraft tankt Geyer für all die beruflichen Herausforderungen beim Laufen und beim Garteln – „Aber eher nur als Handlanger für meine Frau“ – das Tennis spielen beim TC Brunn musste Geyer der Bandscheiben wegen hintangestellt.

Der Vertrag als Intendant in Wien läuft bis 2020. Bis dahin will Geyer in das mittlerweile renovierte Elternhaus nach Brunn übersiedelt sein und weiterhin „ein geerdeter Mensch bleiben. Das wird immer wichtiger“.

www.theater-wien.at